Gedicht

Blaues Gold

01.08.2019 - Ansgar Hufnagel

Vor mir liegt das leere Viertel,
Sand soweit das Auge reicht,
immer weiter wird der Gürtel,
der Boden trocknet aus und schweigt.

Von oben geißelt uns die Sonne,
sie brennt und brennt erbarmungslos,
die Hitze ist wie eine Wand,
kein Schattenplätzchen spendet Trost.

Das grüne Paradies verödet,
die Wüste steht schon vor der Tür,
unbeirrbar drängt sie weiter,
wir werden langsam eingeschnürt

Der Fluss ist schon seit Jahren tot,
die Wolken haben Hausverbot.
Felder wurden zu staubigen Ebenen
und wir zu hoffenden Betenden.

Mein Vater war hier einst ein Bauer,
sein Vater lebte auch schon hier,
Jahrhunderte haben überdauert,
jetzt ist hier alles Sandpapier.

Die Nomaden sind verschwunden,
Herden gibt es auch nicht mehr,
die Wasserstellen sind vertrocknet,
der Kampf hat uns ausgezehrt.

So ziehen wir dem Wasser entgegen,
oder vielleicht auch eher hinterher.
Der Aufbruch in das Ungewisse,
wohin wir gehen, bleibt ungeklärt.

Zap
Warmes Nass auf meinem Körper,
die Badewanne ist randvoll,
der Wasserhahn tropft schon seit Tagen,
was weiß ich schon vom blauen Gold?

Der Himmel ist bedeckt, es regnet,
da ich geh ich sicherlich nicht raus,
was soll das heißen: „So ein Segen“,
ich bleib lieber gleich zu Haus.

Mein Regenschirm soll mich beschützen,
klamme Kleidung mag ich nicht,
ich mach einen Bogen um die Pfützen,
wie oft ich dusch', das sag ich nicht.

Mein Trinkwasser kommt aus Italien,
abgefüllt in Vollmondnacht,
das Glas der Flaschen ist recycelt,
da wird eben mitgedacht.

Die Tomaten sind aus Spanien,
schön in Plastik eingepackt.
Aber Bio, ist doch logisch
der Konsument hat schließlich Macht.

Zum Urlaub auf die Malediven,
im Winter ist es dort schön warm.
Und ja ich weiß, man soll nicht fliegen,
doch dieses Land hat einfach Charme.

Zap
Wasser ist ein teures Gut und ein riesiges Geschäft,
die Hand schön auf die Quellen halten, so bekommt man auch das Recht
Blaues Gold zu Geld zu machen, abzupumpen, abzupacken,
mit Etikett in Plastikflaschen und dann weiter zu verfrachten
bis das Grundwasser versiegt, bis die Bevölkerung dann flieht,
weil sie selbst kein Wasser hat.
Die Gewinner sind nicht viele, Konzerne wollen das Monopol,
die Absichten sind nur die besten, wer hinterfragt, ist ein Idiot.

Zap
Ein schönes Haus direkt am Golfplatz, mit Pool, der Sonne zugekehrt,
Liegewiese inklusive, hier ist das Leben lebenswert.
Der Blick aufs Meer ein Panorama, rundherum die Berge grün,
dahinter liegt die kahle Wüste, wo höchstens noch Kakteen blühen.
Der Rasensprenkler dreht sich stetig damit auch alles so schön wächst,
die angelegten Seen sind fertig, jetzt ist das Paradies perfekt.
Direkt um die Ecke ein Luxushotel, hier wird investiert, hier fließt das Geld.
Hier wird an die Zukunft gedacht, hier zeigt sich die Wirtschaftskraft.

Zap
Am Brunnen Gedränge heftige Worte,
sie hätten Durst und die Tiere auch.

Ein Kopf bei den Leuten ragt aus der Menge,
er sagt, das Wasser sei aufgebraucht.

Ungläubige Blicke, verzweifelte Rufe,
fragend wird in den Himmel geschaut.

Wir müssen schnell weiter, sonst gehen wir zu grunde,
wir halten nur noch ein paar Tage aus.

Zap
Die Wüsten wachsen, der Boden verhärtet,
die Flüsse vergiftet, Gewässer gefährdet.

Der Export von Wasser betrifft ziemlich viele,
die Rosen aus Kenia, die Äpfel aus Chile sind nur ein Beispiel wie das hier läuft.

Wasser ist Macht und in wenigen Händen,
diese sind gierig und lenken geschickt das Schicksal der Menschen.
Um konkreter zu sein, das Schicksal der Armen.

Wenn die Menschen kein Geld mehr für Wasser haben, gehen sie an den Fluss und trinken.
Trinken Wasser das stinkt, in dem Müll schwimmt, wo die Kanalisation in den Fluss geleitet wird,
wo große Firmen ihre Chemikalien loswerden.

Zap
Der Klimawandel. Der Klimawandel ist an allem ...
Nein, die Holzfäller im Amazonas. Wenn die Bäume verschwinden, verschwindet das Wasser!
Die Landwirtschaft, immer wieder die Landwirtschaft mit ihren Mono...
Eindeutig die Konzerne. Die Konzerne mit ihrer riesigen Lobby machen sowieso was sie ...
Die Gier!

Das blaue Gold, das so schön glänzt, wird immer härter und weiter umkämpft.

Drei Prozent Süßwasser, davon ein Großteil verdreckt
kein Wunder, dass Wasser Begehrlichkeit weckt.

Zugang zu sauberem Wasser für jeden als selbstverständlicher Standard,
Wasser ist Leben und gehört als Menschenrecht in jedes Gesetz fest verankert.

 

Der Autor des Gedichtes sammelt derzeit zusammen mit seinem Slam Team und Kabarettduo "Einfach so" Spenden für ein Crowdfunding-Projekt zur Sensibilisierung der Wasserthematik im Kontext der heutigen Klimakatastrophe. Weitere Infos gibt es hier.

Autoren benötigen Worte.
Worte benötigen Zeit

Spenden & Unterstützen