Ausgabe #99

Aus der Chefredaktion: Erkenntnisse gewinnen

01.11.2017 - Alia Hübsch-Chaudhry

Liebe Autorinnen und Autoren, liebe Leserinnen und Leser,


wir leben in einer immer komplexer werdenden Welt. Jeden Tag suchen Menschen nach Antworten auf unzählige technologische, ökonomische, kulturelle, soziale und ökologische Herausforderungen. Überall gibt es Konflikte, innere und äußere Kämpfe. Beziehungen liegen im Argen, Menschen suchen nach dem Sinn in ihren Tätigkeiten oder freuen sich, wenn sie überhaupt einer Tätigkeit nachgehen dürfen. So unterschiedlich die Herausforderungen sind, so unterschiedlich sind auch Lebensrealitäten und Lösungsansätze, die dahinter liegenden Muster, Normen und Werte. Sie zu erkennen, ist eine Kunst.

Klar ist, dass wir oft im Nachhinein klüger sind. Das kann im Umgang mit kleinen Ungereimtheiten passieren. Als ich letztens beispielsweise einen relativ kurzen Satz in einer Fremdsprache auswendig lernen wollte, geriet ich immer wieder ins Stocken. Der Satz kam mir unglaublich lang, unstrukturiert und recht verwirrend vor. Als ich den Satz dann endlich konnte, wunderte ich mich über meine vorherige Wahrnehmung. Vor diesem einen Satz musste ich tatsächlich mehrfach kapitulieren? Es schien mir absurd. Er war doch so unglaublich kurz, einfach und verständlich. Aber erst im Nachhinein. Erst, als ich den Satz auswendig konnte. Nach all dem wiederholten Scheitern und den Neuanfängen.

Sobald wir etwas als vertraut wahrnehmen, es internalisiert haben, Erkenntnisse erlangt haben, verändert sich unser Umgang mit den Dingen, mit uns selbst.

Erkenntnisse sind dazu da, um sie mit anderen zu teilen, davon bin ich überzeugt. Die aktuelle MILIEU-Ausgabe will ihren Beitrag dazu leisten. Im Interview mit Richard David Precht geht es um den Nutzen des Philosophierens und das Problem der Selbstbestätigungsmaschinerie namens Internet. Unsere Kulturkritikerin Nicole Willig widmet sich der preisgekrönten US-amerikanischen Fernsehserie „The Handmaid’s Tale" und dem darin beschriebenem totalitären Männerregime. Florian Schmitt schreibt in seinem Text "Wunderbar ist die Welt" über das Zusammentreffen unterschiedlicher Lebensrealitäten.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe!


Beste Grüße,
Alia Hübsch-Chaudhry

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