MILIEU-Mosaik

Was fasziniert dich an unserer Natur?

15.11.2017 - 10 Naturwissenschaftler antworten

Das erstaunliche Verhalten und Zusammenwirken von Tieren begeistert mich ebenso wie Gravitationswellen im Weltraum. Was mich jedoch bei der Beschäftigung mit Naturphänomenen am meisten fasziniert – und zugleich schaudern lässt – ist die Erkenntnis, dass wir Menschen im Laufe unserer Lebensspanne nie wirklich hinter die letzte Kulisse blicken werden. Es ist uns nicht gegeben, ultimative Antworten zu finden, auch wenn viele Menschen glauben, diese zu kennen. Warum existiert das All, die Erde, die Lebewesen? Viele Menschen umgehen das Problem, indem sie sich Überzeugungen und Lehren hingeben, die letztlich jedoch ihren Herzen, Bäuchen oder Gehirnen entspringen. Wenn man sich damit nicht zufrieden gibt, wenn man wirklich wissen will, dann wird das Betrachten der Welt zu einem einzigartigen, schwindelerregenden Faszinosum.

Dr. Patrick Illinger (Ressortleiter Wissen bei der Süddeutschen Zeitung), München.

 

Mich fasziniert an der Natur, dass sie teilweise verstehbar ist, dass Naturgesetze mathematisch beschreibbar sind, dass sie unglaubliche Schönheiten darstellt. Das Erfassen der Natur erfordert eine Mischung von Vernunft und Staunen. Die Natur, gemeinsam mit der Mathematik, geben die starke Indikation einer zugrundeliegenden, unveränderlichen, ewigen Wirklichkeit, einer schöpfenden Kraft.

Prof. Martin Nowak (Mathematiker, Biologe und Professor an der Harvard University), Cambridge, USA.

 

Für meine nächste ARD Sendung "Frag doch mal die Maus" war ich gerade mit dem Förster Peter Wohlleben im Wald. Er hat mir die Augen geöffnet für die raffinierten Wege, über die Pflanzen miteinander kommunizieren, sich warnen und ihre Sprösslinge beschützen. Da wir erst ansatzweise verstehen, wie jede Art in diesem System ihre Aufgabe hat, dürfen wir es nicht zulassen, dass als aktuelles Beispiel die Insekten ausgerottet werden. Der Mensch ist Teil der Natur. Wir können nicht ohne Natur! Die Natur braucht uns weniger…

Eckart von Hirschhausen, (Arzt, Komiker, Moderator und Gründer der Stiftung “Humor hilft heilen”), Berlin.

 

Auf unserem Planeten, der Erde gibt es Leben. Leben existiert aber nicht nur auf der Oberfläche. Auch in den Gesteinen bis in eine Tiefe von 3 bis eventuell sogar 5 Kilometern finden wir Leben. Wie kam das Leben dorthin? Wie ist das Leben auf der Erde überhaupt entstanden? Gleichzeitig an verschiedenen Orten? Wurde unser Planet von außen "beimpft"? Gibt es extraterrestrisches Leben? Gibt es andere habitable Planeten? Unsere Erde steckt voller Überraschungen. Schade nur, dass das Ganze einen Anfang, aber eben auch ein Ende haben wird.

Prof. Reinhard Hüttl (Forst- und Bodenwissenschaftler und Leiter des Geoforschungszentrums Potsdam), Potsdam.

 

Ich finde es faszinierend, wenn ich an einem warmen, weißen Sandstrand stehe und den Brandungswellen lausche. Dieses Geräusch, wenn die Wellen kommen und gehen, ist unaufhörlich und scheinbar endlos. Zu hören ist der regelmäßige Rhythmus der Natur; ein beruhigender Klang, der seit Urzeiten unverändert scheint. Gleichzeitig sehe ich und weiß, dass keine Welle, keine Gischt der anderen gleicht. „Nichts ist so beständig wie der Wandel” – sagte der griechische Philosoph Heraklit. Die Meereswellen haben ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten und niemand, und sei es auch nur für eine Sekunde, kann diese zyklische Wiederkehr der Natur jemals anhalten. Das Meer steht niemals still.

Prof. Beate Ratter (Geographin, Professorin für Geographie an der Universität Hamburg), Hamburg.

 

Die Erde, eine winzige Kugel im unfassbar riesigen Weltall, als Arche des Lebens. Die Vielfalt des Lebens auf der Erde ist das faszinierendste, was ich mir vorstellen kann. Dabei das Ineinandergreifen unzähliger Abhängigkeiten und Rückkopplungen, denen wir letzten Endes auch unsere eigene Entstehung und Existenz verdanken. Von einfachsten Bausteinen wie den Viren, bis hin zu höchst organisierten Insektenstaaten, wie den Honigbienen, schafft die Evolution Problemlösungen, die höchste Bewunderung und Achtung hervorrufen. Wir haben die Verantwortung, diese Einmaligkeiten zu bewahren. Wir sind selbst ein Teil des Ganzen, keine Zuschauer.

Prof. Jürgen Tautz (Verhaltensforscher, Soziobiologe und Deutschlands führender Bienenwissenschaftler), Würzburg.


Schlicht und ergreifend: Alles! Faszinierend ist, wie schnell die Natur in der Lage ist, ihr von uns zugefügte Wunden zu heilen, wenn wir ihr dafür eine Chance geben (Beispiel: in der ausgeräumten Kulturlandschaft neu angelegte Biotope). Seit früher Jugendzeit faszinieren mich besonders Vögel, die Gruppe von Lebewesen, die Menschen am meisten begeistern, und unter ihnen besonders etwa der Star ob seiner Vitalität, Emsigkeit und seiner Eigenart als nahezu unübertrefflicher Frühjahrsverkünder, ähnlich auch das Auerhuhn als ungemein uriger Geselle ursprünglicher Märchenwälder, von den Pflanzen u. a. Moose mit ihrer Welt bizarrer Kleinlebewesen, die so herrliche Namen bekommen haben wie besenförmiges Gabelzahnmoos usw, des weiteren die berauschende Fülle von Früchten von Moosbeeren, die einen sibirischen Winter überleben können bis hin zu köstlichen Weinbeeren, durchaus auch eine leckere knusprig braun gebratene Weihnachtsgans, und von den vielen zum Teil selbst erzielten Forschungsergebnissen die Geschwindigkeit, mit der sich viele Organismen durch Mikroevolution an neue Umweltbedingungen anpassen können.

Prof. Peter Berthold (Ornithologe, Verhaltensforscher und Deutschlands führender Wissenschaftler in der Vogelzugforschung), Radolfzell.

 

Die Natur, und in meinem Fall ganz besonders der Kosmos, erfüllt mich immer mit Freude und einer Art von Zufriedenheit die meist nur schwer beschreibbar ist. Wenn ich in den Sternenhimmel schaue, dann fühle ich mich einfach wie zu Hause. Diese Weiten machen mich neugierig denn es ist so faszinierend was das Universum alles so zu bieten hat -- Planeten, Sterne, Galaxien, Schwarze Löcher -- selbst wenn wir die Details in den meisten Fällen bisher nur grob verstehen.

Je länger ich als Astronomin arbeite desto mehr Respekt habe ich für die gesamte Natur. Alles hängt voneinander ab und ist so wunderbar miteinander verbunden. Diese kleinen und großen Zusammenhänge zu erkennen ist spannend und eine großartige Herausforderung. Das gilt nicht nur für das Weltall, sondern auch für das alltägliche Leben. Denn selbst wenn Astronomen bald Planeten finden würden auf denen es Spuren von Leben gibt, sollten wir nicht vergessen dass es nur eine Erde gibt über die wir noch viel zu erforschen haben. 

Anna Frebel (Astronomin, Astrophysikerin und Assistant Professor für Physik am Massachusetts Institute of Technology), Cambridge, USA.

 

An unserer Natur fasziniert mich die ungeheure Vielfalt an Arten und Systemen, die sie hervorgebracht hat, aber auch die Inspiration die von ihr ausgeht, die Schönheit wie auch die mitunter bizarren Erscheinungsformen und Interaktionen. Beispielsweise das faszinierende Leben der Ameisenbläulinge - Schmetterlinge, die als Raupen räuberisch in Ameisennestern leben. Aber auch das Funktionieren von Agrarökosystemen, wo in alten Kulturlandschaften sich ein Gleichgewicht der Kräfte von sogenannten Schädlingen und Nützlingen eingestellt hat, das für die Systeme stabilisierend wirkt - beispielsweise in den hoch komplexen und artenreichen bewässerten tropischen Reisterrassen, die zugleich oft ein Vermächtnis kultureller menschlicher Geschichte darstellen.

Prof. Josef Settele (Biologe, Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ und Lepidopterologe), Halle.

 

Die Natur, und damit im weiteren Sinne, das Universum ist voller Wunder und Überraschungen. Im Kleinen, mit seinen Elementarteilchen, wie im Großen, mit Sternensystemen, Galaxien und Galaxienhaufen gibt es uns unzählige Rätsel auf, die den Neugierigen zu immer neuen Erkenntnissen locken. Die Natur belohnt den neugierigen Forscher mit einem immer tieferen Einblick in die unendliche Schönheit des Universums.

Dr. Florian Nebel (Physiker und Autor des Buches “Die Besiedlung des Mondes”).

 

 

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