Gedicht

Der Winter Blues

15.12.2018 - Schirin Rajabi

Der Winter Blues kommt pünktlich jedes Jahr
Wenn es draußen dunkelt und das Frieren beginnt
Und ich nur noch mit der Bahn und nicht mehr mit dem Fahrrad fahr
Wenn alles ruhiger wird und sich langsam besinnt

Die ersten Kerzen brennen und man horcht in sich hinein
Man trinkt kaum Bier, dafür aber vermehrt den Wein
Sentimental und hoch nostalgisch liegt man auf dem Sofa dann
Bis man den trüben, leeren Flaschenboden sehen kann.

Ein weiteres Jahr zieht bald vorbei
Die ganzen letzten Monate denkt man sich kaum etwas dabei
Doch all die guten Vorsätze sind Vorsätze geblieben
Für’s nächste aufgehoben, denn da reißt man sich am Riemen.

Jetzt wird alles anders werden, man hat doch so viel vor
Zu Silvester singt die Motivation nämlich fantastisch laut im Chor
Frohen Mutes und voller Tatendrang in das neue Jahr
Wenn wir fest dran glauben, wird doch noch alles wunderbar.

Wir werden zu disziplinierten Sportbegeisterten
Zu Nichtrauchern und gesund Fastenden
Statt Alkohol wird grüner Tee in Litern fließen
Und auch der Schrebergarten wird im Frühjahr wieder sprießen.

Und am Ende nächsten Jahres dann
Ist jeder von uns stolz, der seinem Nachbarn sagen kann
Dass er nicht mehr raucht, trinkt und dafür im Garten seinen Ausgleich findet
Falls der Nachbar nicht doch statt Bewunderung eher Mitleid empfindet.

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