Gedicht

Gegen Vorurteile

01.07.2016 - Susanne Köse

Ich erwache in den frühesten Morgenstunden.
Lauter Hall erschreckt mich, er macht wieder seine Runden.
Ich spüre wie mein Herz bis zum Hals pulsiert
und das Blut in meinen Venen fest gefriert.

Schock erstarrt, der Atem bleibt stehen.
Langsame Schritte, höre ich draußen gehen.
Angsterfüllt und allein gelassen,
trau ich mich nicht nachzusehen, in den Gassen.

Nach den beschützenden Armen meiner Mutter sehnt sich mein Herz.
Welches Tränenflüsse fließen lässt, vor lauter Schmerz.
Doch es ereilte Sie zu früh ihr Schicksal.
Ich höre immer noch Ihre Schreie und spüre immer noch Ihre Qual.

Des Nachts, in meinen Träumen, begegne ich ihr oft.
Sie soll bleiben, niemehr aufzuwachen habe ich gehofft.
Wieso haben sie Sie mir weggenommen?
Ich werde Sie niemehr zurück bekommen.

Was hat sie ihnen getan? Sie hatte keine Wahl.
Aber Sie waren stärker und in der Überzahl.

Die Schritte werden lauter, mein Körper fängt an zu zittern.
Tosender Lärm breitet sich aus, wie Blitzschlag bei Gewittern.
Kugeln als Geschosse, treffen das Haus.
Ich bin hier gefangen, ich komme hier nicht raus.

Tränen sind das einzige, was meine Wangen seid Monaten berühren
und Hunger und Angst das einzige was meine müden Gebeine spüren.
Ich hoffe es jede Nacht, aber ich glaube es kaum,
dass ich am Morgen erwache und es war nur ein böser Traum.

Jetzt wieder, Ich höre Schreie und Weinen.
Von zerbrochenen Seelen und zerschlagenen Gebeinen.
Sie werden mich hier finden,
Ich kann nicht verschwinden.

Ich bin doch so hilflos und klein.
Der einzige überlebende meiner engen Familie, ganz allein.
Ich brauch Hilfe, ich habe alles verloren.
Ich frage mich, wieso wurde ich überhaupt geboren?

Hab ich doch längst mehr als ich je besaß verloren.
Schmutzig und hungrig, in zerrissener Kleidung, halb erfroren,
hocke ich ängstlich im Eck.
Um mich herum staubige Luft, von Bomben aufgewirbelter Dreck.

Wieso kann ich nicht in einem friedvolleren Land leben?
Ich würde dafür wirklich alles geben!
Aber ich habe es wohl nicht verdient, sonst würde mich hier jemand raus holen
und ich müsste nicht schlafen, zwischen dem militärischen Klängen der Pistolen.

Da sind sie wieder, diese unheimlichen Schritte.
"ich will nicht sterben. Lasst mich am Leben bitte!!!!"
Unter meinen Armen habe ich meinen Kopf ängstlich versteckt,
als sich mir plötzlich eine Hand entgegenstreckt.

"Komm mit, ich hole Dich hier raus, wir müssen verschwinden".
"Draußen herrscht Chaos, Sie werden uns sonst finden"!
Zögerlich nehme ich diese fremde Hand.
Es beginnt die Flucht, eine lange Reise in ein fremdes Land.

Ich lasse alles hinter mir,
meine Vergangenheit, meine Heimat, meine Kultur.
Wo geht es nur hin? Ich zerbreche, ich weine nur.
Ohne Kraft und ohne Besitz komme ich schlussendlich an.
An der Grenze stehen Hunderte und ein uniformierter Mann.

Bitte bitte helft mir, denn ich kann nicht mehr zurück.
Endlich Wasser, endlich Brot, endlich Frieden, endlich Glück?
Es haftet noch der Staub, wie Erinnerungen an meinen Haaren.
Kann ich hier jetzt endlich in Frieden leben oder wird mir hier auch schlimmes widerfahren?

Ich will euch nichts nehmen aber ich kann leider auch nichts geben.
Alles was ich besitze ist meine Kleidung und mein Leben.
Ich wünschte mir zu sehr, endlich schlafen zu können ohne Angst zu sterben.
Meine kleine Seele liegt in tausend Scherben.

Ich werde geduldet, aber oft nicht akzeptiert.
Festgefahrene Klischeedenkweisen sind schuld, dass man es nicht kapiert.
Ihr könnt mich doch nicht für die Fehler erwachsener strafen.
Ich bin doch nur ein Kind und will doch nur in Frieden schlafen.

Jahre vergehen....
Kinder und Enkelkinder entstehen.
Doch egal wie lange Sie hier schon Leben oder sogar schon hier geboren sind,
fühlen Sie sich hier fremd und unangenehm, wie damals das kleine Kind.

Wir müssen lernen unsere Engstirnigkeit zu besiegen
und mehr Toleranz in unsere Köpfe kriegen!
Lasst uns die Welt zu einem friedvolleren Ort machen.
Uns gegenseitig die Hände reichen und gemeinsam lachen.

Denn wir leben alle im selben Sonnensystem.
Es ist der selbe Erdball auf dem wir gehen.
Zu den gleichen Sternen blicken wir auf.
Doch nimmt jedes Leben seinen eigenen Lauf.

Wir haben alle ein Gehirn und auch ein Herz.
Wir fühlen alle körperlichen und seelischen Schmerz.
Wir haben alle das Bedürfnis nach Liebe
und keiner wünscht sich Hass oder Hiebe.

Egal welche Farbe deine Haut hat oder dein Haar,
jeder einzelne Mensch ist auf seine Art wunderbar.
Wer bestimmt eigentlich die angebliche Norm in die wir passen,
die Menschen dazu bringt, andere zu hassen?

Wir leben gemeinsam auf dem blauen Planet.
Der Erdkern hält uns hier fest, wie einen riesen Magnet.
Wir sollte statt einander gegenseitig zu verachten,
lieber nach Hilfsbereitschaft und Frieden trachten.

Wir sind alle Menschen und keiner ist mehr oder weniger wert.
Gott formte uns im Mutterleib, das wurde mir gelehrt.
Keiner hat sich ausgesucht, wer seine Eltern sind,
doch kommt jeder gleich auf diese Welt, als nacktes, kleines Kind.


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