Drogenkonsum

Erste Tote durch Bonzai-Kräutermischungen

01.08.2014 - Ali Yildirim

„Haschisch rauchen macht harmlos“. So lautet der Titel eines Songs des Liedermacher-Duos Joint Venture. Das mag vielleicht stimmen. Ob Haschisch rauchen jedoch harmlos ist, ist eine andere Frage.

Haschisch ist ein Cannabisprodukt. Der Besitz – jedoch nicht der Konsum – ist in Deutschland verboten. Kleinstmengen, die für den Eigenverbrauch bestimmt sind, werden von den Behörden geduldet. Wer wie ich an der Grenze zu den Niederlanden wohnt, besorgt sich seinen „Stoff“ bei den Nachbarn. Dort können Cannabisprodukte legal erworben werden.

Die heilende Wirkung von Cannabis

Die Cannabispflanze grundsätzlich zu verteufeln, ist laut Ärzten falsch. Die Pflanze besitzt durchaus eine hohe Bedeutung in der medizinischen Schmerztherapie. Sie ist krampflösend, schmerzlindernd und appetitanregend. Im Gegensatz zu Deutschland wird Cannabis in anderen Ländern zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Auch hierzulande fordern Ärzte eine Zulassung.

Es ist lediglich ein Bestandteil der so kontrovers diskutierten Pflanze, die eine berauschende Wirkung auslöst und somit den Konsumenten betäubt und „harmlos“ macht. Dennoch gelten Cannabisprodukte als Einstiegsdrogen, die bis zum Tode führen können.

Künstliche Cannabionide sind totbringend

Nicht jeder in Deutschland hat die Möglichkeit, kurz über die Grenze zu fahren, um sich mit seinem Stoff zu versorgen. Also greift man auf künstliche Cannabionide zurück, die als Legal Highs, Räucher- oder Kräutermischungen im Internet oder in sogenannten Headshops verkauft werden.

Der Erfinder solcher künstlicher Rauschmittel Professor John W. Huffman sagt über die Konsumenten dieser Ersatzdrogen:

„Wer künstliche Cannabinoide nimmt, ist "dumm" und spielt "Russisches Roulette"

Bonzai Citrus oder Bonzai Winter Boost ist ein solches künstliches Cannabionid, das als Räucher- oder Kräutermischung angeboten wird und auf den ersten Blick eher harmlos klingt. Vertreiber dieses legalen Highmachers wehren sich gegen eine Verteufelung des Produkts. Erfahrungsberichte sagen jedoch etwas anderes.

So beschreibt ein sonst nicht rauchender und selten Alkohol konsumierender Bonzai Winter Boost Nutzer, von seinem „Horrortrip“ nach dem erstmaligen Konsum von 0,1 g des angeblichen Beruhigungsmittels.

Er spricht von Schwindelanfällen und verzerrten Bildern und einem Albtraum, der laut eigenen Aussagen, auch im Wachzustand nicht enden wollte. Mit Mühe und Not konnte er noch den Notarzt verständigen. Ergebnis: Intensivstation mit künstlicher Sauerstoffbeatmung.

Wie wirkt Bonzai?


Bonzai-Raucher werden schon nach den ersten Zügen träge, gleichgültig und schläfrig. Neben den oben beschriebenen Nebenwirkungen treten oft auch Übelkeit, Erbrechen, Hitze- und Kälteschübe, Angstzustände, Herzrasen oder Panikattacken auf.


Die Abhängigkeit setzt bei Bonzai schnell ein. Der Raucher konsumiert immer mehr in immer kürzeren Abständen. Kommt er seinem Suchtdruck nicht nach, setzen Entzugserscheinungen ein. Der Magen kann kaum Nahrung bei sich behalten. Es wird jedes Mal erbrochen.


Neben der körperlichen Schwäche durch die Mangelernährung leidet auch die Psyche. Starke Depressionen, Stimmungsschwankungen bis hin zu Suizidgedanken sind die klassischen Entzugssymptome.

Erste Todesopfer in der Türkei

In diesem Monat gab es zwei Tote in der Türkei, bei denen die Obduktion eine erhöhte Konzentration von JWH-122 und JWH-210 ergab. Beides sind Bestandteile synthetischer Rauschmittel wie Bonzai.

Beim ersten Fall handelt es sich um einen 18-jähringen Jugendlichen aus Ankara, der mit seinem Freund Bonzai rauchte. Beide fielen nach dem Konsum in einen Schlaf. Einer der Jugendlichen wachte daraufhin nicht mehr auf.

Bei zweiten Toten innerhalb von zwei Wochen handelt es sich um einen 43-jährigen Mann aus Antalya, dessen lebloser Körper durch die Polizei aufgefunden wurde. Er trug Bonzai bei sich.

Fazit

Die obigen Beispiele zeigen, dass Haschisch, Marihuana und Co. nicht mehr zu den „harmlosen“ Drogen gezählt werden können. Bislang sorgten sie erst dann für Tote, wenn der Konsument auf harte Drogen wie Kokain oder Heroin umgestiegen war.

Ab jetzt braucht er das nicht mehr. Es genügt die Verwechslung mit synthetischen Kräutermischungen, um die Gesundheit ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Eltern und Schulen müssen sich daher neu mit dem Thema der „weichen“ Drogen auseinandersetzen und Kinder über die lebensbedrohlichen Gefahren informieren. Damit nicht irgendwann auch hierzulande erste Tote zu verzeichnen sind.   

 

 

 

 

Foto: © prensa420

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