Nächste Ausgabe verfügbar am 01.02.2017

Stirbt die Biene, sterben wir!

Datum: 15.07.2014 | Autor: Ali Yildirim

Albert Einstein prägte den folgenden Satz: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

Ich weiß nicht, ob der Mensch tatsächlich nur noch vier Jahre nach der Ausrottung der Biene zu leben hätte, Vermutlich wäre die Wissenschaft und die Gesellschaft so weit, dass wir dann im Labor gezüchtete und gentechnisch manipulierte Lebensmittel nicht mehr kategorisch ablehnen würden.

Tatsächlich ist das Bienensterben alarmierend, und der Mensch sucht jetzt schon nach Möglichkeiten, dem Super-GAU für die Menschheit entgegenzuwirken. Denn stirbt die Biene, stirbt der Mensch!

So wird beispielsweise in China erforscht, ob der Mensch die so wichtige Bestäubung von Pflanzen durch Bienen selbst übernehmen kann. Ergebnis: Er kann es nicht. Zumindest nicht in der Effektivität und Perfektion der Nektarsammler.

Wie könnte es auch. Die Biene ist ein gottgeschaffenes Wunder der Tierwelt. Mit der effizienten Raumausnutzung beim Wabenbau ist sie eine eindrucksvolle Bauingenieurin unter den Tieren. Mit ihrem unfehlbaren Orientierungssinndas perfekte Navigationssystem, das mit seinem Schwänzeltanz zudem sein Wissen über Futterplätze auch noch präzise weitergeben kann.

Würde die Biene aussterben, gäbe es keine Äpfel, Birnen, Mandeln, Kirschen oder Aprikosen mehr. Die tortenliebende deutsche Bevölkerung müsste auf ihren Bienenstich, ihre Schwarzwälder Kirsch- oder ihre Sachertorte verzichten. Es gäbe viel weniger Obst, Gemüse und Nussarten auf dieser Welt - Lebensmittel, aus denen der Mensch lebenswichtige Vitamine bezieht.

Die Gesundheit des Menschen hängt also unmittelbar von der Gesundheit und dem Fortbestehen der Bienen ab. Leider sind die Bienen durch Menschenverschulden massiv gefährdet. Schon jetzt gibt es Regionen, in denen 80% der Bienenvölker ausgestorben sind.

Der Grund dafür ist die Profitgier der Menschen: immer kürzere Blühzeiten der  Pflanzen, die Vernichtung der Hecken und Sträucher, das zu frühe Mähen der Wiesen. Außerdem die immer stärkere Verbreitung von Pestiziden und Insektiziden, die den Bienen das Leben schwer machen.

Der Kapitalismus gibt einem vor, immer weiter zu wachsenen. Wachstum steht an erster Stelle. Erst danach kommt die Natur und offenbar auch erst die Gesundheit der Menschen.

Aber auch zwei Parasiten bedrohen das Überleben der Biene und sorgen regelmäßig für toten Nachwuchs: Die Varroa-Milbe und der Kaschmir-Virus. Der erste - von leichtsinnigen Forschern zu Forschungszwecken aus Asien importiert -  verstümmelt die Flügel erwachsener Bienen und verkrüppelt die Brut. Der zweite  - zur Bekämpfung der Milbe eingeführt – ist auch, ein gefährlicher Parasit für die Biene. Parasiten, genverändertes Saatgut, Pestizide, Überdüngung. Sie alle bedrohen nicht nur die Biene  und ihre Nahrungsquellen,sie bedrohen auch unsere Lebensmittel. Für die, die für  unsere Gesundheit zuständig sind, ist die Sache klar: Die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln muss gewährleistet werden. Koste es was es wolle.

So ist das Freihandelsabkommen mit den USA, mit dem Chlorhühnchen und genmanipuliertes Gemüse in unseren Supermärkten landet, immer noch nicht vom Tisch. Im Gegenteil: Es wird höchstwahrscheinlich zum Wachstum der Wirtschaft (eine Prämisse des Kapitalismus) unterzeichnet. Und niemand lehnt sich dagegen auf.

Frage: Wie würden Sie reagieren, wenn ich Gift in Ihren  Garten streuen würde? Würden Sie auch dann tatenlos zusehen?

Setzt sich die Gentechnik einmal durch, werden neue Lebensmittel wie der Golden Rice auf unseren Tischen landen. Reich an Vitamin A, jedoch ist sein Saatgut in der Hand großer Monopolisten. Bauern können dieses nicht selbst reproduzieren und geraten damit in Abhängigkeit. Das bedeutet wiederum weniger Artenvielfalt, weniger Nektar für die Bienen, weniger Pollentransport und damit weniger gesunde Lebensmittel für den Menschen.

Was können wir tun?

Noch ist es nicht zu spät. Wir alle können etwas gegen das Aussterben der Bienen tun:

1.    Klären Sie andere Menschen und vor allem Ihre Kinder über die Bedeutung der Biene auf! Stirbt sie aus, hat dies erhebliche Auswirkungen nicht nur auf die Gesundheit des Menschen, sondern auch für unser Fortbestehen überhaupt.

 

2.    Überlegen Sie zweimal, bevor Sie das nächste Mal die Zeitung nach einer Biene schwingen! Jede von ihnen ist sehr wichtig.

 

3.    Verzichten Sie in Ihrem Garten vollständig auf Pestizide! Greifen Sie auf natürliche Schädlingsbekämpfer (wie andere Insekten) zurück!

 

4.    Pflanzen Sie mehr Wildblumen in Ihrem Garten  (z.B. Borretsch, Ringelblume, Buchweizen, Kornblume) oder streuen Sie Wildblumensaat auf Wiesen und Weiden!

 

5.    Mähen Sie ihren heimischen Rasen nicht zu früh! Dieser sollte länger als drei Wochen wachsen. Denn auch er bietet Bienen der Umgebung Nahrung.

 

6.    Pflanzen Sie Hecken und Sträucher an und entfernen Sie keine!

 

7.    Reduzieren Sie Ihren Honigkonsum! So bleibt mehr für die Bienen übrig, und der Überzüchtungswahn nimmt ein Ende.

 

8.    Bevorzugen Sie Lebensmittel aus biologischem Anbau! Nicht nur, dass  sie für Ihre Gesundheit besser sind. Sie fördern damit auch eine pestizidfreie Landwirtschaft.

 

9.    Gehen Sie Bienenpatenschaften ein! Es gibt mittlerweile verschiedene Initiativen, die mit Ihrer Spende all das tun, was oben aufgezählt wird.

 

10.    Respektieren Sie die Biene!

   

 

 

 

Foto: © k_millo