Kurzgeschichte

Die Schildkröte

15.12.2017 - Bele Krüger

Es war einmal eine Schildkröte. Sie fiel hin und landete auf dem Rücken. Das ärgerte sie. Die Schildkröte strampelte mit dem kurzen, dicken Beinen und streckte sie wild in die Luft, mal zur rechten, mal zur linken Seite. Doch es half alles nichts. Die Schildkröte kam nicht wieder auf die Beine. Dabei wollte sie gerade irgendwo hinlaufen. Doch war es nicht allzu häufig genau so? In einem Moment stakt man frohen Muts und mit zügigem Schritt vor sich hin – und im nächsten Moment haut es einen einfach um – so ist das Leben eben.

Und die arme Schildkröte hatte es umgehauen. Doch durch den Panzer gepolstert war es eigentlich schon fast bequem, zumindest mit der Zeit. Langsam wurde es dunkel und die Sterne zeichneten sich immer deutlicher vom schwarzen Himmel ab. Und wie sie so da lag, begann sie ihre Situation schon fast zu genießen: Voller Begierde blickte sie zu den Sternen hinauf – ach, wie waren die schön! Und voller Erhabenheit blickten die Sterne auf die arme Schildkröte hinab, die immer noch am Boden lag, rücklings auf dem Panzer, aber inzwischen begonnen hatte das Melancholisch-Traurige an ihrer Situation zu genießen, das im glänzenden Funkeln der Sterne noch drastischer erschien. 

Irgendwann erinnerte sich die Schildkröte... Sie erinnerte sich wieder wo sie hinwollte – und vor allem, dass sie irgend wohin wollte. Denn eines stand fest: dieses auf dem Rücken Liegen und im Panzer versunken Auf-die-Sterne-Blicken konnte ja nicht das Ende sein. Es war zwar irgendwie schön, dieses helle Licht der glänzenden Sterne, deren Strahlen die Schildkröte sah, doch von denen sie nie unmittelbar berührt werden würde. So blieb der Schildkröte nur ein einziger Weg. Sie wusste, dass ihre Entscheidung voller Bedeutung sein würde, doch letztlich gab es nur zwei Möglichkeiten – entweder sie würde schaffen, was sie wollte, oder sie würde scheitern – und es gab nur eines, um es Herauszufinden: Sie stand auf.

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