Rezension

Handbuch Friedensethik

15.05.2017 - Dr. Burkhard Luber

„Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“ Dieser einprägsame Satz aus der Präambel der UNESCO-Verfassung ist das Motto dieses eindrucksvollen Handbuches, das - positiv kommentiert - erheblich über die Dimension der Ethik im engeren Sinne hinausgeht und mit einer Vielzahl von Artikeln ein weites Spektrum der Friedensdimension abdeckt. Von einer großen Zahl verschiedener WissenschaftlerInnen verfasst gehen diese Aufsätze auf viele Aspekte der Friedensforschung, des Völkerrechts, der Geschichte der Friedensidee und der Beschäftigung von Gewalt-Formationen ein.

Am Ende aller Artikel wird weiterführende Literatur angegeben, wobei allerdings unverständlich ist, warum dort bedauerlicherweise in den meisten Fällen Internet/Weblinks-Angaben fehlen. Damit erreicht ein solches, immerhin im Jahr 2017 (!) erschienene Handbuch nicht den publizistischen state of the art im Web-Zeitalter und es ist merkwürdig, dass offenbar offenbar weder der Verlag (der ja gerade als Wissenschaftsverlag ein großes Renommee genießt) noch dessen Lektorat dieses Defizit vor Drucklegung entdeckt und verbessert hat, wobei sicherlich ohne viel technische Mühe und preiskalkulatorisch noch angemessen auch eine entsprechende, dem Buch beizulegende CD möglich gewesen wäre. Ebenso unerklärlich bleibt, dass ein immerhin “Handbuch” (!) völlig ohne jegliches Personen- und Sachregister daherkommt, deren elektronische Erstellungen ja mit nur einem Minimum an publizistischer Mühe hätten hergestellt werden können. Diese gravierenden editorischen Defizite trübt leider die Qualität des Buches, bei dem sich die/der HerausgeberIn überaus große Mühe gegeben hat, die Behandlung des Gesamtthemas möglichst erschöpfend zu behandeln. So kann die Leserin weder - per Stichwortverzeichnisse - gezielt den imposanten Umfang der fast 1000 Seiten des Buches zu bestimmten Unterpunkten recherchieren, noch werden ihr Hilfestellungen gegeben, sich online über die im Buch abgedruckten Informationen im Web weiter zu informieren.

Das soll die Verlags- und HerausgeberInnen-Leistung dieser materialreichen Darstellung nur bedingt schmälern, denn im Inhaltlichen gibt es nur wenige Lücken. Diese sollen allerdings hier auch nicht verschwiegen werden: So fehlt zum Beispiel ein Kapitel über Friedensethik und IT, eine Lücke, die angesichts der großen Zahl gewaltbeherrschter und stellenweise sogar gewaltverherrlichender elektronischen (online) Spiele unverständlich ist. Überhaupt ist das Buch erstaunlicherweise internetblind: Ebenso vergeblich sucht man ein Kapitel zu “Neue Medien” und Friedensethik.

Weil Ethik sicherlich viel mit Pädagogik zu tun hat fragt sich der Rezensent auch, warum das Handbuch dem Thema “Gewaltfreie Kommunikation und Aktion” kein Kapitel gewidmet hat. Gerade in der Schnittstelle von Gewaltfreiheit und Friedenserziehung könnte sich Friedensethik gut entfalten. Und dass ein Autor wie Niklas Luhmann, der sich wie kaum ein anderer moderner Denker intensiv mit den Fragen der Macht beschäftigt hat, im Kapitel “Herrschaft” nirgendwo erwähnt wird, noch nicht mal im Literaturverzeichnis, ist ein ärgerlicher blinder Fleck. Bis auf diese inhaltlichen Lücken und die weiter oben schon dargelegten verlegerischen technischen Defizite ist das Handbuch aber eine willkommene profunde Einführung und ein gutes Lesewerk zur Friedensthematik.

 

 

Ines-Jacqueline Werkner / Klaus Ebeling (Hrsg): Handbuch Friedensethik. Springer VS Fachmedien. 2017. 979 Seiten. 79,99 Euro

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