Gedicht

Der Bösewicht (in uns)

01.10.2014 - Anna Alvi

„Immer diese Ausländer!“
Ja, wer denn sonst, frage ich mich,
frage ich Dich.
Ausländer.
Lassen wir das Wort einmal auf der Zunge zergehen,
lasst es uns doch mal genauer verstehen,
es schmeckt so anders,
so gar nicht deutsch,
irgendwie nicht von dieser Welt,
rauben all das Geld,
doch lasst uns Milliarden-Verträge in Arabien abschließen,
und hier die Ausländer abschießen,
Abschießen im Sinne von Dulden,
bloß nicht huldigen,
Yoga der neue Trend,
den sogar Hans-Joseph kennt,
Yoga, das die allgemeine Verzweifelung bekämpft,
alle Sorgen dämpft,
entstand wohl aus dem nichts,
niemals ein Werk des Bösewichts,
Özil schießt ein Tor mit seinem ausländischen Bein,
das muss ein Zufall sein,
doch mehrere Zufälle gibt es nicht,
kein Ausländer ist ein Bösewicht,
der Bösewicht ist das eigene Spiegelbild,
aber halb so wild,
erschieße es mit einer Brise Toleranz, weniger Ignoranz und Gutmütigkeit,
schon bist du befreit,
das Ö gibt es bei Özil,
genau so wie auf der deutschen Tastatur,
also sei nicht so sturr
und achte die Menschheit,
diese Sätze waren von großer Notwendigkeit.

 

 

 

 

 

Foto: © James Watson

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