Gedicht

Aus;gegrenzt

01.06.2018 - Alia Hübsch-Chaudhry

Irgendwo in dieser Reihe
Sitzt ein Alltagsphilosoph
Und an jenen Menschen
Der sich sicher dünkt
Sicher wie in Mamas Schoß
Richte ich nun diese Zeilen:
Früher waren wir alle groß.

Vergiss all die Dinge-Erklärer
Vergiss deine bisherigen Lehrer
Denn auch du wirst Grenzen ziehen
Wovor die meisten Menschen fliehen.

Die Grenze ziehen
Zwischen Offenheit
und Verletzlichkeit
Zwischen Frechheit
Und Ehrlichkeit

Die Grenze ziehen
Zwischen Selbstachtung
und falschem Stolz
Zwischen Demut
und Erniedrigung

Die Grenzen ziehen
Zwischen Liebe
und Anhänglichkeit
Zwischen Unbeschwertheit
Und Bequemlichkeit
Zwischen Haarspalterei
Und Reflektiertheit

Die Grenze ziehen
Zwischen Einfall und Abfall
Zwischen Augen-zu-und Durch
und durch

Die Grenze ziehen
Zwischen Hör-auf-mir- Weh-zu-Tun
und mangelnder Selbstkritik“
Zwischen „auf ewig verdammt und
ein einsames Vorzeichen

Ein Zeichen,
Für etwas, was danach kommt
Etwas
Was das stets Unabgeschlossene
Einen kurzen, langen Moment lang
Einholt, abschließt, nach
Vorne bringt und aufsplittet

Der Blick zum Grenzpfahl
Der Bruch ist ausgegrenzt
Der Bruch ist unabgeschlossen
Wie Brot, das rissig ist
Durch die Luft, die eindringt
Deine Luft zum Atmen
Die aber nichts als Luft bleibt

Heiße Luft, die nicht ziert
Heiße Luft, im Schmerz gefriert

Wie Haut, die Falten hat
Haut, die um Wunden bat
Lauter Haut, die dich haut

Schmerzen sind unabgeschlossen

Schmerzen sind nicht das Ende
Schmerzen, sind Brot und Haut
Sind Abhängigkeiten
Ineinander verzweigt
Sind der Regenwurm und der Vogel,
Der den Regenwurm kaut
Der sein Nest mit ihm baut
Der von ihm lebt
Der sich durch ihn stärkt
Und ihn doch stets verwirft, verzehrt
Und niemals verehrt
Der Wälzer in der rechten Ecke
Der Baum in deinem Paradies
Der Körper einer sich
enthäuteten Schlange

Das Hinhalten deiner ander´n Wange
Alles, was nach Ende,
Was Nach Abschluss riecht
Ist nicht für immer
Ist die Suche nach Einheit,
Ist die Hoffnung, die flieht
Die Welt geht vor die Hunde?
Nein, die Hunde gehen vor die Welt

Das was immer größer bleibt
Das was immer größer ist
Darfst du nicht vergessen
Denn es ist das, was dich vereint
Es gibt keine Grenze des Glaubens
Und wenn du denkst du seist so weit,
Frag ich dich
Warum hasst du nur
Warum hast du nur diese eine Zeit
Für diesen Riesen
Menschen

Freiheit

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