Gedicht

Am Wegesrand

15.05.2018 - Viola Rosa Semper

Am Wegesrand saß eine Frau. Seit Tagen saß sie da. Zwischen links und rechts, zwischen bergab und bergauf, zwischen Wald und Weier.

Wie lange saß sie da? Das fragte ich mich. Wie lange bleibt sie da? Das fragten wir uns.

Am Wegsrand saß eine Frau, ihr Gesicht ganz grau,
ihre Haare ganz stumpf.

Am Wegesrand saß eine Frau. Einst wollte sie fort,
zog einfach drauflos,
ohne Plan und ohne Ziel, ohne zu wissen, wohin.

Warum blieb sie stehen? Das fragte ich mich. Was hielt sie auf?
Das fragten wir uns.

Am Wegsrand saß eine Frau, ihre Haut ganz hart,
ihre Augen ganz leer.

Am Wegesrand saß eine Frau, zwischen links und rechts, zwischen bergab und bergauf. Vor Zögern und Zwiespalt war sie zu Stein geworden.

So werde ich nie!
Das sagte ich mir.
Wir gehen unseren Weg! Das sagten wir uns.

Am Wegesrand saß eine Frau, dann waren es zwei,
denn Entscheiden ist schwer, und weiter ging es zweierlei. 

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