Kurzgeschichte

Gedanken im Schnellrestaurant

01.10.2013 - Shaheryar Mirza

Ich sitz wieder im Schnellrestaurant. Warmes Essen gibt es hier ganz geschwind. Geschwind ist hierzulande eigentlich alles. Das Leben, die Leistung, der Erfolg, alles muss mit Karacho ablaufen. Der, der stehen bleibt und auch nur kurz nachdenkt, wohin der Weg eigentlich führt, lebt im Mittelalter, ist zurückgeblieben und hat verloren. Vielleicht ist das der Grund, wieso christliche Werte heute gesucht werden müssen. Sie wurden überholt.

Es tut mir auf der Seele weh zu betrachten, wie meine eigene  Mischpoke schillernd Aufmerksamkeit sucht, und in die Irre geht. In deren Augen steht gefühlsbetont geschrieben, dass sie Verlangen haben – nach Akzeptanz, Liebe und Vollkommenheit. Aber alles, was schnell kommt, muss doch schnell gehen? Alles was beginnt muss enden. Wie kann denn der Mensch, das Ewige im nicht ewigen finden?

 

Letztens lief im Fernsehen ein Interview von einer vielleicht vierzehnjährigen. Dieses Kind hat gerade ein Wickelkind bekommen. Ganz selbstbewusst rechtfertigte sie sich: „Ich habe meinen eigenen Kopf“. Keine Ahnung, wer ihr das erzählt hat.

 

Nun sitzen rechts neben mir zwei Verliebte, die nicht älter als dreizehn sind.Am liebsten könnte ich deren aneinander klebenden Köpfe, auseinander reißen und feste aneinanderprallen lassen. Doch was würde es schon nutzen? Sie würden es sowieso nicht verstehen: dass ihr Liebeskleber nur ein schlechtqualitativer Sekundenkleber ist. Was soll ich nur tun, was für ein Schicksal ist das, das man dem elenden Schicksal der Eigenen nicht bremsen kann?

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