Gedicht

Ballast im Kopf

01.09.2015 - Anna Alvi

Und da meldet er sich wieder pünktlicher als die Pünktlichkeit selbst,

der verehrte Herr Wecker,

der mir so auf den Wecker geht, dass ich ihn am liebsten erwürgen würde,

so dass ich ungestört weiter schlafen kann

Ich hatte doch noch einen so wichtigen Auftrag zu erledigen,

die Welt zu retten und nicht aufgrund des Andersseins schräg angeschaut zu werden, sondern dafür umarmt zu werden

Im Traum

Doch Herr Wecker hat gerufen und die Realität mich eingeholt

Überholt,

denn es ist schon viel zu spät

Nicht zögern

und den Körper auf „aufrechten Gang“ umschalten

Aber es ist doch so schwer den schweren Kopf oben zu halten

Das Gleichgewicht zu halten

mit der Last, die darin schwebt, müsste man schon einen Nobelpreis erhalten

Draußen ist es so hell, einfach zu grell

Die Sonne hasst mich, denn heute strahlt sie mit 40 Grad auf mich ein,

als müsste ich im Schwitzkasten ausschwitzen,

dass ich viel zu langsam für dieses Leben bin

So ist das Leben eben,

denkt sich die Sonne und verzieht sich pünktlich wieder

Am liebsten würde ich mich einer OP unterziehen, in der ich Rollen in die Füße operiert bekomme,

um zu schweben, nach höherem zu streben, abzuheben            

Doch das kann ich mir niemals leisten

Ich müsste schon so etwas erfinden

Wie eine Pille der Toleranz,

die jedem verschrieben werden kann,

der Ausländer oder Andersdenkende nicht abhaben kann, ob Frau, ob Mann

Denn diese Menschen gibt es überall

und werden immer lauter

Wie ein Luftdruckhammer,

der das Land zum beben bringt

Doch  ich kauf' mir Ohropax, hab mir diese Freiheit genommen,

um dem zu entkommen

Lasse mit dem Ohropax im Ohr lieber Taten sprechen,

um diesen Hammer zu zerbrechen

Solch‘ tausend naive Gedanken,

habe ich wohl dem Ballast im Kopf zu verdanken

Tick, tack, tick, tack

Die Zeit ist knapp

Rennt viel zu schnell vorbei

Wie Usain Bolt

Ohne hold

Ich glaube,

ich gehe mal beten,

um all den Stress zu zertreten

Denn das ist das einzige,

um zu mir selbst zurück zu gelangen

Dieser Moment

So zeitlos, so unbefangen.

 

 

Foto: Alex

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