Kurzgeschichte

Die Schildkröte

01.08.2016 - Bele Krüger

Es war einmal eine Schildkröte. Und diese Schildkröte fiel. Sie landete auf dem Rücken. Und es ärgerte sie. Die Schildkröte strampelte mit den kurzen, dicken Beinchen und streckte sie wild in die Luft, mal zur Rechten, mal zur Linken. Doch es half alles nichts.

Die Schildkröte kam nicht weiter und auch nicht wieder auf die Beine. Dabei wollte sie gerade irgendwo hin. Doch verhielt es sich nicht allzu häufig eben so? In einem Moment strackst man frohen Mutes und zügig-weiten Schrittes vor sich hin – und im nächsten Moment haut es einen einfach um – Leben eben.

Und die arme Schildkröte hatte es umgehauen. Doch durch den Panzer gepolstert war es eigentlich schon fast bequem, so mit der Zeit zumindest. Langsam wurde es dunkel und die Sterne zeichneten sich immer deutlicher vom schwarzen Himmel ab. Und wie sie so dalag, begann sie ihre Situation schon fast zu genießen: Voller Begierde blickte sie zu den Sternen hinauf – ach, wie waren die schön! Und voller Erhabenheit blickten die Sterne auf die arme Schildkröte hinab, die immer noch am Boden lag, rücklings auf dem Panzer, aber inzwischen begonnen hatte das Melancholisch-traurige an ihrer Situation zu genießen, das im glänzenden Funkeln der Sterne noch drastischer erschien.

Die Schildkröte erinnerte sich irgendwann. Sie erinnerte sich irgendwann wieder wo sie hinwollte – und vor allem das sie irgendwohin wollte. Denn eines stand fest: dieses Rückengelege und im Panzer versunken Auf-die-Sterne-Blicken konnte ja nicht das Wahre sein. Es war zwar irgendwie schön, dieses helle Licht der glänzenden Sterne, deren Strahlen zumindest mittelbar auch die Schildkröte sah, doch von denen sie nie unmittelbar berührt werden würde. So blieb der Schildkröte nur ein einziger Weg. Sie wusste, dass ihre Entscheidung von Bedeutung sein würde, doch letztendlich gab es nur zwei Möglichkeiten – Entweder sie würde schaffen, was sie zu erstreben gesuchte, oder sie würde scheitern – und nur eine um es Herauszufinden: Sie stand auf.

Autoren benötigen Worte.
Worte benötigen Zeit

Spenden & Unterstützen