Gedicht

Fremde Heimat

01.06.2019 - Nasira Aziz

Den Kopf immer am beugen,

Jahre damit verschwendet die Herkunft zu leugnen.

Bei dem Versuch dazu zu gehören die Muttersprache verlernt,

von der eigenen Kultur sich immer mehr entfernt.

 

Bergeweise Bücher verschlungen,

besondere sprachliche Eloquenz sich aufgezwungen.

Pünktlichkeit, Ordnung und Disziplin im Übermaß gelebt,

sich damit fast selbst zersägt.

 

Abwertende Blicke in der Bahn abbekommen,

beim Bäcker oft zum Schluss erst dran gekommen.

In dem Glauben man verstehe sie nicht, wird gelästert und geflüstert,

ja das tut gewiss weh, wenn man täglich wird so gemustert.

 

Lauthals die Nationalmannschaft unterstützt,

trotzdem hat das nichts genutzt.

Ewig hin und hergerissen,

das Gefühl von einer Heimat immer am vermissen.

 

Immer versucht das Beste zu geben,

dennoch nur der gute Ausländer, ein gelungenes Beispiel an Integration, eben.

Der Ausweis, die gelebten deutschen Tugenden nichts wert,

wenn die Frage noch immer lautet, „Ob man in die Heimat zurückkehrt?“

 

Können wir nicht von einander lernen?

Die Skepsis und Angst aus unseren Herzen entfernen?

Muss der Glaube, die Kultur und das Äußere weichen,

um hier die Zugehörigkeit zu erreichen?

Wo gehören wir hin?

Ist unsere Vielfalt nicht ein Gewinn?

 

 

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