Rezension

Sophie Charlotte. Preußens erste Königin.

01.09.2018 - Dr. Burkhard Luber

“Dedicate all Altezza Serenissima Elletorale Sofia Charlotta, Elettorice di Bandenburgo”

(Widmung in der ersten der zwölf Violinsonaten von Arcangelo Corelli)

 

In den früheren Jahrhunderten wurden Königinnen meist weniger als Königinnen sondern als Frauen der Könige betrachtet. Dementsprechend fällt die Königinnen-Geschichtsschreibung oft mager aus. Diesem Trend setzt Barbara Beuys ihre Biographie von Sophie Charlotte von Hannover entgegen. Sophie Charlotte, Frau Friedrich I. von Preußen wurde 1701 von ihrem Ehemann zur ersten Königin von Preußen gekrönt. Das Bemerkenswerte an Sophie Charlotte war, dass sie sich nicht damit abfand - wie es in ihrer Epoche üblich war - nur Staffage im königlichen Hofstaat zu sein. Nicht nur sprach sie fließend Italienisch, Französisch und Englisch; in der ihr eigens gebauten Residenz Lietzenburg war beispielsweise auch der Philosoph Wilhelm Leibniz ein oft und gern gesehener Gast, mit dem sich die Königin diskutierte, was 1700 dann zur der Gründung einer preußen Akademie der Wissenschaften führte.

Barbara Beuys präsentiert in ihrer Biographie dankenswerterweise eine große Anzahl von Begebenheiten und Details aus dem Leben von Sophie Charlotte. Neben ihrem Interesse an Philosophie war die Königin auch der Musik zugetan. Sie spielte selber gut Cembalo und förderte begabte Sängerinnen und Musiker. Bemerkenswerterweise hat Arcangelo Corelli, Europas bester Geiger und anerkannter Komponist, die erste seiner zwölf Violinsonaten (Op. 5) “Altezza Serenissima Elletorale Sofia Charlotta, Elettorice Bandenburgo” gewidmet, sicherlich eine Würdigung ihres kulturellen Engagements.

Die Krönungen Friedrich I. und Sophie Charlottea wurden zeitgleich in einer Zeremonie in Berlin vollzogen und, da sie für die damalige Zeit ungewöhnliche Selbst-Inthronisierungen waren, im übrigen Europa argwöhnisch beobachtet. Mit dieser Feier wollte Friedrich I. aber bewusst ein Zeichen setzen: das ganze Zeremoniell wurde ganz persönlich von ihm selbst geplant und gestaltet. Pointiert überließ er dabei der protestantischen Kirche keinerlei exekutive Rolle: Friedrich I. setzte zuerst sich selber die Krone auf und krönte danach seine Frau. In dieser selbstbewussten Weise des neuen Königs wurde auch das preußische Volk von den neuen Verhältnissen an der Spitze des Landes informiert.

Leider versäumt Barbara Beuys in ihrer Biographie die Chance, in gleicher Intensität, wie sie die historischen Ereignisse in Sophie Charlottes Leben präsentiert, die Geschehnisse  auch perspektivisch-interpretatorisch eingehender zu würdigen. Die Kapitelüberschriften legen das zwar nahe, der Inhalt löst aber diese Versprechen nicht ein. Bis zum Schluß des Buches wartet der Leser auf mehr Geschichtsanalyse, sei es nun im Rahmen des beschriebenen damaligen Zeitalters selber, in der die Protagonistin des Buches lebte, sei es aber auch aus Sicht der heutigen Zeit. So tritt uns in der Publikation zwar eine höchst profilierte Regentin entgegen, die sicher weit über das Normalmaß damaliger Königinnen hinausragte, es bleibt aber eine einzelne biographische Fallstudie aus dem 18. Jahrhundert, wo es angezeigt gewesen wäre, mehr vertiefende soziologische und historische Analyse durchzuführen. Da Barbara Beuys in den historischen Details sehr bewandert ist und unterhaltsam schreibt, kann man das Buch allerdings auch mit diesem analytischen Defizit gut lesen.

Barbara Beuys: Sophie Charlotte. Preußens erste Königin. Insel Verlag. 2018. 398 Seiten. 24 Euro.


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