Volkstrauertag

Trauer ist nicht genug

15.11.2013 - Dr. Burkhard Luber

Am 17. November ist es wieder so weit: "Volkstrauertag". Also wie alljährlich: Uniformierte Soldaten, Feuerwehrleute, Schützenvereine ziehen mit ihren Fahnen in die Kirchen und zu den Denkmälern des Weltkrieges. Es wird wie jedes Jahr davon die Rede sein, dass sich das nicht wiederholen dürfe. Über die deutsche Kriegsbeteiligung gegen Jugoslawien und in Afghanistan wird man nicht sprechen. Meist wird auch verschwiegen, warum 1914 die Soldaten in den Tod geschickt wurden und dass Deutschland 1939 der Angreifer war.

Warum reden wir aber nicht darüber, dass wir noch viel zu wenig aus den Kriegen der Vergangenheit gelernt haben? Warum ist der Volkstrauertag immer so rückwärts gewandt, ohne konkrete Forderungen für eine wirkliche Friedens-Politik in der Zukunft zu benennen? Wer wird am 17. November über die ständig steigenden deutschen Waffenexporte reden? Über das eklatante Mißverhältnis unserer Militärausgaben im Verhältnis zu dem, was wir für Friedenserziehung ausgeben? Über die Gewaltverherrlichung in den Medien? Über die boomende Produktion von Kriegsspielzeug? Wirkliche, nachhaltige Trauer sollte doch nach vorne blicken.

Leider gehört das Lied vom "Guten Kameraden" meistens zum Standard bei den Volkstrauertags-Feiern. Wer kennt aber den genauen Text? Speziell die dritte Strophe? Da heißt es: 

„Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben…“ 

Da bittet also ein Sterbender um Trost und der, den er darum bittet, versagt es ihm, weil er weiterschießen will. Auch wenn nur die Melodie dieses Liedes erklingt, der Text ist wirklich traurig genug.
 
Vielleicht lernen wir ja noch, diesem Tag über die Vergangenheit hinaus eine wirkliche Friedensperspektive für die Zukunft zu geben. Warum verlesen wir nicht bei diesen Feiern am Sonntag statt des Kameraden-Liedes besser Artikel 26 unserer Verfassung:


 „Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen“.
 
Wie steht so schön auf den Kriegsdenkmälern: „Den Lebenden zur Mahnung“.

 

 

 

Foto: © Uwe Zucchi / volksbund.de

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