Kolumne

Illuminationen: Friss und Stirb!

15.11.2017 - Tariq Hübsch

Meine Tochter ist süchtig nach Süßigkeiten. Das ist nicht verwunderlich. Sie ist sieben. Ich glaube, alle Kinder in diesem Alter sind süchtig. Verwunderlich ist aber, was für Mengen an Schokolade, Haribo und Zitroneneis sie verschlingen kann. Dafür gibt es aber eine einfache Erklärung. Die Geschmacksnerven von Kindern empfinden Süßes nicht so intensiv wie die von Erwachsenen. Das hat evolutionäre Gründe. Früher, in dunkler, archaischer Frühzeit, da mussten Kinder zuschlagen, wenn es was Süßes gab. So viel rein wie möglich, um in Hungerzeiten von diesen Reserven zu zehren. Natürlich gilt dies nicht für unsere Zeit. Gott sei Dank leben wir in einer hochzivilisierten Kultur. Süßes gibt es im Überfluss. Wenn wir dieses alte archaische Prinzip jetzt anwenden würden, da würden wir unsere Kinder, über kurz oder lang, dem Tod preisgeben, und sie nicht vor ebenjenem bewahren. Wir achten darauf, was wir zu uns nehmen. Denn wir wissen ja, dass das, was wir essen, unsere körperliche Gesundheit beeinflusst. 

Natürlich wissen das noch nicht alle, doch die meisten schon. Und dass diese Erkenntnis auch bei den eher simpler gestrickten Zeitgenossen Einlass gefunden hat, dass merkt man, wenn man in Fitnessstudios geht, die sich bei ihrem Namen nicht rein zufällig von McDonalds haben inspirieren lassen. Es ist schon verwunderlich, mit welcher Disziplin junge Männer und Frauen ihre Körper stählern. Ich glaube, der Bundeswehr gefällt diese Disziplin. Die macht dort großflächig Werbung für ihren Krieg. Ich glaube, der findet in Mali statt. Und muskelgestählte, disziplinierte junge Männer und Frauen, die kann man gut gebrauchen an der Front. Apropos Krieg, das Videospiel „Call of Duty WWII“ ist seit kurzem auf den Markt. Es hat sich in wenigen Tagen schon unfassbar gut verkauft. Von mehr als 100 Millionen Euro Erlös ist die Rede. Das Spiel darf man erst ab 18 Jahren spielen. Das ist gut so, denn wie man hört, wurde der Krieg noch nie so realistisch dargestellt. Man fühlt sich inmitten des Schlachtfelds, all das Gemetzel und Grauen in bester Auflösung. Das ist eine gute Vorbereitung auf den Einsatz in Mali, oder sonst wo. 

Es ist übrigens nicht verwerflich, wenn junge Menschen Krieg geil finden. Das hat evolutionäre Gründe. Schließlich musste man bereit sein, für das Überleben des Stammes Gewalt anzuwenden. Dass junge Männer testosterongesteuerte Triebtäter sind, das hat übrigens auch evolutionäre Gründe. Schließlich musste man sich fortpflanzen – um des Überlebens des Stammes willen. Fragt sich jetzt nur, was die jungen Männer so konsumieren mussten, um auf diese alte, archaische Regel aufmerksam gemacht zu werden. Bestimmt waren es Hollywood-Filme. Wahrscheinlich die von Harvey Weinstein.

Autoren benötigen Worte.
Worte benötigen Zeit

Spenden & Unterstützen