Gedicht

Akazie in Vaters Garten

19.08.2013 - Shaheryar Mirza

Vater weißt du noch als ich einst in deinen Garten trat? Völlig stumm durch den Samen des Schicksals und deiner Arbeit, die nicht selbstverständlich aber zu Dank verpflichtend war, wuchs ich hervor zum Patron, der als Gefreiter dein Gefilde bewachte. Es lag mir viel dran an eisigen Tagen durch Gedanken über die Kamine deiner wohlbehüteten Sprösslinge durch Gefühlswallungen eine Irrsinnshitze zu spüren. Jenseits der Gelächter, die mich umkreisend fesselten, wartete ich entspannt auf deine Ernährung.

In den ersten Tagen blockierte die Wahrnehmung mit meinen Wurzeln in deiner Erde zu sein, die Halt gaben. Konnte nichts sehen und hören, noch fühlen und geben. Als ich dann immer älter wurde und du mich mit Weintrauben ernährtest und tränktest mit der Kaskade deines Firmamentes, sah ich dich in mir wieder und meine Sehnsucht dich zu erhalten, gab Schutz vorm sauren Regen, der auf den Kelch prasselte. Und schau mich jetzt an, meine Wurzeln klagen: Dass ich an die gebunden wurd’, die am Tag der Entscheidung zu Tausend brennen werden.


Rauschend bogen die Äste sich schlängelnd links und rechts, kreuz und quer, ohne danach gefragt zu haben. Sie hatten weder ihren Werdegang geplant noch gedacht mich zum Krüppel gemacht zu haben.

Nun steh’ ich da und bei Andacht der letzten Augenblicke sehe ich, dass meine Mission nicht mehr ist, als durch Abfall eigener aller Blätter, bald als eine Brise deine Flockenblumen zu erhalten.

Doch Vater sag mir eins, wenn dein Garten mein Gewicht nicht mehr trägt und meine Wurzeln nicht mehr verträgt, wie leb ich dann, wo lieg ich dann?

 

 

Foto: © heyrod

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