Gedicht

Alles

01.09.2017 - Alia Hübsch-Chaudhry

Wie gerne wäre ich

Bei dir gewesen

Wie gerne hätte ich auch

Dich beschenkt

Wie gerne hätte ich

Ihr vorgelesen

Wie gerne hätte ich

ihr schwaches Haar gekämmt

Doch können wir nicht 

Zu jeder Zeit 

Jeder sein

Wir können nicht 

Zu jeder Zeit 

Alles wollen

Auch wenn wir könnten

Wären wir nicht ganz dabei

Auch wenn wir könnten

Wären wir nicht 

Alles

Wie gerne hätte ich 

Ihn vor sich Selbst gerettet

Wie gerne hätte ich 

Seinen Aufprall verhindert

Wie gerne hätte ich 

Ihre kalten Arme zugebettet

Wie gerne hätte ich 

Ihren Schmerz vermindert

Doch können wir nicht 

Zu jeder Zeit 

Jeder sein

Wir können nicht 

Zu jeder Zeit 

Alles wollen

Auch wenn wir könnten

Wären wir nicht ganz dabei

Auch wenn wir könnten

Wären wir nicht 

Alles

Denn wir bleiben

ganz an einer Stelle

Selbst

Wenn wir zerstreut verweilen

Wir können uns 

Nicht verdoppeln

Wir können uns 

Nicht verbreiten

Wir können uns

Nicht verorten

Auch wenn wir 

Uns beeilen

Wie gerne hätte ich

Ihr zugeschaut

Wie sie Schritt für Schritt wächst

Wie sie all den Kummer hinter sich lässt

Wie gerne wäre ich zugegen

Würde ich erleben 

Wie alle Schwachen genesen

Doch können wir nicht 

Zu jeder Zeit 

Jeder sein

Wir können nicht 

Zu jeder Zeit 

Alles wollen

Auch wenn wir könnten

Wären wir nicht ganz dabei

Auch wenn wir könnten

Wären wir nicht

Alles

Denn wir bleiben

ganz an einer Stelle

Selbst 

Wenn wir uns wie Sand

Im Wind verteilen

Wir müssen lernen

Uns zu vergeben

Wir müssen lernen

Wir zu sein

Wir können nicht 

Alles geben

Wir können nicht 

Alles sein

Denn du bleibst

In einem Raum

Und du bleibst kaum

Du bleibst in einer Zeit

Und du bleibst bereit

Für die Endlichkeit

Du sollst wissen

Es ist nichts kleines

Jemanden, etwas 

Zu vermissen

Es bleibt nur meist 

Eines, von vielen 

Geheimnissen

Es bleibt nur meist 

Einer, von vielen 

Kompromissen

Du hast sicherlich deine Ziele

Sicherlich überaus viele

Du willst etwas werden

Ein geistiges Vermächtnis vererben

Du willst etwas sein

Und das willst und kannst du

Niemals allein

Aber wie viel bleibt

Unausgesprochen?

Wie viel bleibt verborgen

Für Jahre, für Wochen?

Wie oft ist man 

Zu sehr auf sich selbst fixiert

Hat sich mit seinem Alltag, 

mit seinen Beziehungen arrangiert

Sag, wie viel bleibt

Unausgesprochen geliebt

Ausgesprochen ungeliebt?

Wie viel Zeit wird investiert

Wenn der andere wach bei dir, 

gesund und munter existiert?

Ich möchte...

Ich spreche ein Geheimnis aus

….

Ich möchte... von

Deinem Atem riechen

Der mir Deine Sicht 

Verleiht

Ich möchte

Deinen Flug erhaschen

Deinen Blick

In andere Sphären

Ich möchte

Von Deiner Süße naschen

Die du wirst mir kurz gewähren

Ich möchte 

Dein Federkleid tragen

Das mir Deinen Glanz

Aufzeigt

Möchte kurz 

Immer wieder

Eine Stärke spüren

In einer Sprache 

Ohne Zeit

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Worte benötigen Zeit

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