Gedicht

Unscheinbar

15.05.2017 - Sadaf Rehman

Sei leise, sonst stirbst du!

Ich wusste nur, dass der Tod schlecht ist,

Meine Mama würde weinen,

Sie tat es auch, als Oma starb,

 

Sei leise, sonst stirbst du!

Ich wusste, dass er nicht das Recht hatte,

Doch ich konnte nichts sagen,

Vor meinen Augen sah ich meinen Sarg.

 

Sei leise, sonst stirbst du!

Ich wusste nur, es tat mir weh,

Mein Herz pochte voller Schmerz,

Doch ich wollte noch nicht ins Grab!

 

Und so ging es weiter,

Meine Tränen wurden lauter,

und dann wieder leiser,

 

Und so vergingen Monate,

Meine Seele klaffte voller Wunden,

Wurde überhäuft von Narben,

 

Und so vergingen Jahre,

Ich wurde zu einer lebenden Leiche,

Keiner stand mir zur Seite,

 

Sei leise, sonst stirbst du!

War nur noch eine reine Floskel,

Sein Kommen längst eine Gewohnheit,

Meine Seele tot, mein Körper seins.

 

Sei leise, sonst stirbst du!

Benutzte er schon lange nicht mehr,

stattdessen sagte er immer wieder,

Sei‘ leise, sonst stirbt sie.

 

Sei leise, sonst stirbt sie!

„Bitte, ich mach alles was du willst!“

Mein Flehen war Ihre Freiheit - Mama.

Meine Seele tot, mein Körper seins.

 

Und so ging es weiter,

Bis ich wurde unbrauchbar,

nicht mehr zierlich und fein,

 

Und so vergingen Monate,

Bis ich mir bewusst wurde,

diese Last trag ich nicht allein,

 

Und so vergingen Jahre,

Bis ich den Mut fasste,

Mir zu gestehen,

Es musste nicht geschehen,

 

Und so vergingen Jahre,

Bis ich mir ans Herz fasste,

Dieser Welt zu berichten,

Von diesen dunklen Geschichten,

 

Und so vergingen Jahre,

Bis ich es schaffte,

Dass man meinem Leid glaubte,

Mir ein Stück

Gerechtigkeit erlaubte.

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