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Die Mission Impossible „Mali“

15.01.2018 - Nicole Willig

Das politisch zerklüftete Mali galt einst als westafrikanische Vorzeigedemokratie und wurde seit Jahrtausenden von unterschiedlichen Kulturen geprägt. Ein Land, das die alte, in ihrer Lehmarchitektur einzigartige Handelsstadt Djenné, die Oasenstadt Timbuktu und die malerischen Felsen von Bandiagara, birgt. Seit 2012 wird Mali von Putschversuchen, Abspaltungsbemühungen der Tuareg und fundamentalistisch-muslimischen Terrorakten heimgesucht. Seit Januar 2013 befinden sich französische Einsatztruppen mit einem UN-Mandat in der Sahel-Region, um transnationalen islamistischen Terrorismus zu bekämpfen und der Region erneut Stabilität zu bringen.

Dazu soll auch die Mission der Vereinten Nationen MINUSMA (Mission multidimensionelle integrée des Nations Unies pour la stabilisation au Mali) einen Beitrag leisten, im Rahmen derer circa 11.000 Blauhelmsoldaten sowie rund 1.500 Polizisten und Zivilpersonal aus rund 50 Nationen eingesetzt sind. Auch deutsche Bundeswehrsoldaten befinden sich mit der Billigung des Bundestags seit 2013 in der Region. Etwa 1.000 deutsche Soldaten dürfen laut des letzten im Januar 2017 ratifizierten und ausgeweiteten Mandats in der Sahelzone stationiert sein.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sprach bezüglich der Bitte um Verlängerung des Einsatzes im Rahmen der MINUSMA am 20.01.2017 vor dem Bundestag. Der Krieg in Mali sei einer der anspruchsvollsten und gefährlichsten Einsätze der Vereinten Nationen sowie der zentrale Einsatz auf dem afrikanischen Kontinent. Mali sei ein „Schlüsselland in der Sahelzone". Es sei die bedeutsamste Route für Schlepper, Menschen-, Drogen- und Waffenschmuggel in der Region. Deshalb müsse sich Deutschland weiterhin „vielschichtig engagieren".

Bereits 2012 äußerste der deutsche Bundeswehrverband jedoch schwere Bedenken hinsichtlich des damals bevorstehenden Einsatzes in Mali. Der stellvertretende Bundesvorsitzende Major André Wüstner erklärte, den Verband treibe „die Sorge um, dass die Bundeswehr wieder einmal unüberlegt und verantwortungslos in einen Einsatz entsendet wird, der Teil einer nur lückenhaften politischen Konzeption ist". Der Begriff der „Ausbildungsmission" diene zur Verschleierung der Realität. Auch in Afghanistan war einst der Begriff “Ausbildung" in Zusammenhang mit dem Einsatz deutscher Soldaten benutzt worden. Man frage sich, ob die Regierung deutsche Soldaten und Soldatinnen erneut „aus allgemeinen bündnispolitischen Gründen in die Wüste" schicke.

Der zwischen den Jahren 2005 und 2013 das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs ausübende CSU-Politiker Christian Schmidt verwarf die Kritik des Bundeswehrverbandes in der Bundestagssitzung vom 7. November 2012: „Auch der Bundeswehrverband gibt manchmal Presseäußerungen von sich, die man nicht teilen kann." In Wüstners Aussagen „schwing[e] der Eindruck mit, es würde [mit dem Auslandseinsatz] Abenteuerhaftigkeit bedient werden". Dies sei auszuschließen. Es gebe „keinerlei Intentionen", die Bundeswehr in Kampfhandlungen einzusetzen.

Der Einsatz der Bundeswehr ergibt nach wie vor hitzige Debatten im deutschen Bundestag.  In den populären Zeitungen ist man sich jedoch langfristig darüber einig, dass der Auslandseinsatz in Mali nicht bloß dem Ziel laut Bundeswehr diene, „Terrorismus, Kriminalität und Verarmung, die mittelfristig starke Auswirkungen auch auf Europa haben können, gemeinsam mit seinen europäischen und internationalen Partnern entgegenzutreten".

Das Magazin Wirtschaftswoche druckte im Januar 2013 einen Artikel: „Frankreich: Rohstoffkrieg in Mali“. Auch Journalisten des SPIEGEL Online erklärten im selben Monat „[w]as Frankreich in Mali wirklich will". Die Deutsche Welle sowie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung führten ebenfalls Artikel an, in denen behauptet wurde, dass es bei der multidimensionalen Mission nicht ausschließlich um die Wiederherstellung demokratischer Strukturen und den Einsatz für die Wahrung der Menschenrechte in der Sahelregion geht.

Mali besitzt enorme Bodenschätze, wie beispielsweise Uran, Erdöl, Phosphat, Gas und Gold. Wichtig sei dabei die hart umkämpfte Azawadregion im Norden Malis, in der sich die Islamisten und Rebellengruppen der Tuareg zurückzögen, die sowohl reich an Uran sowie an bisher unerforschten Erdölfeldern, als auch an Phosphat, Gas und Gold ist.

Der staatliche französische Atomkonzern Areva fördert bereits langfristig Uran im Norden Nigers. Ein Land, das inzwischen als der größte Uranproduzent des Kontinents gilt. Die FAZ schrieb im Januar 2013, dass etwa ein Drittel der acht französischen Atomreaktoren mit Uran aus Niger angereichert werden. Dass Frankreich als Atommacht unter anderem ein großes Interesse an den reichhaltigen Uranvorkommnissen in Mali habe, erklärt auch Katrin Sold von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in einem Interview mit der Deutschen Welle im Januar 2013.

So scheint es, als beschränken sich die tiefgreifenden Interessen Frankreichs nicht ausschließlich auf altruistische Motive, sondern auch auf die Wahrung des ökonomischen Einflusses und im Endeffekt auf die Perpetuierung neokolonialer Strukturen in Afrika, also, anders als es François Hollande mehrfach proklamierte, der Konservierung und nicht der allmählichen Auflösung der so genannten Françafrique.

Auf der Website der deutschen Bundeswehr zur Stabilisierungsmission in Mali, ist lediglich von bilateralen „intensiven Beziehungen" zwischen Frankreich und Mali die Rede.

Diese „intensiven Beziehungen" und die Spannungen sowohl auf bundespolitischer als auch auf medialer Ebene hinsichtlich des Einsatzes werden in der Bundeswehr-YouTube-Serie „Mali" nicht weiter thematisiert. Eine Serie, die seit Oktober 2017 von dem Kanal Bundeswehr Exklusive auf der Onlineplattform ausgestrahlt wird.

In dem Spezial-Video „Warum ist die Bundeswehr in Mali?" wird lediglich besprochen, dass dieser Einsatz, „einer der gefährlichsten Einsätze der Vereinten Nationen, wenn nicht der Gefährlichste überhaupt" sei, aber dass es gleichzeitig von großer Bedeutung sei, dass die Bundeswehr dort ist. Mali sei „DIE Route für Schleuser und Schlepper, Waffenschmuggel und andere Arten von organisierter Kriminalität". Die malische Bevölkerung brauche „Schutz vor Terror, Schutz vor Kriminalität" und „Alternativen, wie den sicheren Zugang zu Wasser, ebenso wie Straßen und Jobs". Des Weiteren wolle man ihnen „Perspektiven" bieten, denn das durchschnittliche Alter in Mali liege bei 16 Jahren. Das Video selbst ist 4 Minuten und 55 Sekunden lang. Dass dieser Text keine fünf Minuten Lesezeit beansprucht, versteht sich. Der Rest der Zeit wird mit Szenen aus den bis dato ausgestrahlten Folgen und mit musikalischen Elementen unterfüttert.

Auch die Protagonisten der Serie bleiben in ihrer Begründung der Mission schwammig.

„Es geht gleich heiß her. Mali ist nicht ganz einfach", meint ein Stabsunteroffizier in der ersten Folge. Ein anderer erwägt bei der Abreise, man müsse die Lage vor Ort eruieren, da „keiner genau weiß, was jetzt auf [sie] zukommt." Auch ein IT-Feldwebel behauptet nicht genau zu wissen, was ihn erwartet: „Ich weiß nur, dort ist es warm. Es wird alles neu sein. Es werden viele Eindrücke sein, die wir mitnehmen werden." Die Aussagen sind diffus.

Ein Oberfeldwebel erklärt außerdem, er sei „ziemlich zuversichtlich, dass [...] alle wieder gesund nach Hause kommen". Demgegenüber stehen jedoch die steigende Anzahl der im Einsatz getöteten UN-Soldaten sowie die Einschätzung eines deutschen Militärpfarrers, die er anlässlich des Hubschrauberabsturzes, bei dem im Juli vergangenen Jahres zwei deutsche Soldaten starben, in der Serie gibt: „Das ist einfach ein Kontingent, wo wir sagen, wir bringen nicht mehr alle heil mit nach Hause". Diese Aussagen untermaueren den Ernst der Lage, der sich in der Serie sonst selten so deutlich manifestiert.

Der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Alexander Soranto Neu behauptete, die Serie ziele darauf ab, junge Menschen auf emotionaler Ebene anzusprechen, sie mit einem möglichen Erleben von Abenteuern zu locken. Die Bundeswehr und Auslandseinsätze jedoch seien „kein Abenteuerspielplatz". Es ginge dabei „um Leben und Tod". Dies würde die Serie vertuschen.

Ein VICE-Reporter schreibt, die Bundeswehr würde in der ersten Folge als eine „Pfadfinder-Truppe" inszeniert, die zum Abschied in der Kaserne grillt, nach der nächtlichen Busfahrt zum Flughafen Köln-Bonn von einem Pappkarton frühstückt und sich vor der Abreise von Familie und Freunden verabschiedet.

Dabei stellt sich die Frage nach dem Grund für eine solche Inszenierung. Der Beauftragte für die Kommunikation der Arbeitgebermarke Bundeswehr Dirk Feldhaus erklärt, man wolle „die Scheu und die Bedenken vor Auslandseinsätzen abbauen, indem wir [die Bundeswehr] ein realistisches Bild von den Auslandseinsätzen zeigen, auch den banalen, langweiligen Alltag im Camp."

So scheint es wohl darum zu gehen, die Soldaten und Soldatinnen als individuelle Menschen darzustellen und eben auch zu zeigen, dass es ebenso als alltäglich empfundene, "normale" Momente in der Bundeswehr geben kann und gibt. Tatsächlich ist es interessant, die Einsatzkräfte aus dieser Perspektive zu betrachten, nah am Geschehen dabei zu sein, sie als Menschen zu erleben, Ausschnitte ihres Arbeitsumfelds im Ausland und ihrer Lebenswelt als deutsche Soldaten und Soldatinnen zu sehen. Das meint auch die ehemalige Welt-Journalistin Ronja von Rönne: In Deutschland würden Berufssoldaten eher mit „durchgeknallte[n] Spinner[n] mit Waffenfimmel und Battlefield-Fantasien" assoziiert und nicht als "Helden des Vaterlands".

Das soll sich nun also ändern. Mit der Serie will man Vorurteile innerhalb der deutschen Bevölkerung abbauen und das jüngst durch die Rechtsextremismusvorwürfe ramponierte Ansehen der Bundeswehr rehabilitieren.

Neben einer bewusst und bemüht sympathischen Darstellung der Protagonisten wirkt die Serie jedoch auch verharmlosend. Die laut Feldhaus existierende etwaige „Scheu" und die „Bedenken" bezüglich der Auslandseinsätze, die zerstreut werden sollen, werden nicht tiefgreifend reflektiert. Gründe für eine zurückhaltende oder gar ablehnende Haltung werden kaum im Gespräch aufgebrochen oder überhaupt thematisiert. Angeblich gebe es bloß einen Grund für solch eine Haltung, nämlich Unwissenheit.

Unwissend  lässt die Serie die Zuschauer aber auch über die persönliche Haltung der Berufssoldaten sowie ihres sozialen Umfeldes hinsichtlich der genannten Bedenken in Bezug auf die Auslandseinsätze. In einer der wenigen sogenannten „Homestories" wird ein Hauptmann in etwas privaterem Rahmen mit seiner Partnerin gefilmt und interviewt. Sie gibt zu, dass es nach der Verlegung ihres Partners nach Mali „von einem auf den anderen Tag ein bisschen anders" sein wird. Sie teilt dem Zuschauer trivial mit: „[D]urch so was geht man durch und das schafft man miteinander und dann hat man es halt geschafft" und zuckt danach fast unmerklich mit den Schultern. Wie sie grundsätzlich dazu steht, dass ihr Partner Berufssoldat ist, was es für sie bedeutet, einen Partner zu haben, der einem erhöhten Risiko ausgesetzt ist während seiner Berufsausübung zu sterben, wie sie damit zurechtkommt und ob die beiden diesbezüglich Auseinandersetzungen hatten, wird nicht thematisiert. Auch über eine mögliche Entfremdung aufgrund der längerfristigen geographischen Distanz oder des Erlebten wird nicht gesprochen. Zwar ist klar, dass bestimmte Aspekte einer Partnerschaft privater Natur sind. Wenn es allerdings darum geht, junge Menschen für den Soldatenberuf zu begeistern, sollte damit verantwortungsbewusst umgegangen werden. In dieser Szene entsteht der Eindruck, ein Auslandseinsatz sei sozusagen „keine große Sache". Es gebe keinerlei Problematiken, mit denen man sich tiefschürfend auseinandersetzen müsste.

Etwas reflektierter reagiert der IT-Feldwebel. Sein Einsatz in Mali sei sein erster Auslandseinsatz als verheirateter Mann mit Kindern, weshalb er ihn zunächst als schwierigsten Einsatz einschätzt. Er glaubt, er habe „daran zu knaubeln, damit zurecht zu kommen". Die Frage, ob er vor dem Beginn seiner Karriere als Berufssoldat den Wunsch hegte, Vater zu werden und damals schon der Ansicht war, dass Familie und eine Karriere bei der Bundeswehr inklusive Auslandseinsätze vereinbar seien oder ob er diese Ansicht nun revidieren würde, wird nicht gestellt.

Dabei ist zu sagen, dass die Bundeswehr als Unternehmen überhaupt kein Interesse daran hat, heikle Fragen zu stellen, deren Antworten die Bundeswehr als Arbeitgeber belasten oder in Frage stellen könnte. Bei der YouTube-Serie handelt es sich um eine Image-Kampagne, die darauf abzielt, jungen Nachwuchs zu rekrutieren. Die Werbekampagne hat etwa 6,5 Millionen Euro gekostet. Die Produktionskosten der Videos selbst lagen bei circa 2 Millionen Euro. Die erste Folge liegt momentan bei rund 788.000 Aufrufen, die elfte bei knapp 238.000 und die 28. bei etwa 92.000. Die Bundeswehr will die Kampagne als Erfolg verbuchen. Nach Anlauf der Serie seien 20 Prozent mehr Bewerbungen eingegangen. Wie viele Bewerber davon für den Dienst geeignet waren und wie viele davon letztendlich rekrutiert wurden, teilt die Bundeswehr nicht mit.
Das GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann empfindet die Serie als „dem Ernst der Lage nicht angemessen". Es ginge „im Stil von Mission Impossible" zu, "[w]ie auf eine[m] Abenteuerspielplatz".

Den Vorwurf der „Abenteuerhaftigkeit", der sich hier findet und den Christian Schmidt zugleich in Major André Wüstners Kritik an dem Auslandseinsatz in Mali bemerkt haben will und den er zurückweist, findet jedoch als Argument für eine Karriere bei der Bundeswehr gleichwohl Verwendung.
 
Ein Hauptfeldwebel erklärt vor seinem Einsatz in der Serie, er habe „Bock auf Mali". Es sei „ein Einsatz auf jeden Fall wieder und das ist einfach interessanter als, sag ich mal, der alltägliche Kasernendienst." Auch eine Soldatin im Einsatz gibt zu verstehen, dass sie die Monotonie ihres ehemaligen Berufs gelangweilt habe: „Ich möchte nicht nur das Gleiche immer machen. Als Metzgereifachverkäuferin macht man doch das Gleiche. Und mit den Kunden und so. Und es war halt doch nicht mein Ding und ich hab' gesagt, ich zieh' die Ausbildung durch, dass ich einfach eine in der Tasche hab' und daraufhin hab' ich dann gesagt, ich geh' zur Bundeswehr, die ist abwechslungsreich, man macht immer was anderes, man lernt neue Leute wieder kennen". Die Unzufriedenheit teilte auch ein anderer weiblicher Feldwebel. Sie erklärt, ihr Bürojob sei „irgendwann doch sehr trist und eintönig" gewesen. Bei der Bundeswehr jedoch sehe „jeder Tag anders aus" und das habe sie gereizt.

Im Bundestag wird also die angebliche „Abenteuerhaftigkeit" des Auslandseinsatzes abgetan, die Bundeswehr selbst nutzt diesen Aspekt jedoch in zweierlei Hinsicht in der Serie: für den Einsatz und für eine Karriere bei der Bundeswehr.

Des Weiteren deutet die bewusst orientalisch anmutende Musik, die oftmals in den einzelnen Folgen für den Szenenübergang verwendet wird, auf eine gewisse abenteuerhafte Inszenierung hin. Mali wird exotisiert, was im Endeffekt die Lust auf Entdeckung und deshalb auch einen kolonialistischen Blickwinkel auf das Land und die Region im Stil der romantisch-phantastischen Verklärung des Orients fördert.

Dass die Bundeswehr bei sinkenden Bewerberzahlen Werbemaßnahmen ergreift, um das Interesse insbesondere der jungen Bevölkerung Deutschlands an einer Karriere bei der Bundeswehr zu wecken und zu fördern sowie den Beruf des Soldaten beziehungsweise der Soldatin mehr in den Fokus der Gesellschaft zu rücken, ist einleuchtend.

Die Serie gibt sicherlich einen guten Einblick in die potentiellen alltäglichen Aspekte eines Auslandseinsatzes und es mag der Realität entsprechen, dass es auch mal Leerlauf gibt. Es mag mehr als legitim sein, dass, wie in der Serie gezeigt wird, Tischtennisturniere veranstaltet werden, in kollegialer Atmosphäre ein so genanntes "Bergfest" gefeiert wird, um das soziale Gefüge innerhalb des Kontingents zu stärken oder dass ein Medienserver mit zahlreichen Filmen als Teil des Netzwerks vorhanden ist, um eine Möglichkeit der Entspannung zu bieten. Jedoch erweckt die scheinbar bewusste mediale Schaffung von "Normalität" in einem Kriegsgebiet, in dem zahlreiche Menschen starben und sterben, den Anschein von Verharmlosung und Verklärung eines militärischen Einsatzes, ohne dabei deutlich zu zementieren, dass es sich hierbei um einen Ausschnitt aus der Lebenswelt in einem Kampfgebiet handelt. Deshalb sollten die Zuschauer im Hinterkopf behalten, dass es sich bei der Serie keinesfalls um eine Bildungs- oder Aufklärungsserie handelt, sondern sozusagen um die Image-Kampagne eines Unternehmens, das neue Mitarbeiter anwerben möchte.

Bereits 2015 gab es eine Werbekampagne der Bundeswehr unter dem Motto „Mach, was wirklich zählt!", die unter anderem vom Berliner Peng! Kollektiv dafür angeprangert wurde, „die Mär vom coolen Beruf als Soldat*in" zu verbreiten sowie mit „einer hippen Hochglanzästhetik und jugendlich-coolen Sprüchen" und mit der Propagierung von „Spaß, Abenteuer[n], Kameradschaft, Panzer[n] und eine[m] Sinn im Leben" speziell junge Leute anwerben zu wollen. Das Kollektiv behauptete, viele Themen seien in dieser Kampagne nicht angesprochen worden, wie die Ausbildung zum Töten, die angeblich hohe Quote von Soldaten und Soldatinnen, die nach einem Auslandseinsatz mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zu kämpfen haben oder den Umgang mit vermeintlich rechter Gesinnung im sozialen Gefüge der Bundeswehr. Auch die Serie „Mali" schneidet einige dieser Themen nicht an.

Eine sensiblerer Werbekampagne, die sich verantwortungsvoll mit solcherlei Aspekten auseinander setzt und sich der konzeptorischen Kritik annimmt anstatt in der nächsten Werbekampagne erneut sich wiederholende, triviale Mechanismen anzuwenden, ist jedoch auch künftig kaum von der Bundeswehr zu erwarten, die sich in ihren Kampagnen aggressiv zeigt und in einer scheinbaren Rattenfänger-von-Hameln-Manier um Nachwuchs buhlt.

 

 

Foto: "Bundeswehr Exclusive" - Der offizielle Serienkanal der Bundeswehr

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