Gedicht

Gegen die Wand

01.08.2015 - Schirin Rajabi

Gegen die Wand

„Dein Name, der klingt ja nicht sehr deutsch.“
Wie sicher er ist, dass er nicht täuscht
Der dringliche Blick, die dringliche Forderung
Los, antworten, ich will es wissen -
Der Durst nach Genugtuung.

Ich drücke die Play-Taste
Gefühlt, zum Zehntausendsten Mal
Doch wen interessiert’s, es ist egal
Verwunderung darüber, dass ich nicht faste.

Als Interesse getarnte
Einschnitte in die Privatsphäre
Einblicke, die ich mit Widerwillen gewähre,
Es ist Unverständnis, was ich ernte.

„Wow, wie gut du sprichst.“
Wow, wie sehr der Satz mich sticht
Ein Kompliment
Das beißend den Rücken herunter rinnt

Ob er mich dann in Ruhe ließe
Wenn ich blond und blauäugig
statt brünett und schwarzäugig
und Lisa oder Maria Schmidt hieße?

Unersättlich die große Neugier
Unbelehrbar sein Verstand
Den ich selbst bald verlier
Denn ich glaub‘ ich red mit ner Wand

„Aber du bist doch Muslim.“
Wie sicher er weiß, was ich denn bin
Erklärungsversuche hin und her, her und hin
Wiederhole es noch einmal und weiß doch, es macht keinen Sinn



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