MILIEU-Mosaik

Was ist Freiheit?

15.03.2017 - 20 Menschen antworten

Freiheit bedeutet für mich, meine Gedanken, meine Gefühle, meinen Glauben offen leben zu können. Sie bedeutet für mich auch, nach der Arbeit in Jogginghose mit meinem Hund auf dem Sofa zu kuscheln, keine Fragen, die auf mich einprasseln, kein nervendes Fernsehprogramm, sondern einfach nur für mich sein. Freude am einfachen Hier und Jetzt zu spüren.

Silvia Sönksen (Lageristin), Rendsburg


Freiheit bedeutet für mich, den eigenen Bedürfnissen entsprechend leben zu können. Es ist ein Idealzustand, der nicht immer möglich ist, und vor allem nicht zwingend in allen Lebensbereichen zugleich. Freiheit ist Furcht einflößend, denn es heißt Leben am Limit, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, auch mit dem Risiko des Scheiterns. Da andere Leute ebenfalls frei sein möchten, wird es in einer Gesellschaft voller Individuen schnell kompliziert. In der Schule hat man mir beigebracht, dass die eigene Freiheit dort aufhört, wo die Freiheit der anderen anfängt, das scheint mir noch die beste Definition zu sein.

Harald Gilbers (Krimiautor), Walpertskirchen


Freiheit ist ein Gefühl! Das macht sie schwer zu begreifen und zu beschreiben, weil jeder etwas anderes in ihr sieht. Außerdem ist Freiheit direkt an Gesundheit bzw. körperliche Unversehrtheit gekoppelt. Jeder, der hier Einschränkungen erlebt, muss sich zum Beispiel Freiheit neu definieren.

Amrei Samara (Mutter), Müggenburg


Freiheit ist, dass jede Person den Weg gehen kann, den sie gehen möchte. Sie darf nicht eingeschränkt sein, ihre eigene Meinung kundzutun. Niemand darf ihr einen Weg vorschreiben, sondern sie ist frei darin, das zu machen, was sie möchte.

Ines Becker (Verwaltungsfachangestellte), Mörfelden-Walldorf


Freiheit ist die objektive Möglichkeit, das eigene Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, zu tun und zu lassen, was man möchte, und den eigenen Gedanken auch öffentlich jenen Ausdruck zu geben, den man möchte.

Völlige Freiheit gibt es nicht. Jeder Mensch ist eingeschränkt durch die Grenzen des eigenen Verstandes, die eigene Gesundheit, die eigenen Kräfte, die eigenen materiellen Möglichkeiten und die Begrenztheit seiner Lebensspanne.

Außerdem leben wir zumeist in Gesellschaft. Unsere Freiheit wird eingeschränkt durch selbst auferlegte soziale Bindungen (Partnerschaft, Familie, Arbeitsverhältnis), durch die Regeln des Anstands und durch die Gebräuche und die Gesetze der umgebenden Gesellschaft.

Deshalb gibt es niemals absolute Freiheit. Gesellschaften unterscheiden sich aber nach dem Maß an relativer Freiheit, das sie dem Menschen ermöglichen. Wichtig für die durch den Menschen erlebbare Freiheit ist auch der Schutz durch die staatliche Ordnung vor Angriffen auf die körperliche Unversehrtheit und vor Gewalt jeder Art.

Dr. Thilo Sarrazin (Autor), Berlin


Freiheit bedeutet für uns als Muslime in erster Linie, dass Muslime auch das tun dürften, was andere Menschen auf dieser Welt tun dürfen - ohne dafür verleumdet, diskriminiert oder verfolgt zu werden. Freiheit ist für viele leider Utopie - für andere aber durchaus real und zeitweise existent. Freiheit bedeutet für uns Toleranz und Akzeptanz. Freiheit bedeutet für uns, die Möglichkeit wahrnehmen zu können, anderen zu helfen. Freiheit bedeutet für uns, für das Recht einstehen und gegen das Unrecht sprechen zu können. Freiheit bedeutet für uns, selbst entscheiden zu dürfen, wie man seinen Lebensweg gestaltet.

Team Killuminati, Facebook-Blog


Freedom’s just another word for: nothing left to lose”, behauptete Janis Joplin. Leute, die nie unter einem totalitären Regime leben mussten und nicht autoritär erzogen wurden, wissen wohl den Wert der Freiheit nicht so recht zu schätzen. Darüber bin ich mir im Klaren. Trotzdem sehe auch ich vorrangig die negativen Seiten der Freiheit. Die Rückseite der Freiheit ist Bindungslosigkeit, Desorientiertheit, letztlich: ein fehlender Lebenssinn. Es sei denn, ich betrachte den Begriff im Sinne von Erich Fromm im konstruktiven Sinn: als „Freiheit zu…” , statt lediglich als „Freiheit von…”(sprich: als Kappen vermeintlich beengender Traditionen). Kein Mensch kann ohne Verpflichtungen, Bindungen, Riten und Traditionen leben - man muss sie nur in gesunder Weise nutzen.

Anja Hilscher (Sprachlehrerin), Bremerhaven


Freiheit bedeutet, dass ein Mensch eigene Entscheidungen treffen darf. Er darf tun, sagen oder denken, was er will, natürlich darf er damit die anderen nicht verletzen. Niemand darf ihn dazu zwingen, etwas zu tun, was er nicht will. Seine Freiheitsrechte dürfen nicht verletzt werden, das heißt, er darf nicht gefesselt oder eingesperrt werden (Ausnahme im Notfall wie Psychiatrie oder Gefängnis). Privatsphäre gehört auch zur Freiheit: Seine Telefongespräche dürfen nicht abgehört werden, und wie viel Geld er hat, geht niemanden an, seine Adresse dürfte nicht ohne seine Erlaubnis weitergegeben werden. Freiheit heißt auch, dass die Bürger nicht ständig von irgendwelchen Behörden kontrolliert werden. Freiheit heißt, dass man aus mehreren Optionen frei wählen kann.

Anna Klein (Hotelfachangestellte), Frankfurt am Main


Freiheit ist schwer zu definieren. Für mich ist es: frei sein von Einschränkungen. Freiheit heißt zu lieben und glücklich zu sein. Freiheit ist selbst zu bestimmen, wer du bist und was du tust. Und ich bin sehr froh, dass ich sie habe, weil sie nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist.

Dr. Piret Jürgenson (Sozialberaterin), Frankfurt am Main


Freiheit ist für mich, sich jeden Moment immer wieder aufs Neue dafür zu entscheiden, gemäß seiner gewählten Religion zu handeln, und die Weisheiten, Gebote und Verbote, die sie enthält, zu nutzen sowie zu befolgen. Immer wieder frei fühle ich mich beim Fahrradfahren, da ich Zeit, Geschwindigkeit und Route selbst bestimme. Absolut frei fühle ich mich nach einem Gebet, das so intensiv war, mir all meine Sorgen, Befürchtungen und Ängste zu nehmen und mich in einem Gefühl der Geborgenheit zurück lässt.

Enrico Isa Musa Menzel (Hauswart), Berlin


Die absolute Freiheit ist, ohne anderen zu schaden, all das tun zu können, wie und wann man es will bzw. das Bedürfnis danach hat - ohne von Ängsten oder Zwängen daran ge- oder behindert zu werden.

Carola Mitschek (Mutter), Erding


Freiheit ist stets bezogen auf ein individuelles Freiheitsgefühl - es macht keinen Sinn zu sagen, jemand sei objektiv frei, fühle sich aber unfrei. Unser Freiheitsgefühl beruht im Wesentlichen auf dem Empfinden, bei unserem Tun weithin unserem Willen folgen, also „selbstbestimmt” handeln zu können. Dies wiederum setzt die Abwesenheit von erlebtem äußerem oder innerem Zwang voraus. Dass wir viele Dinge nicht tun können, die wir tun wollten, nehmen wir üblicherweise in Kauf, ebenso die Tatsache, dass unser Wille Gründe und Ursachen hat, die in unseren Genen, unserer frühkindlichen Umwelt, unserer Erziehung und unserer Erfahrung zu suchen sind und sich in unserer Persönlichkeit ausdrücken. Insofern ist die Tatsache der Bedingtheit unseres Willens kein Widerspruch zu unserem Freiheitsgefühl.

Prof. Gerhard Roth (Hirnforscher), Bremen


Freiheit ist für mich Unabhängigkeit. Entscheidungen zu treffen mit eigenem Willen. Ein unbeschwertes Gefühl. Freiheit ist in meinen Augen ein Luxus, den nicht jeder in Anspruch nehmen kann.

Lana Schröder (Handelsfachwirtin), Frankfurt am Main


Meiner Meinung nach ist Freiheit ein immer seltener werdender Zustand, der damit zusammenhängt, dass der Mensch immer mehr dem Materialismus hinterherläuft und ihm dadurch die Unabhängigkeit genommen wird; denn jedes Stück Abhängigkeit minimiert ein Stück Freiheit. Freiheit ist keine Einengung zu erfahren, sich frei zu fühlen, den Weg selber wählen zu dürfen sowie ein Leben ohne gesellschaftlichen (sowie zeitlichen) Druck!

Ich persönlich empfinde Freiheit, wenn ich mich der Gesellschaft entziehe und stattdessen im Wald spaziere und mal nicht auf das Handy schaue, nicht nachdenke, was ich später noch für Termine habe, sondern meine Aufmerksamkeit allein der Natur schenke und dabei herumphilosophiere. Weiter empfinde ich Freiheit, wenn ich in meinem Garten sitze und nichts tue, sondern einfach nur dem Wind horche, das Vogelgezwitscher genieße und eine Elster beobachte, wie sie immer auf der Spitze eines bestimmten Baumes sitzt. Ich denke, dass ich in der Natur Freiheit erfahre, weil ich das Gefühl habe, dort Gott ein Stückchen näher zu kommen, weil ich Gott in der Natur erkennen kann. Ich glaube, dass der Wunsch nach Freiheit in der Natur des Menschen liegt, doch lebt der Mensch noch im Einklang mit der Natur?

Jacinto Munoz (Erzieher), Langen


Ich änd’re gern den Blickwinkel, bis ich beruhigt schlafen kann. Die Frühschicht ruft zum Mindestlohn „Gewinn ist nicht für Jedermann“. Zehnstundenschicht bis in die Nacht, besser so als arbeitslos, die Leiter rund, heißt Hamsterrad, doch Freiheit fällt dir nicht in Schoß. Als Babys wollten wir doch nur schlafen, fressen, kacken, lachen, lebten nie für andere und taten früher unsere Sachen, um anderen dann zu gefallen, änderte ich mich als Kind und gar nichts mehr dann übrig bleibt, von dem, was ich doch eigentlich bin.

Hinzu kamen die bösen Zungen, redeten mir Ängste ein: „Die Welt ist groß, werd Realist, du bist zu schwach und viel zu klein“. Wer daran glaubt, ist eingeengt und kriegt von mir nur Beileid. Doch lasst den Kiddies ihre Welt, im Kopf beginnt die Freiheit.

Cihan Köse (Lehramtsstudent), Kiel


Freiheit, das Arschgeweih unter den politischen Bekenntnissen. Allzu oft dient der Verweis auf selbige dazu, sie anderen zu nehmen: wenn das FGDO-Bekenntnis zum Gängelband für Migranten wird. Wenn rechtspopulistische Parteien wie Geert Wilders „Partij voor de Vrijheid“ sie im Namen tragen. Wenn sie sogar noch zur Rechtfertigung von Kriegen herhalten muss. Dabei fing alles einmal so gut an: „priyá“ - Sanskrit für „Freund“. Freiheit ist das, was man jemandem gewährt, weil man ihn als Freund erachtet. Zur Überlegenheitsideologie taugt dieses Wort nicht.

Fabian Köhler (Journalist), Berlin


Freiheit ist schöpferisch zu sein und das Leben und damit auch aktiv die Zukunft zu gestalten.

Um diese Freiheit auch umfassend im Leben entfalten zu können, braucht es das Wissen und die Überzeugung, dass wir durch unsere eigenen Wahrnehmungen, deren Interpretation und Bewertung sowie unsere Gedanken und Überzeugungen, mentale und emotionale Reaktionen auf Reize von außen und folgende Entscheidungen und Handlungen, unsere eigene einzigartige Realität erschaffen.

Die Freiheit, die wir persönlich erleben können, fängt bei der Entscheidung zur bewussten Wahrnehmung an. Dafür kann in unserem Gehirn ein bewusster Wahrnehmungs-/Interpretations-/Bewertungs-Beobachter der eigenen Realität trainiert werden, der Schlüssel zu Freiheit und Befreiung von automatisierten Reaktionen angelernter, auch evolutionärer tierischer Verhaltensweisen und Begrenzungen ist.

Dieser bewusste kreative Schöpfer, der in jedem Menschen „wohnt”, kann sich jederzeit und überall bewusst zur Gestaltung seiner eigenen zukünftigen Realität entscheiden. Dafür, dass ich mir diese Freiheit sowohl vorstellen, als auch jeden Tag ein bisschen mehr erleben und erfahren kann, bin ich dem Universum sehr dankbar.

Michael Rajiv Shah (Autor), Wien


Frei zu sein bedeutet für mich nicht nur das Klassische: Tun und Lassen zu können was man will, ohne dabei die Freiheit anderer einzuschränken. Wirkliche Freiheit kann man nur dann erlangen, wenn man dabei nicht das Gefühl hat, oder bekommt, Rechenschaft vor der Gesellschaft und der Welt ablegen zu müssen. Wäre es dann nicht eine Lösung, sich einfach dieser Welt zu entziehen? Nein, ich finde, wir sollten vielmehr versuchen, diese Gesellschaft mitzugestalten und so eine Atmosphäre zu schaffen, in der jeder seine Freiheit ausüben kann. Erst wenn wir anderen zu ihrer Freiheit verhelfen, können wir selbst frei sein.

Saood Alvi (IT-Berater), Heidelberg


Freiheit bedeutet für mich, unbefangen über die Straße zu gehen und das machen zu können, worauf ich Lust habe. Freiheit bedeutet für mich ohne Angst vor Gewalt, Krieg oder Unterdrückung leben zu können. Freiheit bedeutet für mich Recht auf Meinungsfreiheit. Freiheit bedeutet für mich Selbstverwirklichung. Freiheit macht für mich das Leben erst lebenswert und ich würde mir wünschen, dass dieses Freiheitsgefühl jeder Mensch erfahren darf.

Clarissa Gevargez (Medizinstudentin), München


Freiheit. Ein zunächst vages Gefühl, das ob seiner unendlichen Tiefe, schwer in Worte zu fassen ist. Ein Zustand, eine Beschaffenheit, in der ich mich frei fühle von jeglichen Zwängen, frei zwischen mehreren Optionen wählen kann, unabhängig und selbstbestimmt. Mein individuelles Verständnis von Freiheit kennt viele Formen und Farben. Eine Facette dieses vielseitigen Mosaiks ist mein Wunsch, meinen selbstbestimmten Lebensentwurf zu verwirklichen, das bedeutet unter anderem, dass ich meinen Beruf als Lehrerin ausüben kann, ohne mein Kopftuch, und somit einen Teil meiner Identität, ablegen oder anpassen zu müssen.

Durre Ajam Loun (angehende Lehrerin), Frankfurt am Main


Freiheit ist frei von Schlaf, Durst, Hunger, Fortpflanzung, Altern, Pflege, Schmerz, Arbeit, Zeit, Politik, Diktatur, Lüge, Demokratie, Geboren werden, Sterben und alle anderen Dinge zwischen Himmel und Erde, denen man unterlegen ist.

Freiheit ist bloße Illusion, die im Menschen entsteht, weil er die Fäden der Notwendigkeit nicht durchschaut, an denen sein Wollen ebenso hängt wie ein Naturgeschehen.

Ursache/Wirkung ist das Prinzip allen Daseins und Freiheit findet in diesem keinen Platz.

Die Ursache allen liegt bei dem, der die Schöpfung hervorbringt und ihre Laufbahn, Lebensumstände und Bedingungen bestimmt, jedoch liegt dieses nicht in unserer Macht.

Die Notwendigkeit des Wollens schlägt die Freiheit des vergänglichen Daseins zu Boden. Zufriedenheit ist der Schlüssel zur Freiheit in zeitlich und räumlich begrenzten Welten.

Gökhan Yesil (Reinigungsunternehmer), Düsseldorf

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