Ausgabe #102

Aus der Chefredaktion: Vor der Realität fliehen

15.12.2017 - Alia Hübsch-Chaudhry

Liebe Autoren und Autorinnen, liebe Leserinnen und Leser,
 
Weihnachten steht vor der Tür. Und Silvester. Und Neujahr. Für viele Menschen eine willkommene Zeit, um dem monotonen Alltag zu entfliehen oder Arbeit, Stress und Probleme zu vergessen. Dass das nicht immer funktioniert, wissen wir. Oftmals handelt es sich mehr um eine Inszenierung der Harmonie, die an hohe Erwartungen geknüpft ist, die nicht immer erfüllt werden können. Obwohl wir uns ein bisschen in unsere Kindheit versetzt fühlen, können wir nicht wie Kinder reagieren, wenn uns etwas nicht passt.

Wir wissen aber auch, dass die Sehnsucht nach dem Ausbruch aus dem allzu Alltäglichen nicht erst zu Weihnachten beginnt. Jeden Tag gibt es im Idealfall Momente, in denen wir für eine Zeit keinen Ballast spüren und abschalten können. Was passiert aber, wenn diese „Weltflucht“ Überhand nimmt und wir den Bezug zur Realität immer stärker verlieren? Wenn wir immer seltener dazu fähig sind, uns im Hier und Jetzt wohlzufühlen?

Übermäßiger Konsum von Computerspielen, virtueller Realität und Rauschmitteln führen in die Irre. In Amerika sind bisweilen vor allem unter Jugendlichen Angstlöser wie die Droge „Xanax“ im Trend. Von Albert Einstein stammt das Zitat „Verrückt ist immer wieder dasselbe zu machen, und mit einem anderen Ergebnis zu rechnen“. Genauso verrückt ist es mit dem Konsum von Rauschmitteln und ständig wiederholten Fehlern im Laufe der Menschheit. Wir wissen, dass uns dieses Verhalten schadet, wir wissen es, weil wir es in der Vergangenheit immer wieder beobachten konnten oder uns bereits selbst damit Schaden zugefügt haben. Aber wir rechnen mit einem anderen Ergebnis. Oder sind bereits so müde vom Leben, dass uns jedes Ergebnis recht ist.

Der Weg ins echte Leben ist ein Weg der Wahrheitsliebe, der Geduld und des Vertrauens in das Beste im Leben. Wenn dieses Vertrauen fehlt und die pessimistische Weltsicht erstarkt, bringen aufheiternde Sprüche von Optimisten wenig. Dann kann nur das Leben der Lehrer sein.

In diesem Sinne lade ich unsere LeserInnen ein, die neuste Ausgabe des MILIEUs zu erkunden. Unser Kolumnist schreibt beispielsweise in „Illuminationen“ von der besagten Weltflucht durch Drogenkonsum, in dem Interview mit Emran Feroz erfahren wir etwas über die grausame Realität des US-Drohnenkrieges und in „Eine Frage des MILIEUs“ wird der Leser über die Manipulationsmethoden von Scientology aufgeklärt. Und das ist längst nicht alles...lest selbst!

Beste Grüße,

Alia Hübsch-Chaudhry
Chefredakteurin

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