MILIEU-Mosaik

Welche Grenzen hat die Digitalisierung?

15.05.2017 - 15 Menschen antworten

Eine re:publica-Sonderedition.

Da, wo Menschenrechte beschnitten werden. Digitalisierung ist wie eine Utopie und auch eine Riesenchance, aber irgendwo muss man sie regulieren. Man muss dafür sorgen, dass es Chancengleichheit gibt.

Mareike Wieland, Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Dresden)

 

Technologisch und wirtschaftlich hat die Digitalisierung für mich keine Grenzen. Es sei denn es werden Gesetze oder Regulierungen gebrochen. Gesellschaftlich sehe ich das ähnlich, solange nicht die Rechte anderer verletzt werden, steht alles frei. Wir müssen aufpassen, dass wir auch die Freiheit des Netzes bewahren, aber uns dabei gleichzeitig als Gesellschaft nicht einschränken. Dabei müssen wir auch die Rechte der Individuen sichern. Ich glaube, da wird sich in den nächsten 10, 20, 30 Jahren noch so viel tun. Ich denke, wir werden eine total vernetzte, globale Welt haben.

Stefan Stengel, Start-Up Gründer des Unternehmens global consult (Lübeck)

 

Digitalisierung kann man weniger mit Grenzen beschreiben als vielmehr mit einer Art Netz, das durch die Gesellschaft wirkt. Also sind die Grenzen der Digitalisierung auch die Grenzen der Gesellschaft. Es gibt da natürlich eine Wechselwirkung, aber deswegen ist es nach meiner Sicht so wichtig in Bereichen wie Extremismus und Menschenfeindlichkeit ganz klare Grenzen zu ziehen, wo die Gesellschaft sagt: bis hierhin und nicht weiter. Das gilt natürlich auch für das Netz. Die Mittel unterscheiden sich, aber wie genau, das muss die Gesellschaft selbst rausfinden: Welche Grenzen sie zieht und welche Grenzen sie eher nicht zieht.

Sascha Lobo, Autor und Blogger (Berlin)

 

Ich glaube die Grenzen, die die Digitalisierung hat, hängen vom Menschen ab. Also von der Bereitschaft des Menschen sich der Digitalisierung zuzuwenden. Wie wir wissen, wollen sich mittelständische Unternehmen nicht so digitalisieren, weil die Menschen da sagen: Machen wir nicht.

Isabel Amon, Start-Up Unternehmen Gründerin (Berlin)

 

Für mich hört Digitalisierung dann auf, wenn es ganz extrem zu Lasten meiner persönlichen Beziehungen geht. Ich glaube nach wie vor, dass jeder Mensch echte Beziehungen braucht. Viele Leute die im Internet leben, sagen, dass digitale Beziehungen auch echte Beziehungen sind. Aber ich denke, es ist wichtig echte persönliche Freundschaften von Angesicht zu Angesicht zu haben. Selbst wenn das Internet einen Teil davon ersetzen kann: ganz kann es das nicht ersetzen.

Peter Neumann, deutscher Politikwissenschaftler und Gründer von „The International Centre for the Study of Radicalisation and Political Violence“ (London)

 

Es ist nur beschränkt möglich Beziehungen über online-Tools aufzubauen, der persönliche Kontakt wird immer bleiben. Das sieht man bei Austauschprogrammen oder das habe ich bei diesen Friedensprogrammen gesehen, wenn sich zum Beispiel zwei Kulturen begegnen. Die Aleviten und die Sunniten im Libanon, die über ein Theaterprojekt miteinander interagierten. Da passiert was! Man kann nicht Online sagen: „Jetzt legt mal eure Stereotypen ab!“ Das sind persönliche und direkte Erfahrungen.

Lea Suter, Friedensaktivistin, Bloggerin „peace prints“ (Winterthur, Schweiz)

 

Digitalisierung hat da ihre Grenze, wo man online nicht weiterkommt. Gerade was hatespeech oder das gute Miteinander betrifft, da kann man nur zu einem bestimmten Punkt etwas erreichen, aber irgendwann hört es dann auf. Ganz vieles muss offline weitergeführt werden, von Mensch zu Mensch - im direkten Austausch. Bei unserer „Flüchtlinge Willkommen“ läuft es ja auch so ab, dass man sich über eine Webseite anmeldet, aber fast alles was danach kommt passiert offline. Sei es der Erstkontakt den wir herstellen, wenn die Menschen ihr Zimmer anmelden oder das persönliche Treffen, wo man sich persönlich kennenlernt und trifft. Das wird niemals digital sein, hoffe ich. Digitalisierung kann schon unglaublich viel transportieren.

Mareike Geiling, Initiatorin „Flüchtlinge Willkommen“ (Berlin)

 

Die Digitalisierung muss dem Menschen dienen und unsere Grundrechte müssen auch in der digitalen Welt gelten.

Saskia Esken, SPD-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Sprecherin der Arbeitsgruppe Digitale Agenda (Stuttgart)

 

Die Digitalisierung kann niemals die Realität ersetzen, auch nicht, wenn sie diesen Anspruch erhebt.

Mervy Kay, Bloggerin „primamuslima“ (Berlin)

 

Sichtbar gibt es keine Grenzen. Wir müssen uns als Menschen entscheiden, wo diese für uns aufhören.

Ruth Scheurer, Besucherin der re:publica (Freiburg)

 

Meine eigenen Möglichkeiten irgendwelche technischen Dinge zu benutzen, zu begreifen und überhaupt zu wissen, wie etwas möglich ist.

Caroline Masabo, Besucherin der re:publica (Feldafing)


Eigentlich gibt es keine Grenzen. Das alles digitalisiert wird, bedeutet nicht, dass es ein „offline“ nicht mehr gibt. Die Balance von beiden, sowie die Kernfrage wie wir damit umgehen sollen, ist wichtiger. Wir sollten der Digitalisierung keine künstliche Grenze setzen, sondern sie organisch wachsen lassen.

Kübra Gümüşay, deutsche Journalistin und Netzaktivistin (Berlin)


Die Digitalisierung hat für mich gesetzliche Grenzen, das Europarecht sowie das nationale Recht.

Fred Turnheim, Journalist (Wien,Österreich)

 

Grenzen sind da, wenn Menschenrechte verletzt werden. Das ist für mich dann, wenn zum Beispiel in den sozialen Medien unerkannt mit irgendwelche Hassparolen gehetzt wird. Das sind Grenzen, die ich für mich setze.

Michael Birnstock, Teamleiter Kooperationen, DB Mobility Logistics AG (Berlin)

 

Ich habe mich viel mit den Themen „recruiting“ und Digitalisierung beschäftigt. Da ist gerade die Frage: Werden Personaler in Firmen demnächst von kognitiven Systemen ersetzt oder wird da viel automatisiert? Das ist ein sehr sehr menschliches Thema. Ich finde da sollte man irgendwo eine Grenze sein.

Lana Wittig, Brand Partnership Manager bei der Online-Plattform EDITION F (Berlin)

 

 

 

Rameza Bhatti befragt 15 Besucher auf der "re:publica", einer Konferenz der digitalen Szene, in Berlin.

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