Kurzgeschichte

Mein Stift

15.10.2013 - Shaheryar Mirza

Ihn zu beherrschen ist eine Kunst. Er zerschneidet meinen Verstand. Er erhält meinen Verstand. Er dient zu meinem Schutz. Er dient nicht zu meinem Schutz.

Wenn der Wind in einsamen Abendstunden hastig in meine Richtung schmettert, beweg ich ihn um mein ganzes Wesen. Ich beweg ihn und beweg ihn; bis um mich es warm wird, bis um mich es ruhig wird, bis ich die Sonne wieder sehen kann, bis ich in dessen Schatten wieder ruhen darf.

 

Die Frage ist aber nicht wie ich dieses Schwert bewege, sondern wo die leere Blätter sind, die gegen mich antreten können? Ich beweg ihn, treff mich selber und jemand anderen. Fall zu Boden und sehe andere fallen.

 

Jeden Morgen, jeden Abend, jeden sonst so erdenklichen Moment, muss ich ihn kunstvoll hantieren. In jenem Moment wenn ich keine Kraft mehr habe ihn zu bewegen, muss der Moment sein, indem ich mich aus dieser Welt scheide.

 

 

 

 

Foto: © Luke_Hayfield_Photography

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