Ökologie

Afrika auf dem Weg wohin?

01.06.2019 - Dr. Burkhard Luber

Kürzlich erschien ein neues Buch von Felwine Sarr, ein in Senegal lehrender Wirtschaftswissenschaftler, mit dem Titel "Afrotopia", in dem sich Sarr mit der Thematik "Afrikas Zukunft" beschäftigt. Diese Publikation ist für jede*n, die/der Interesse an Afrika hat, überaus anregend. Sehr kräftig und "eigenwillig" geschrieben und in dieser afrikanisch-selbstbewussten Diktion auch attraktiv zu lesen. Vermisst habe ich in dem Text allerdings zwei Themen: Ökologie in Afrika und Chinas Afrikapolitik.


Ab und zu wurde ich dabei an das Buch von Mbembe “Ausgang aus der langen Nacht” erinnert. Die Lektüre hat mein schon immer vorhandenes Interesse noch gesteigert, ob Afrika - darauf setzen ja Leute wie Sarr, Mbembe und andere (früher: Nyere, Senghor oder Nkrumah) - in der digitalisierten mondialen Welt (und das ist eine andere als was man wohlfeil "post-modern" nennt / Sarr scheint sich nur auf das engere Narrativ der sog. "Post-Moderne" zu beziehen) - wirklich einen afrikanisch-eigenständigen Weg gehen kann. Ich vermute eher, dass es dort auch - mit Zeitverzögerung - zu derselben, die Gesellschaft und Kultur (Wirtschaft sowieso) dominierenden global-systemischen Internet/IT-Herrschaft kommt. Was z.B. Kultur angeht, hat dies sehr anregend Andreas Reckwitz untersucht.

Ich selber - in den letzten Jahren punktuell immer wieder in afrikanischen Ländern - sehe, wie sich auch dort zunehmend das Verhalten der Menschen an das von hiesige angleicht: Hier bei uns - jeder Gang in die Innenstadt einer deutschen Metropole oder einer Kleinstadt beweist es deutlich - kommunizieren Mütter nicht mehr mit ihren Kindern in den buggies, achten Hundebesitzer nicht mehr auf ihre Hunde, Radfahrer nicht mehr aufs Radfahren, sondern mehr oder weniger konzentrieren sich alle nur noch auf ihre Smartphones. Und genauso prägt inzwischen auch in Cotonou, Monrovia, Kinshasa, Kikwit (ich nehme mal die Orte, die ich zwar nur kurz aber doch soweit hinreichend kennen gelernt habe, dass mir das Verhalten auf den dortigen Straßen genug Anschauungsunterricht geben konnte) der digitale Lebensstil den Alltag.

Die IT-Herrschaft - ob bei Kommunikation oder Geldtransfer, music streaming oder TV on the go (eine Fülle prägnanter Beispiele für diese afrikanische Digitalisierung kann hier nachgelesen werden) - ist omnipräsent und alles deutet darauf hin, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Ich bin also skeptisch, ob Afrika gegen diesen globalen Trend erfolgreich einen eigenen afrikanischen Sonderweg beschreiten kann und welchen. Am überzeugendsten in der Diskussion zur Zukunft Afrikas finde ich demgegenüber die Perspektiven von Richard Baldwin.


 

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