Gedicht

Hierfür lebe ich

01.07.2020 - Larissa Benedetti

Das Licht im Zimmer war gedimmt. Über die Kopfhörer eines Smartphones ertönte ein italienisches Liebeslied. Eine schlanke große Gestalt tanzte leichtfüßig durch den Raum. Sie betrachte die sich bewegende schemenhafte Figur im Spiegel. Die Nacht tauchte alles in liebevolle Dunkelheit und ließ sie selbst und das Leben in seiner ganzen Schönheit erstrahlen. Sie erfüllte die junge Frau mit Liebe und Leichtigkeit. Ein Moment unter Millionen. So unbedeutend wie schön. ‚Das ist es – hier und jetzt – ich und das Lied' dachte sie ‚Hierfür lebe ich – Deshalb liebe ich‘. In dieser Sekunde ließ sie all die Enttäuschungen, die Ängste und den Schmerz gehen – er war nicht länger von Bedeutung. Hier und jetzt – da war nur sie, dieses Lied und die Gewissheit der Schönheit des Lebens. Es waren Momente wie diese, die ihr Leben lebenswert machten. Es waren Verrücktheiten wie diese, die sie liebenswert machten. Denn was wäre der Sinn dieses Lebens, wenn nicht eben dieses und sich selbst zu lieben. Sie löschte das Licht und wurde eins mit der Nacht, eins mit dem Leben.

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