Reflexionen

Schwarmdummheit

01.01.2020 - Roland Kopp-Wichmann

Dass Menschen gemeinsam bessere Entscheidungen treffen als einer allein,

haben Studien schon mehrfach bewiesen.

Vor allem dadurch, dass man den Mittelwert aller Meinungen nimmt.

Doch diese „Schwarmintelligenz“ kann auch schnell umschlagen.

In „Schwarmdummheit“.

Denn sich an anderen Menschen zu orientieren, ist nicht automatisch gut.

Vor allem wenn man sich in einer Gruppe befindet, die offensichtliche Fehler macht.

Sich auf einem Irrweg befindet.

Zum Beispiel in einer Sekte.

Oder damals im Reichspalast.

Also in jedem diktatorischen System.

Um die Weisheit der Vielen nutzen zu können, ist es wichtig,

dass der Einzelne bei seiner Entscheidung nicht weiß, wie die anderen entscheiden.

Deswegen gibt es ja Wahlkabinen.

Schwarmdummheit ist vor allem wichtig bei kreativen Prozessen.

Wenn Steve Jobs seine Ideen per Meeting hätte abstimmen lassen,

gäb’s wahrscheinlich keine iPhones, iPads usw.

„Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt, schnellere Pferde“,

wusste Henry Ford.

Ein einzelner Mensch

kann eine geniale Idee haben.

Doch trägt der diese vielen Menschen vor,

passiert oft etwas Eigenartiges.

Bedenken werden laut.

Nachteile und Gefahren werden thematisiert.

Die Frage nach dem „Sinn“ taucht auf.

Und alle arbeiten sich an der ursprünglichen Idee ab.

Weil zu viele Menschen beteiligt sind, die unterschiedliche Interessen haben.

Durch die individuelle Intelligenz vieler wird die ursprüngliche Idee verwässert.

Und es entsteht etwas Durchschnittliches.

Oder etwas noch Schlechteres.

Bei der Ameise läuft das anders.

Dort entsteht aus der individuellen Beschränktheit des einzelnen Individuums  eine kollektive Intelligenz.

Ameisen kennen weder Überbevölkerung noch verpesten sie die Umwelt.

Aber Menschen sind eben keine Ameisen.

Hier läuft es oft umgekehrt.

Aus der individuellen Intelligenz der Menschen resultiert kollektive Beschränktheit.

Nicht weil Menschen blöd sind,

sondern weil Menschen in einer Gruppe nicht gern auffallen,

sondern sich lieber anpassen.

Selbst wenn der größte Fehler als rettende Idee verkauft wird.

Weil man den Wandel nicht wahrhaben will.

Weil man auf alte Rezepte vertraut.

Weil man dem schnellen Geld alles opfert.

Oder dem Ego des Vorsitzenden.

Beobachten Sie das mal in Ihrem nächsten Meeting.

Was aus den kreativen Ideen wird.

Oder aus den dümmsten Vorschlägen.

PS: Sie sind kein Fisch und keine Ameise.

Schwimmen Sie also gelegentlich gegen den Strom.

 

 

 

 

Dieser Text ist im Persönlichkeitsblog unseres Autors erschienen. 

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