Gedicht

Spieglein, Spieglein an der Wand...

15.01.2015 - Anna Alvi

Wo liegt das Problem, fragt sich die Welt
und sucht überall nach der Wurzel,
doch sie lässt sich einfach nicht finden,
wo stecken sie nur, die großen Übeltäter,
die diese Welt gen Untergang treiben,
sucht in den Hinterhof-Moscheen,
da, wo man sich gut verstecken kann,
sucht in den Himalaya-Gebirgen,
da, wo man sich noch viel besser verstecken kann,
sucht unter den Hauben der Scheikhs und den Kopftüchern,
da, wo alles gut vertuscht werden kann,
irgendetwas muss sich dort doch finden lassen,
wenn nicht, suchen wir nach einem Indiz,
das lässt sich doch immer irgendwie finden,
auch wenn aus unserer bloßen Fantasie entstanden,
so wie die Ängste der Pegida,
die ihre kognitive Dissonanz mit der Angst vor der „Islamisierung“ legitimieren,
und große Märsche inszenieren,
die bitte welches Ziel vor Augen haben?
Vor den Augen, die geblendet sind und vom Sandmann eine extra Dosis Intoleranz verpasst bekommen haben,
als hätten sie die Flüchtlinge in ihren eigenen Wohnzimmern unterzubringen,
doch, wo liegt das Problem, fragt sich auch hier die Welt,
und sucht überall nach der Wurzel,
doch sie lässt sich einfach nicht finden,
wieso sagt der Terrorismus-Experte uns nicht einfach, was Sache ist?
Und wie in aller Welt konnte das in Paris nur passieren?
Alle rücken zusammen, halten sich an der Hand und schreien dagegen auf,
doch, wer spricht sich gegen den zeitgleichen Terror in Nigeria mit 2000 Opfern aus?
Das ist dann doch nicht so schlimm, weil es dort ja anders ist,
anders als im Westen, nicht so aufgeklärt und Etepetete?
Autsch! tut das weh beim Schreiben,
ich denke, ich weiß, so wie viele andere, wo das Problem liegt,
stehen wir auf, und begeben uns einfach vor den Spiegel,
im wahrsten Sinne des Wortes!

 

 

 

 

 

Foto: © Adrian

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