Rezension

Frieden. Von der Antike bis heute.

01.08.2018 - Dr. Burkhard Luber

Si vis pacem para pacem

In diesem Jahr jährt sich zum hundertsten Mal das Ende des Ersten Weltkriegs. Dies haben fünf Museen in Münster, wo vor 370 Jahren mit dem Westfälischen Frieden der Dreißigjährige Krieg beendet wurde, zum Anlaß für eine fünfteilige Ausstellung “Frieden. Von der Antike bis heute” genommen. Diese Ausstellungen begleitet ein imposanter ebenso fünfteiliger Katalog, der in dieser Rezension besprochen wird.

Die Einzelthemen der Ausstellungen lauten:

   - Wege zum Frieden

   - Frieden - Wie im Himmel so auf Erden

   - Eirene / Pax - Frieden in der Antike

   - Ein Grund zum Feiern - Münster und der Westfälische Frieden

   - Picasso - Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube

Alle fünf Themenbereiche werden entsprechend in fünf Einzelkatalogen dargestellt. Das Layout dieser Kataloge ist meisterhaft gestaltet und mit vielen Aufsätzen und reichhaltigem Bildmaterial versehen. Der erste Band umfasst außerdem in seinem letzten Teil mit Interviews verschiedener Personen aus dem akademischen und nicht-akademischen Bereich, die zu verschiedenen Aspekten der Friedensthematik Stellung nehmen.

Der zweite Band beschäftigt sich mit der Wechselwirkung von Religion und Frieden. Hier erfolgt die Personalisierung auf päpstliches Verhalten in den Darstellung ziemlich stark aus katholisch-hierarchischem Blickwinkel heraus. Problematischerweise werden demgegenüber die sogenannten “Friedenskirchen” wie Quaker, Mennoniten oder Brethren gar nicht erwähnt, auch nicht Personen und Organisationen, aus der Friedensbewegung, die ihnen nahe stehen wie Niemöller, Gollwitzer, Heinemann und der Internationale Versöhnungsbund. Und dass der Herausgeber dieses zweiten Bandes, das Bistum Münster, nicht zumindestens in einem Kapitel auch auf die Friedensthematik im nicht-christlichen Religions-Bereich hinweist, ist bedauerlich. Für den Islam hätte z.B. die Präsentation der strikt pazifistisch argumentierenden und handelnden Ahmadiyya-Gemeinschaft (Motto: “Liebe für alle, Haß für keinen”) nahe gelegen.

Im dritten Band wird das Thema Frieden historisch auf die Antike bezogen, hier prominent das antike Griechenland und das Römische Reich. Dankenswerterweise wird diese eurozentrische Sichtweise wenigstens beim ersten der Aufsätze überwunden, der sich mit der Friedenssicherung in der frühen Staatenwelt Vorderasiens beschäftigt. Eindrucksvoll ist die Mannigfaltigkeit der Exponate und Unterthemen dieser Ausstellung, die u.a. Numismatik, Literatur und die Religion erfasst.

Der vierte Band hat den Titel “Ein Grund zum Feiern - Münster und der Westfälische Frieden”. Hier wird deutlich, wie kompliziert sich die Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück gestalteten, wie vielfältig die unterschiedlichen diplomatischen Interessen und wie aufwändig die internationale Kommunikation war. Höchst interessant und wahrscheinlich wenig bekannt werden in diesem Band auch die ganz unterschiedlichen, z.T. konfessionsspezifischen Einstellungen in Deutschland und in Münster zu den jeweiligen Jahrhundert-Feiern zu 1648 dargestellt, die in der Nazi-Zeit bis zur Etikettierung als “Zwangsfrieden" reichen.

Der fünfte Band beschäftigt sich mit Picasso, in dem er mit Texten und Illustrationen die Arbeiten des Künstlers mit dem Kriegs- und Friedensthema darstellt.

Die Bilder-Qualität und der Reichtum der begleitenden Texte dieser fünf Austellungskataloge ist höchst beeindruckend. Die KuratorInnen geben den vielfältigen Facetten der Friedensthematik breiten Raum und die vielen Aufsätze und Illustrationen regen den Leser zu instruktivem Nachdenken über die das Thema an.

Frieden. Von der Antike bis heute. Fünf Kataloge im Schuber zu den Ausstellungen in Münster. 98 Euro. Sandstein Verlag

Die Ausstellungen sind bis zum 2. September geöffnet.


 

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