Buddhismus

Ole Nydahl, der umstrittene Lama

15.05.2015 - Aleksandra Fedorska

Die Zugehörigkeit zum Buddhismus lässt sich weder durch einen Taufschein noch durch die Steuererklärung nachweisen. Buddhisten definieren sich vielmehr über ihre Geisteshaltung, so u.a. über ihre Bereitschaft stetig an ihrer Persönlichkeit zu arbeiten. Bei der praktischen Ausübung buddhistischer Riten stützen sie sich auf eine Vielzahl von Meditationszentren.

Der Dachverband der Buddhisten in Deutschland schätzt, dass etwa 80.000 bis 100.000 Deutsche regelmäßig buddhistische Einrichtungen besuchen. Hinzu kommen etwa 250.000 Buddhisten mit asiatischen Wurzeln, die ihren Glauben selbständig praktizieren. Die größte Gemeinschaft innerhalb des Dachverbandes ist der „Diamantweg e.V.". Er erreicht mit seinen über 130 Meditationszentren mehr als ein Drittel der organisierten Buddhisten. Der Verein wird seit Jahrzehnten von Ole Nydahl angeführt. Nydahl wurde am 19. März 1941 in Dänemark geboren. Er studierte in Kopenhagen, Tübingen und München Deutsch, Englisch und Philosophie. Auf Reisen durch Asien und den Nahen Osten begegnete er 1969 Rangjung Rigpe Dorje (1924-1981), den 16. Gyalwa. Nach einem Gefängnisaufenthalt wegen Drogenschmuggels nahmen Nydahl und seine Frau Hannah eine dreijährige Ausbildung bei Dorje und den Meistern der Karmapa-Kagyü-Linie auf. Entgegen althergebrachter Ausbildungsformen durchliefen die beiden weder längere Klosteraufenthalte noch ein 3-Jahres-Retreat. Trotzdem beauftragte sie der Gyalwa Karmapa die Lehren des Vajrayana, einer als „Diamantweg“ bekannten Strömung des Buddhismus, im Westen zu verbreiten. 1973 entstand das erste Meditationszentrum in Kopenhagen. Inzwischen gibt es weltweit 620 derartige Zentren.

„Lama Ole“ stößt zunehmend auf Kritik. Neben seinem privaten Lebenswandel und dem wirtschaftlichen Erfolg seiner zum Teil durch Spenden finanzierten Zentren, geht es dabei vor allem um seine Haltung zum Islam und zu Rasse-, Kultur- und Geschlechterfragen.

Nach dem Tod des 16. Karmapa entbrannte eine heftige Auseinandersetzung um dessen Nachfolge. Während die Bewegung um Ole Nydahl den 32-jährigen Thaye Dorje unterstützt, bevorzugt der Dalai Lama (und mit ihm viele Anhänger und Außenstehende) den 29-jährigen Orgyen Thrinle Dorje. In den vergangenen Jahren hat diese Auseinandersetzung das Gleichgewicht des westlichen Buddhismus negativ beeinflusst.

 

Foto © Dennis Jarvis

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