Digitalisierung

Apple – Die Vision von einer perfekten Technikwelt

01.04.2014 - Sumbal Jawid

Es gibt nur wenige Unternehmen, die für so ambivalente Gemüter bei den Menschen sorgen, wie Apple. Während die Anhänger Apple und seine Produkte anhimmeln, gibt es Kritiker, die Apple und seiner Marketingstrategie falsche Inszenierung und Manipulation vorwerfen. Doch gleichgültig, wie wir darüber denken: Apple hat das geschafft, was andere Unternehmen bisher nicht geschafft haben. Bahnbrechende Innovationen sowie Rekordumsätze und dies in kürzester Zeit. Dazu kommt, dass Apple seit 2013 die wertvollste Marke der Welt ist und es somit sogar geschafft hat, die Kultmarke Coca Cola, die seit 13 Jahren auf Platz eins der wertvollsten Marken der Welt steht, zu verdrängen.

Apple ist nicht einfach nur eines der umsatzstärksten Unternehmen weltweit, Apple ist viel mehr als das, nämlich eine Vision. Die Vision von einer perfekten Technikwelt. Diese Vision und seine Begeisterung erfolgreich mit einer großen Anhängerschaft zu teilen, das verdankt Apple vor allem Steve Jobs. Ein Visionär, der nie abgehoben sondern bodenständig erscheint und seine Vision gleichermaßen authentisch in fast all seinen öffentlichen Auftritten repräsentiert hat. Die Geschichte der Anfänge Apples kennen wir mittlerweile auch. Es begann in Kalifornien. Steve Jobs und sein Kumpel Steve Wozniak begannen in einer Garage die ersten Computer zu entwickeln. Die Garage obliegt inzwischen sogar dem Denkmalschutz. Vielleicht hat Apple genau durch diese kleinen, bescheidenen Geschichten und vor allem durch Steve Jobs, von Anfang an eine besondere Sympathie und dadurch auch so viel Aufmerksamkeit erlangen können. Sei es seine inspirierende Rede an der Harvard University, seine mitreißende Biographie, seine Krebs-Erkrankung oder auch sein frühzeitiger Tod. Durch diese persönlichen und irgendwie auch inspirierenden Informationen über die Beteiligten an diesem Unternehmen und die Emotionalität, die diese mit sich bringt, fühlt man sich doch schon etwas mehr mit Apple verbunden. Denn was wissen wir schon über Unternehmen wie SAMSUNG, SONY & Co? Weder kennen wir, ohne bei Wikipedia nachschlagen zu müssen, den Gründer, die Vision, noch dergleichen. Wir wissen recht wenig, denn wir kennen eigentlich nur das reine Produkt. Und vielleicht ist Apple ein erfolgreiches Beispiel dafür, dass wir zu Zeiten der zunehmenden Digitalisierung etwas mehr vom Unternehmen erfahren möchten. Etwas mehr Transparenz von dem Unternehmen, dessen geliebte Technik-Produkte wir erwerben. Unsere Bedürsfnisse haben sich verändert. Wir verbringen mit der Technik und den Geräten mehr Zeit als je zuvor. Die Gerätschaften bekommen sehr viel Aufmerksamkeit von uns. Doch kaufen wir nicht nur einfach ein Gerät, irgendwie kommt das Lebensgefühl, das wir damit verbinden gratis, bei Apple jedoch mit kostenintensivem Aufschlag, dazu.

Was Apple richtig macht

 

Was wir aus der Vergangenheit lernen ist, dass Apples Erfolg sich vor allem auch darin begründet, dass die Konkurrenz nicht mitzieht. Dadurch hat sich Apple eine mächtige Position im Technik-Himmel aufbauen können. Während andere Unternehmen auf schnellen Erfolg aus sind, setzt Apple zunehmend auf Qualität und wenig Auswahl. Denn es gibt immer nur ein aktuelles iPhone oder iPad. Auch wirbt Apple nicht mit unzähligen Funktionen eines Gerätes, sondern erwähnt immer nur genau eine Neuheit. Psychologisch gesehen ist dies sehr durchdacht, denn wir wissen, dass das menschliche Gehirn sich eine Information besser merken kann als mehrere Informationen gleichzeitig. Außerdem setzt Apple vor Allem auf die Benutzerfreundlichkeit seiner Geräte, denn diese sind nahezu selbsterklärend und auch für User mit wenig Technik-Affinität leicht handzuhaben.  


Apples Marketing-Trickkiste


Meterlange Schlangen vor den Apple Stores vor dem Release eines Apple-Produktes, so wie wir es damals bei dem Iphone 5 beobachten konnten. Einige Monate vor dem Release fand eine öffentlich ausgetragene Spekulation über das Iphone 5 statt. Wie groß das Display wohl sein wird, was für neue Features das Prachtstück wohl haben wird. Hierbei geht Apple sehr raffiniert vor. Die Marketingabteilung weiß wohl genau, wie gerne wir Menschen spekulieren und wie neugierig wir sind und nutzt dies auch dementsprechend aus. Die bescheidenen Ankündigungen und Informationen über das Iphone 5 machen sowohl die Anhängerschaft, als auch die Kritiker neugierig. Punkt an Apple, denn genau dies soll mit Apples Geheimhaltungspolitik erreicht werden. Aufmerksamkeit erregen. Am besten schon einige Monate zuvor. Und dies wären so ungefähr die Zutaten um einen Hype entstehen zu lassen. Medienrummel und eine geballte Ladung von Aufmerksamkeit, die man Apple einfach so unbewusst schenkt. Limitierte Editionen sollen das Gefühl erwecken, als kaufe man etwas Exklusives, etwas, das nicht jeder hat. Um auch ja eines der Apple-Geräte abzubekommen, wird vor den Stores der Schlafsack ausgerollt. Nebenbei lernt man noch andere Apple-Fetischisten kennen und baut sich seine Apple-Community auf. Die Apple Anhänger leben in einer etwas von dem Rest entfernten Technik-Welt. Grenzen werden von Apple gesetzt, wonach nur von bestimmten App-Stores Anwendungen heruntergeladen werden können. Das führt dazu, dass Apple User sich nur in einem vorbestimmten Rahmen bewegen, da die Konfiguration mit den Geräten der Konkurrenz ausgeschlossen ist. Einmal Apple immer Apple. Eine Methode, damit der Apple User bloß nicht fremdgeht und die Konkurrenz ranlässt. Hierbei zieht Apple klare Grenzen.

 

Innovationen bleiben aus

 

Die Marketingstrategien können jedoch noch so gut sein, aber wenn es nichts wirklich Neuartiges mehr zu verkünden gibt, lediglich Weiterentwicklungen des vorherigen Gerätes, dann ist es wohl nur eine Frage der Zeit bis alle sich einig sind, dass Apple inzwischen nicht mehr in der Oberliga spielt. Während Apple zu seinen Anfangszeiten noch mit Pionierarbeit glänzte, indem Geräteklassen wie Smartphones und Tablets neu erfunden wurden, bleiben neue Innovationen, die Apple von anderen Technik-Unternehmen hervorhebt, aus. Damals hat die Konkurrenz für ihre Geräte mit Ansagen wie “Iphone-Killer“ geworben. Das Iphone gab damals das Maß der Dinge, was Smartphones betrifft, an. Heute, nachdem Tim Cook die Führung übernommen hat, wird schrittweise eher nur auf Weiterentwicklung gesetzt. Hervorragende Innovationen, so wie wir sie von Apple kennen und auch immer wieder erwarten, lassen eher auf sich warten. Inzwischen haben Samsung & Co mächtig aufgeholt, ja, man könnte sagen längst sogar überholt. Da sind die hohen Preise von Apple auch schon etwas unverschämt. Zur Blütezeit Apples, als das Unternehmen noch technische Überraschungen mit im Gepäck hatte, waren die Preise noch vertretbar, zumal es keine wirkliche Konkurrenz gab. Doch inzwischen hat die Konkurrenz aufgeholt und da kommen einem die Preise doch sehr dreist vor. Doch setzt bei vielen Käufern auch der Snob-Effekt ein. Psychologisch und marketingtechnisch gesehen ein Effekt, der nach Exklusivität strebt. Gesellschaftlicher Exklusivität. Es wird etwas gekauft, das nicht jeder hat, limitierte Editionen oder etwas ganz neues, der Preis ist vorerst zweitrangig. Hauptsache man wird von Anderen besser wahrgenommen und man fühlt sich dadurch etwas abgehobener, man läuft gegen den Mainstream.

Apple emotionalisiert


Eine Erklärung für den Apple-Fetischismus will der Berliner Neurowissenschaftler Jürgen Gallinat gefunden haben. Für den ARD-Markencheck führte dieser verschiedene Untersuchungen an Probanden durch. Das Ergebnis der Untersuchungen mit dem Magnetresonanztomographen zeigte, dass Apple-Produkte bei den Menschen Hirnareale ansprechen, die normalerweise bei dem Anblick von Menschen aktiviert werden. Bei dem Anblick von Samsung-Produkten gibt es allerdings keine Auffälligkeiten. „Samsung-Produkte könnten eher mit dem Kopf zu tun haben, Apple-Produkte eher mit dem Bauchgefühl“, das ist das Resümee des Neurowissenschaftlers. Apple nutzt bei seinem Marketing mehr die emotionale Ebene, anstatt der kognitiven Ebene. Die emotionale Ebene ist nicht wirklich messbar, vorhersehbar und mit Risiken verbunden, doch scheint es bei Apple sehr gut zu funktionieren. Wenn man diesem Test Glauben schenkt, dann hat Apple es wohl geschafft mit seinen Produkten Emotionen bei seinen Usern hervorzurufen und somit seine Produkte zu vermenschlichen. Prominente und große Persönlichkeiten werden von uns Menschen oftmals verehrt, doch dass eine Marke, ein Unternehmen, es geschafft hat, ist irgendwie erschreckend, aber wiederum auch faszinierend, denn Emotionen sind normalerweise nicht digital. Man könnte auch sagen die Menschen kaufen keine Geräte, sondern ein Lebensgefühl, das Apple ihnen inszeniert hat und mit jedem Produkt dazu verkauft. Wahrscheinlich ist dieses Lebensgefühl die beste Erfindung Apples.

Apple wird außerdem vorgeworfen seine Produktion unter unmenschlichen Verhältnissen zu betreiben. Doch beziehen andere Hersteller wie Samsung und HTC ihre Produkte ebenfalls von dem taiwanesischen Hersteller Foxconn. Apple soll jedoch, was den Lohn angeht, sehr bescheiden sein. Kritik an Apple gibt es zahlreiche, jedoch scheint Apple trotzdem irgendetwas geschafft zu haben, das andere Unternehmen bisher nicht gelungen ist. Aber eine perfekte Welt der Technik? Wohl eher eine geniale Idee aber eine etwas schlappe Umsetzung. In der Wirtschaftsgeschichte hat Apple aber schon jetzt auf jeden Fall seinen Platz.

 

 

 

 

 

Foto: © Nathan Makan

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