Gedicht

Alle Tage wieder

01.05.2018 - Martin Renghart

Die Sendung ist aus.

die Sprecher abgeschminkt

hundert Zivilisten tot

tausende Flüchtlinge fast ertrunken.

Die Zeit wird knapp

die Überlebenden zu retten

und zu bergen die Toten,

zu umarmen die Traumatisierten.

Doch es ergeht kein Notruf, 

zu keiner Stunde.

Noch hallen die Schreie durch die Nacht

und es vergeht keine Stunde ohne ein Gebet

und fragen warum nur, wieso und weshalb.

Die Antworten aber verklingen noch vor der Morgenröte.

Dann wiederholt sich die ganze Geschichte:

Der Kameramann tritt in Aktion,

die Sprecher in Spannung:

vor was, warum und weshalb?

Keiner soll es wissen und 

keiner soll sie sehen, die Spannung.

Dann geht alles wieder weiter,

so wie bisher, wie gewohnt und zur selben Stunde:

Der Schlips wird zurechtgerückt,

die Melodie ertönt.

Alles klappt wie am Schnürchen.

Aber müssen wir weiter mitmachen?

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