MILIEU-Mosaik: Wahlspezial

Welche Sorgen und Hoffnungen prägen unsere politische Landschaft?

15.09.2017 - 17 Parteien antworten

DAS MILIEU sprach mit prominenten Vertretern aller deutschen Parteien, die bei der Bundestagswahl am 24. September auf dem Stimmzettel stehen werden, über ihre Sorgen und Hoffnungen. Unter anderem mit Antworten von Martin Schulz (SPD), Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Dietmar Bartsch (Linke) und Nicola Beer (FDP).

 

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Sorgen: Deutschland geht es gut, aber nicht allen in Deutschland geht es gut. Der wirtschaftliche Erfolg geht an vielen Menschen in unserem Land vorbei. Deshalb müssen wir massiv in die Zukunft investieren – in Bildung, Pflege, Infrastruktur, schnelles Internet. Und wir müssen für mehr Gerechtigkeit sorgen. Wir müssen endlich die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen in Deutschland beenden, wir werden die willkürliche Befristung von Arbeitsverträgen abschaffen. Wir sorgen für verlässliche Renten und stabile Beiträge. Wenn wir nicht dafür sorgen, dass es in unserem Land gerechter zugeht, dann wird das langfristig auch den Zusammenhalt in unserem Land gefährden. Und wir wollen ein starkes, solidarisches Europa. Bedingungen dafür zu schaffen, dass jedes Leben gelingen kann, das ist die zentrale Aufgabe sozialdemokratischer Politik.

Hoffnungen: Deutschland ist ein starkes Land. Das liegt vor allem an motivierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, an selbstbewussten Gewerkschaften und erfolgreichen Unternehmen in einer starken sozialen Marktwirtschaft. Hier leben engagierte Menschen mit ihren Familien, mit Freunden und Nachbarn. Wir sind stolz auf unseren demokratischen Rechtsstaat, der die Würde des Menschen an erste Stelle setzt. Was wir brauchen, ist die Zuversicht, dass es sich lohnt, für eine bessere Zukunft die Ärmel aufzukrempeln. Ich will, dass jeder Einzelne wieder den Respekt für seine Lebensleistung erfährt, den er oder sie verdient. Ich werde die Bedürfnisse der hart arbeitenden Menschen, derjenigen, die sich kümmern und die sich an die Regeln halten, ins Zentrum meiner Politik stellen. Die SPD ist die Partei, die die Zukunft unserer Gesellschaft positiv gestalten will. Mit Zuversicht und nicht mit Angst, gerecht und sicher.

Martin Schulz, Bundesvorsitzender und Spitzenkandidat der SPD (1863 gegründet, 439.000+ Mitglieder)

 

Bündnis 90/Die Grünen

Sorgen: Ich habe fünf Enkelkinder. Wie viele andere frage ich mich natürlich auch, wie es den eigenen Kindern und deren Kindern später einmal gehen wird. Ob sie in einer friedlichen Welt und auf einem gesunden Planeten leben werden. Die Klimakrise kann in vielerlei Hinsicht zerstörerisch sein und zu gewaltigen Konflikten führen. Das müssen wir verhindern. In jeder Krise steckt ja auch eine Chance – wenn wir jetzt anpacken. Ich glaube fest daran, dass eine bessere Welt möglich ist.

Hoffnungen: Optimistisch machen mich mein Glauben und meine Erfahrung, dass wir Zukunft gestalten und verändern können. Der Glauben gibt mir die Gewissheit, dass Menschen dauerhaft der Angst nicht den vollen Raum geben werden. Mit der Friedlichen Revolution in der DDR habe ich erlebt, dass Menschen zusammen Unglaubliches erreichen können.

Katrin Göring-Eckardt, Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen (1993 gegründet, 61.500+ Mitglieder)

 

Die Linke

Sorgen: Die fortschreitende Spaltung unserer Gesellschaft in Superreiche mit obszönem Reichtum und immer mehr Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben oder ihre Zukunft nicht planen können. Eine Gesellschaft, die Milliardäre hervorbringt, ist dann schlimm, wenn zugleich mehr als zwei Millionen Kinder arm oder von Armut bedroht sind, alte Menschen im Müll Flaschen sammeln müssen. Wir brauchen einen Wechsel, damit der soziale Zusammenhalt in Deutschland wiederhergestellt und das große Projekt Europa nicht kaputt gemacht wird.Hoffnungen: Ich kämpfe darum, dass wir drittstärkste Kraft bleiben und ein zweistelliges Ergebnis erzielen. Wenn die Linke stark ist, werden sich a) Forderungen von uns im nächsten Koalitionsvertrag wiederfinden, egal wer ihn schreibt und b) ist der Druck auf die SPD groß, nicht in eine große Koalition zu gehen. Wir müssen wieder die Balance in unserem Land herstellen und nicht weiter Waffen und Soldaten in alle Welt schicken.

Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat für DIE LINKE (gegründet 2007, 59.000+ Mitglieder)

 

Freie Demokratische Partei (FDP)

Sorgen: Die Kurzatmigkeit der aktuellen Politik: Das müssen wir ändern. Mein Eindruck ist, dass nur noch reagiert wird anstatt die Dinge so rechtzeitig zu gestalten, dass wir auch übermorgen als Gesellschaft noch erfolgreich sein können. Wir müssen deshalb mehr Augenmerk auf langfristige Ziele und gesellschaftliche Visionen legen. Und wir brauchen Durchhaltevermögen, um diese auch umzusetzen. Zudem müssen wir den Mut haben, die Themen in den Mittelpunkt der Diskussionen zu stellen, auf die es wirklich ankommt, nicht nur die, die ankommen. Dazu muss Politik aber auch auf einer Augenhöhe mit den Bürgern sprechen und Veränderungen im Dialog gestalten.

Hoffnungen: Das Schöne am Politik-Job ist, dass man so vielen Menschen begegnet. Ich treffe Menschen, die etwas aus ihrem Leben machen möchten. Ich sehe Talente, Potentiale, Ideen und viel Engagement. Deutschland kann so viel mehr als die aktuelle Politik zulässt. Diese Potentiale müssen wir entfesseln. Wir brauchen weltbeste Bildung für jeden in Deutschland. Denn Bildung befähigt Menschen, gibt Selbstvertrauen und stärkt den Gründergeist. Sie ist der Schlüssel für sozialen Aufstieg aus eigener Kraft. Wir brauchen mehr Mut bei der Digitalisierung. Noch nie gab es eine Technologie, die so schnell so einschneidende Veränderungen herbeigeführt hat und auch weiterhin herbeiführen wird. Wir brauchen eine kluge Einwanderungspolitik und einen Staat, der endlich verstanden hat, dass er auch rechnen können muss. Es gibt genug Baustellen – mit mutigen Menschen packen wir es an.

Nicola Beer, Generalsekretärin der FDP (1948 gegründet, 59.000+ Mitglieder)

 

Piratenpartei

Sorgen: Die Entwicklung im Bereich Gesundheitsversorgung und Pflege führen zu einem immer höheren Betreuungsschlüssel, was langfristig die Pflegekräfte immer stärker belastet während gleichzeitig der Bedarf immer weiter ansteigt. Der sinkende Anteil an sozial gefördertem, städtischen Wohnungsbau verschärft nicht nur die Situation allgemein, sondern ist gleichzeitig einer der Faktoren für steigende Altersarmut. Auf unser Wirtschaften kommen durch die Digitalisierung neue Herausforderungen zu, die vorausschauend bewältigt werden müssen. Unsere Grundrechte werden immer mehr eingeschränkt. Einige der Veränderungen sind bereits jetzt spürbar, andere werden wir erst bemerken, wenn die Konsequenz uns hart trifft. Dann könnte es zu spät sein.

Hoffnungen: Wir sind bereits mitten in der sogenannten Digitalen Revolution. Durch die neuen Möglichkeiten, die uns der digitale Wandel bietet, können wir eine smarte, ökologische und lebenswerte Zukunft für uns alle gestalten. Neue sozialpolitische Modelle, wie das bedingungslose Grundeinkommen, werden bereits auf breiter gesellschaftlicher Basis ernsthaft diskutiert und geprüft. Die Zusammenarbeit (sei es bei der Arbeit, zwischen Behörden oder bei NGOs) würde damit vereinfacht, Inklusion würde sich zu einer Selbstverständlichkeit entwickeln und darüberhinaus könnte der solidarisch finanzierte ÖPNV zum Standard werden - wenn wir dies nur wollen. Durch die Erschließung neuer Wirtschaftszweige und die Nutzung moderner Technologien werden wir nicht nur die Nahversorgung mit umweltverträglich erzeugter Energie realisieren können, sondern auch attraktive und sichere Arbeitsplätze vor Ort bekommen. Weniger Pendelverkehr wird dabei mehr Zeit für die Familie ermöglichen.

Anja Hirschel, Spitzenkandidatin der Piraten (2006 gegründet, 11.000+ Mitglieder)

Freie Wähler

Sorgen: Die Krisen der vergangenen Jahre haben ein massives Vertrauensdefizit der Bevölkerung in die Parteipolitik offenbart. Während man früher respekt- und erwartungsvoll zu den Politikern nach Bonn blickte, misstraut man heute dem umfragehörigen und konzerngetriebenen Politikbetrieb in Berlin. Auf der einen Seite wird der neo-liberale Ausverkauf der Republik betrieben, auf der anderen Seite immer mehr links-ideologische Verbotspolitik durchgesetzt und die Leistungsfähigkeit deutscher Sicherheitsbehörden geschliffen. Dieses beliebige, bizarre und maßlose Treiben in den Glaspalästen der Bundeshauptstadt entzieht sich schon längst dem Verständnis der deutschen Bevölkerung. Sollte sich diese bürgerferne Politik fortsetzen, befürchten wir eine langfristige Politikverdrossenheit, welche radikalen Kräften eine breite Möglichkeit bietet diese Spaltung zwischen Bürger und Politik ideologisch aufzuladen. Deshalb braucht Berlin eine solide Partei der Bürger, die sich die Zukunftsfähigkeit unseres Landes auf die Fahnen geschrieben hat. Dessen zunehmende Spaltung muss überwunden und unsere Gesellschaft wieder zusammengeführt werden.

Hoffnungen: Deutschland kann mehr! Wir sind eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt. Grund dafür sind die vielen Millionen Bürger, die durch Leistung, Einsatz und Innovationsfreude unseren Wohlstand erwirtschaften. Unternehmer mit Verantwortung auf der einen, Arbeitnehmer mit klugen Köpfen auf der anderen Seite sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Diese optimistische Grundeinstellung gilt es zu bewahren und zu fördern. Die Herausforderungen der Zukunft seien es der demografische Wandel, die digitale Transformation, die Neuausrichtung der Pflege oder die Zukunft der Kinderbetreuung werden von den Menschen mit großem Elan in Angriff genommen. Hier ist es die Aufgabe der Politik den rechtlichen Steuerungsrahmen so zu gestalten, dass unser Land zukunftsfähig wird und dieser Handlungsmoment nicht erstickt wird.

Eike Jan Brandau, Sprecher der Freien Wähler (2009 gegründet, 6.500+ Mitglieder)

Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP)

Sorgen: Sorgen bereitet mir die Feststellung, dass wir nicht mehr politisch, sondern ökonomisch regiert werden, dass Wirtschaft und Medien bestimmen, was für das Gemeinwohl gut ist und dass die (Noch)Bundeskanzlerin an ihrer Vorstellung einer marktkonformen Demokratie festhält. Das wäre der sichere Tod der Demokratie und in der Tat steuern wir auf Peak Demokratie zu. Menschen trauen der Politik, den Politikern und dem ganzen System nicht mehr und wenden sich mehr und mehr ab bzw. radikalen Gruppierungen zu. Sorgen bereitet mir gleichermaßen die Fortsetzung einer neoliberalen Wirtschafts- und Finanzpolitik mit der Folge einer weiteren Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Schaffung von Fluchtursachen, der Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur sowie einer Fortsetzung der sozialen Spaltung. Letztlich ist damit auch der Frieden gefährdet bzw. steigt die Kriegsgefahr. Sorgen bereitet mir die Stellung der Familie in unserer Gesellschaft sowie die strukturelle Benachteiligung derer, die Kinder erziehen. Ebenfalls besorgt mich die Entwicklung in den Bereichen Industrie 4.0, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Hier ist ein fatales Demokratiedefizit zu beklagen, weil diese Entwicklungen völlig an der Bevölkerung vorbei laufen mit der Folge, nicht nur die menschliche Arbeitskraft, sondern den Menschen an sich abzuschaffen.

Hoffnungen: Es gibt zunehmend Initiativen, die sich aus dem zerstörerischen System verabschieden und neue Ideen entwickeln. Hier sei insbesondere die Gemeinwohlökonomie genannt, die weltweit Freunde und Unterstützer findet, Unternehmer und Einrichtungen, die sich eine Gemeinwohl-Bilanz geben und klare Regeln einhalten. Jedes Handeln hat sich an drei Fragen auszurichten: Dient es dem Menschen; dient es der Natur; dient es dem Frieden? Die Werte dieser Gemeinwohlbilanz werden sich durchsetzen, weil sie überzeugend sind. Alles andere, d.h. ein Weiter so, weiter wie bisher wird in die Katastrophe führen. Ohne Beachtung nachfolgender Werte hat die Gesellschaft keine Zukunft: Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmung und Transparenz werden vor allem junge Menschen überzeugen und für diese globale Idee begeistern. Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) fühlt sich diesen Werten verpflichtet und daher steht über allen politischen Forderungen die Botschaft „Mensch und Umwelt vor Profit und ausschließlich dem Gemeinwohl verpflichtet“.

Gabriela Schimmer-Göresz, Bundesvorsitzende der ÖDP (1982 gegründet, 6.000+ Mitglieder)

Die Republikaner (REP)

Sorgen: Die Masseneinwanderung bereitet uns große Sorge, sowie die Kriminalitätszunahme und die steigende Terrorgefahr. Alleine in den letzten Jahren kamen über 1,5 Millionen Menschen in unser Land, zzgl. einer hohen Zahl illegaler Einwanderer. Auch künftig muss mit überdurchschnittlichen Asylbewerberzahlen gerechnet werden. Diese Form der Zuwanderung wird unser Land weder wirtschaftlich verkraften können, noch ist es der eigenen Bevölkerung länger zumutbar. Weiterhin sorgen wir uns um das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen unserer Bürger. Während mit deutschen Steuergeldern regelmäßig EU-Pleitestaaten und Banken gerettet werden, leben immer mehr Menschen an der Armutsgrenze. Steigende Kinder- und Altersarmut, explodierende Mieten, Niedergang des Mittelstandes sind inzwischen in weiten Teilen der Republik deutlich erkennbar. Diese Lage dürfte sich weiter negativ entwickeln, wenn keine Veränderung des Wahlverhaltens erfolgt.

Hoffnung: Optimistisch stimmt uns, dass mehr Bürger kritisch die verschiedenen politischen Bereiche hinterfragen und sich keinen Maulkorb mehr verpassen lassen. Auseinandersetzung mit der hohen Ausländerkriminalität, Gefahr durch Islamisten, Linksextremismus und EU-Kritik galten lange Zeit als Tabuthemen. Jetzt wächst aber Bereitschaft zur Kritik und kann nur in einem neu überdachten Wahlverhalten münden. Veränderung ist nur möglich, wenn die Politiker ausgetauscht werden, die ursächlich für die momentane Situation sind. Diese Erkenntnis erlangen immer mehr Menschen in Deutschland, weshalb für unser Land noch Hoffnung besteht.

Karl-Heinz Fischer, Sprecher der REP (gegründet 1983, 4.500+ Mitglieder)

 

Bündnis C - Christen für Deutschland

Sorgen: Als Christen wissen wir, dass Zukunft auf dieser Erde nur in Beziehung zum Schöpfer des Universums gelingen kann. Deshalb bieten wir für unser Land eine Politik auf biblisch-theologischer Basis an. Eine solche Politik versucht nicht nur, die Krisen und Verwerfungen der gesellschaftlichen Entwicklung abzufangen und einzudämmen, sondern entwickelt alternative, nachhaltige Lösungen wie eine beziehungsorientierte Wirtschaftskonzeption und Europapolitik oder Perspektiven für Flüchtlinge und ihre Herkunftsländer. Da die bisherigen Politikansätze von allen etablierten Parteien als alternativlos hingestellt werden, findet erkennbar kaum ein Wahlkampf statt. Das ist jedoch kein Zeichen für Einigkeit im Land, sondern für einen Unwillen zur Veränderung seitens der Politik und Ratlosigkeit.

Hoffnungen: Sollte der Status Quo erhalten bleiben, müsste man sich Sorgen um die Zukunft Deutschlands und Europas machen. Die Fragen nach wirklichen Lösungen werden jedoch lauter und die Fragenden warten auf Antworten. Das lässt uns hoffen für unsere Zukunft.

Karin Heepen, Bundesvorsitzende von Bündnis C (2015 gegründet, 3.500+ Mitglieder)

 

Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Tierschutzpartei)

Sorgen: Natürlich bereitet mir der Rechtsruck zahlreicher Nationen große Sorgen. Nicht nur in den USA mit Trump, auch in Europa nimmt der Rechtspopulismus und Rechtsextremismus leider wieder erschreckende Ausmaße an: Frankreich mit LePenn, die Niederlande mit Wilders, Österreich mit Hofer und der FPÖ und Deutschland mit der AfD sind nur einige Beispiele. Noch größere Sorgen bereitet mir aber, dass viele Menschen sich leider nachwievor von den etablierten Parteien in Deutschland an der Nase herumführen lassen. Kurz vor Wahlen werden wie auch aktuell einige populistische Beschlüsse gefasst, um das Wahlvolk zufriedenzustellen. Aber die großen Probleme unserer Zeit werden nachwievor entweder komplett ignoriert oder nur halbherzig angegangen: Der Klimakiller Nr. 1, die Massentierhaltung, die zudem schreckliche Qualen für Millionen Tiere bedeutet, die Regenwaldzerstörung für die deutsche Agrarindustrie und den Agrosprit, die soziale Ungerechtigkeit, Menschenrechtsverletzungen in Deutschland und weltweit, dass unser Land mehr von Lobbyisten und Konzernen regiert wird als von der Politik und dass nachwievor kaum ein Krieg ohne deutsche Waffen stattfindet.

Hoffnungen: Die Menschen wachen langsam auf. Die Anzahl der Vegetarier_innen und Veganer_innen steigt exponenziell. Und auch die Rechten bekommen stets viel Gegenwehr. Daher besteht Hoffnung, dass sich langsam alles zum Besseren wandelt.

Matthias Ebner, Bundesvorsitzender der Tierschutzpartei (1993 gegründet, 1.300+ Mitglieder)

 

Die Violetten

Sorgen: Die Plastikvermüllung der Weltmeere. Acht Millionen Tonnen Plastik werden jedes Jahr in die Weltmeere geschwemmt und 150 Millionen Tonnen haben sich seit den 1950er Jahren bereits dort angesammelt. Aktivisten, Wissenschaftler und engagierte DIY (Do-it-yourself)-Erfinder wie Boyan Slat von „The Ocean Clean-Up arbeiten unermüdlich an Möglichkeiten, unser Wasser von dem nicht verrotbaren Müll zu reinigen, der mittlerweile auch regelmäßig in den Mägen von Fischen, Seevögeln und anderen Meeresbewohnern zu finden ist. Trotzdem fühlt sich die Verschmutzung der Weltmeere wie ein riesiges unlösbares Desaster an. Hauptverursacher sind einige wenige Länder in Asien, gleichzeitig verbrauchen auch wir in den westlichen Ländern immer noch zu viel Plastik. Wenn keine Änderung eintritt, soll der Plastikmüll bis 2025 von 250 Millionen Tonnen auf 380 Millionen Tonnen anwachsen. Dann käme 1 Tonne Plastik auf 3 Tonnen Fisch.

Hoffnungen: Das Projekt des Boyan Slat aus den Niederlanden. Schon mit 17 Jahren hat er begonnen, ein Projekt zur Reinigung der Weltmeere vom Plastikmüll zu starten. Er leitet nun ein Team von mehreren 100 Wissenschaftlern, Studenten und freiwilligen Helfern, die sein Plastikauffangbarrieresystem für die Ozeane unterstützen. Dafür hatte er ein Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen. Mindestens 24 solcher Auffanganlagen wären notwendig, um die Weltmeere vom Plastikmüll zu befreien. Solche Menschen und deren Projekte stimmen einen optimistisch, dass es möglich ist, die Umwelt/Mitwelt auch für nachfolgende Generationen lebenswert zu erhalten. Dafür sollten Gelder investiert werden, nicht für Zerstörung und Kriege.

Irene Garcia, Bundesvorsitzende der Violetten (2001 gegründet, 700+ Mitglieder)

 

Menschliche Welt

Sorgen: Nichts bereitet mir langfristig Sorgen. Ich bemühe mich mit all meiner Kraft das Leiden in Form von Armut, Krieg und Umweltzerstörung von Milliarden von Menschen und Tieren zu beseitigen. Ich möchte mit spiritueller Hingabe, allumfassender Liebe und Entschlossenheit zur Erschaffung einer menschlichen Welt beitragen. Das kann ich besser, wenn ich sorgenfrei bin.

Hoffnungen: Ich bin generell optimistisch. Die Menschheit entwickelt sich hin zu mehr Menschlichkeit. Mehr und mehr Menschen setzen sich für das Wohl aller ein. Die Menschheit besitzt das Wissen, die Methoden und den Willen eine menschliche Welt zu erschaffen. Ich bin optimistisch, dass wir es schaffen werden.

Michael Moritz alias Dada Madhuvidyananda, Bundesvorsitzender der Menschlichen Welt (2013 gegründet, 450+ Mitglieder)

 

Feministische Partei - Die Frauen

Sorgen: Der Feministischen Partei bereitet langfristig Sorgen: Der mangelnde Respekt vor den Frauen- und Menschenrechten, die zunehmenden Kriege, dass atomare Wettrüsten und der Raubbau an der Natur. Wir wünschen uns eine Welt in der auch Frauen und Kinder glücklich in einer intakten Natur und einer gewalt- und herrschaftsfreien Gesellschaft leben können.

Hoffnungen: Was uns optimistisch stimmt ist die weltweite Zunahme der Frauenbewegung. Immer mehr Frauen sind bereit sich politisch zu informieren, zu engagieren und zu organisieren. Die weltweite Vernetzung der Frauenorganisationen wird ständig besser und stellt damit einen zunehmenden Machtfaktor dar, der ganz neue Perspektiven aufzeigt wie die weltweiten Krisen überwunden werden können.

Margot Müller, Bundessprecherin der Feministischen Partei (1995 gegründet, 370+ Mitglieder)

 

Partei der Humanisten

Sorgen: Themen, die uns bei der Partei der Humanisten langfristig Sorgen bereiten sind diejenigen, deren Konsequenzen und Herausforderungen wir jetzt bereits - zumindest im Ansatz - abschätzen können, die aber noch einige Generationen nach uns beschäftigen werden. Namentlich sind das insbesondere: [1] der Klimawandel und die damit einhergehenden Auswirkungen auf küstennahe Städte, versteppende Lebensräume und zunehmend heftigere und häufigere Wetterkatastrophen (Stürme, Dürre usw.), [2] die Digitalisierung, Automatisierung und Verbesserung der Robotertechnik, die unsere Gesellschaft, unser Zusammenleben und den Arbeitsmarkt fundamental verändern werden, [3] die teilweise erschreckende und zunehmende Ignoranz von wissenschaftlicher Erkenntnis und klarer Faktenlage, die sowohl politisch als auch gesellschaftlich Verbesserungen unmöglicher und Verschlechterungen wahrscheinlicher werden lässt sowie [4] das internationale Phänomen des Rückzugs in Kleingruppen, Nationalstaaten und Identitäten im Angesicht der Herausforderungen der Globalisierung.

Hoffnungen: Wir sind trotz der oben angeführten Herausforderungen zuversichtlich, dass der Menschheit grandiose Zeiten bevorstehen. Warum? Weil das Zeitalter der Menschen gerade erst angebrochen ist. Weil wir in den wenigen Jahrhunderten, die wir nun schon Wissen sammeln, kontinuierlich dazu lernen, unsere Neugier immer wieder mit technologischen Durchbrüchen belohnen, Krankheiten ausrotten, medizinische Wunder vollbringen, scheinbar unlösbare Probleme lösen, uns auch nach Katastrophen wieder aufrappeln, zusammen halten und uns von Generation zu Generation immer wieder selbst übertreffen. Wir sind Humanisten und davon überzeugt, dass die Menschheit sowohl den Willen als auch die Fähigkeiten dazu hat, um Generation für Generation stetig bessere Umstände für sich und ihre Umwelt herzustellen und die Welt ein bisschen besser zu hinterlassen als man sie vorgefunden hat.

Felix Bölter, Bundesvorsitzender der Humanisten (2014 gegründet, 310+ Mitglieder)

 

Die Sozialistische Gleichheitspartei, Vierte Internationale (SGP)

Sorgen: Die Gefahr eines Dritten Weltkriegs war noch nie so groß wie heute. Daran hat Trump mit seinen Drohungen gegen Nordkorea keinen Zweifel gelassen. Und auch in Deutschland wachsen Nationalismus und Militarismus an. Alle Parteien bereiten sich darauf vor, nach den Wahlen massiv aufzurüsten. Die einzige Möglichkeit, eine Katastrophe zu verhindern, ist eine internationale Bewegung gegen den Kapitalismus.

Hoffnungen: Die Opposition gegen Militarismus und Staatsaufrüstung ist enorm. Zwei Drittel der deutschen Jugendlichen würden einer Umfrage zufolge nicht für Deutschland in den krieg ziehen. Eine ähnlich hohe Zahl lehnt den wachsenden Nationalismus ab. Es kommt alles darauf an, dieser Opposition eine sozialistische Perspektive zu geben. Die großen Banken und Konzerne müssen enteignet und unter die demokratische Kontrolle der Bevölkerung gestellt werden.

Christoph Vandreier, Stellvertretender Parteivorsitzender und Spitzenkandidat der SGP (1997 gegründet, 300+ Mitglieder)

 

Bündnis Grundeinkommen (BGE)

Sorgen: Die vierte industrielle Revolution durch Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz stellt unsere Lebens- und Arbeitswelt vor riesige Chancen, aber auch große Herausforderungen. Wir brauchen eine Vision für die Zukunft Deutschlands. Gleichzeitig beobachten wir bei den sogenannten etablierten Parteien eine ausgeprägte Mut- und Visionslosigkeit - unter anderem halten sie am überholten Postulat der Vollbeschäftigung fest. Wir dagegen fordern die bundesweite Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens - denn es ist genau die politische Vision, die unsere Lebens- und Arbeitswelt auf das 21. Jahrhundert vorbereiten könnte. Der individuelle Rechtsanspruch auf ein existenzsicherndes Einkommen, das ohne Bedarfsprüfung und ohne den Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen gezahlt wird, ist für uns als Gesellschaft zudem längst finanzierbar. Bündnis Grundeinkommen will das bedingungslose Grundeinkommen daher in den Bundestag tragen und dort endlich auf die politische Agenda setzen.

Hoffnungen: Optimistisch stimmt uns, dass die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens inzwischen richtig Fahrt aufnimmt. Bündnis Grundeinkommen wurde am 25. September 2016 gegründet - ein Jahr vor der Bundestagswahl 2017. Auf Anhieb ist es uns gelungen, als eine von nur zehn Parteien in allen 16 Bundesländern auf dem Wahlzettel zu stehen. Damit ist Grundeinkommen in Deutschland zum ersten Mal überhaupt bundesweit wählbar - in Ermangelung einer Volksabstimmung. Außerdem fordern immer mehr führende Köpfe die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens - von Philosophen über Historiker bis hin zu Ökonomen und Wirtschaftslenkern in Deutschland oder dem Silicon Valley. Sie stellen fest, dass es sich längst finanzieren ließe; und sie rechnen damit, dass es unsere Gesellschaft liberaler, produktiver und kreativer machen würde. Laut Umfragen befürwortet auch die klare Mehrheit der Deutschen inzwischen die Einführung eines BGE. All das stimmt uns optimistisch: Das Grundeinkommen ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Das ist gut für uns alle.

Mark Appoh, Sprecher der BGE (2016 gegründet, 250+ Mitglieder)

 

Die Urbane - Eine HipHop Partei

Sorgen: Es bereitet mir Sorgen, dass es in unserer Gesellschaft Tendenzen eines Auseinanderdriftens gibt und der gesellschaftliche Zusammenhalt in Frage steht. Ich sehe und höre viel Verzweiflung, Unzufriedenheit, Ängste, Ärger, Wut bis hin zu Hass. Die etablierten Parteien und deren Politikerinnen und Politiker erreichen die Menschen teilweise nicht mehr. Zugleich existiert weltweit ein großes Wohlstandsgefälle und Ungleichverteilung. Es werden zu viele Kriege geführt und die globale Umweltverschmutzung und -zerstörung schreiten immer weiter voran.

Hoffnungen: Es stimmt mich sehr optimistisch, dass sich so viele Menschen - insbesondere Jugendliche - Gedanken darüber machen, wie wir die Probleme der Welt gemeinsam lösen oder ändern können. Viele Menschen engagieren sich, sie wollen einen Beitrag leisten, dass sich die Politik ändert. Sie haben einen Traum von einer besseren, gerechteren, friedlicheren Gesellschaft, einer Welt ohne Gier, ohne Egoismus. Deshalb haben wir in Berlin "Die Urbane. Eine HipHop Partei" gegründet. Wir wünschen uns mehr Repräsentation, Teilhabe, Selbstentfaltung, kreativen Wettstreit und wollen damit ein Zusammenwachsen der Menschen in Deutschland und weltweit bewirken. Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass es keine Rolle spielt, woher jemand kommt, welche Nationalität jemand hat, welche Religion, welche Hautfarbe oder welche sexuelle Orientierung.

Frithjof Zerger, Vorstandsmitglied und Direktkandidat der Urbanen (2017 gegründet, 70+ Mitglieder)

 

 

Von folgenden Parteien erhielten wir keine Antwort oder eine Absage:

- Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

- Alternative für Deutschland (AfD)

- Nationaldemokratische Partei Deutschland (NPD)

- Die Rechte

- Deutsche Mitte (DM)

- Partei der Vernunft (PDV)

- V-Partei3 - Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer

- Ab jetzt … Demokratie durch Volksabstimmung

- Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo)

- Familien-Partei Deutschlands

- Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)

- Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die Partei)

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