Gedicht

Die Liebe

01.07.2019 - Olivia Haese

In dem Moment, in dem ich mich
von der Liebe abwandte, hörte meine
Seele auf zu atmen, mein Wachstum
erfror. Das Licht, dass meinen Weg
erleuchtete, ging aus.

In diesem Moment war mein
Verstand Opfer des
Trugschlusses geworden, dass etwas
anderes als Liebe uns erlösen könnte
und mein wahrer Herzschlag hörte
auf. Von da an war ich nur noch
eine Fassade, ein Hologramm, ein
wandelnder toter Körper.

Genau in dem Moment, in dem ich
glaubte, ich bräuchte irgendetwas
außer Liebe, waren all meine
Überlebensversuche bereits
umsonst.

In jenem Moment war nichts mehr
da außer das unerträgliche Leid einer
Seele, die von ihrem Zweck entfernt
wurde, wie ein Sonnenstrahl, der von
der Sonne getrennt wurde.

Ab dem Moment machte nichts mehr
Sinn, nichts war einen Groschen
wert. Das Nichts zerriss mich erst,
dann lachte es über mein Klagen und
meine Hilfeschreie. Mein Weinen war
für nichts.

Nichts existiere mehr außer die
Ruinen meiner elenden Seele,
fast ausgelöscht, fast komplett
verhungert, auf ihren Knien, bettelnd
und mich anflehend, die Liebe zurück
zu heißen.

Doch in dem Moment, in dem ich es
tat, kam alles zu mir zurück. In
dem Moment, in dem ich meine Hand
ausstreckte, nahm die Liebe sie ohne
Missgunst. In dem Moment war alles
wiederhergestellt.

Die Liebe erleuchtete den Weg, den
ich versucht hatte, in meiner Leiche
zu gehen. Die Liebe verwandelte
das Nichts zu Wesenheit, die
Liebe erklärte Bedeutung wo
Bedeutungsloskeit geherrscht hatte.
Die Liebe linderte auf liebevolle Weise
jeden Schmerz, den die Abwesenheit gebracht hatte.

Und die Liebe lehrte mich ein für alle
mal:
Der einzige Weg, die Liebe zu
erreichen,
ist durch die Liebe selbst.

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