Kurzgeschichte

Unsere Ewigkeit

15.12.2015 - Meltem Bayir

Eine Flucht in die Ewigkeit. Gefangen in tausend sich spiegelnden Kristallen dieser Welt die zu schimmern scheinen, doch ihren wahren Glanz in den Gesichtern der sich in ihnen Spiegelnden verlieren. Immer weiter und weiter nach Wahrheit drängen, wo doch das Eigentliche so klar ist wie ihre Oberfläche selber.

Glänzen das wollen sie, jeder von ihnen mehr als der Andere. In der sorglosen Schattendämmerung, in tiefer Grenzlosigkeit des weiten Entkommens gewickelt, fühlen sich die Aussichtslosen der vergangenen Nächte geborgen. Geborgenheit – eine Fülle der Hindernisse die nicht zu schweigen versuchen und wieder und wieder einen lauten Schrei von sich geben. Denken nicht erhört zu werden, wie der weite Ozean voller Schönheit, der sich auch selbst zu retten versucht mit allem was er beinhaltet. Ein Leben, das vereint ist mit weiteren Leben, die zum Leben seines Eigenen beitragen. Gegeben ist das Sorglose den einen, wo wiederum die anderen klagen und überschüttet werden mit ihrer ewigen Suche nach dem eigentlichen Sinn, nach der ewigen Zufriedenheit, die sich irgendwo versteckt hält, noch in dieser Welt. Wachsam und voller Schrecken dem Scheitern der fühlenden Kräfte gegenüberstehen, wissen, dass der klägliche Klang tief verankert ist in ihren Köpfen, verdrängen versuchen, was so klar ist wie der Glanz dessen, was sie selber sein möchten. Mehr und mehr, besser und besser, alles was sich vor ihnen befindet verblasst ins Verächtliche und in Geringschätzung. Das Weite ist das, was in ihnen steckt. So fliehen sie. Und verlieren sich irgendwo bei ihrer eigenen Suche.

 

Eine Flucht in die Ewigkeit. Ein Spiel von sich verlieren und sich wieder finden, ohne zu merken, dass diese Ewigkeit nicht irgendwo da draußen versteckt liegt und darauf wartet von einem entdeckt zu werden. Für uns ist die Ewigkeit die, die wir in uns finden. In denen finden, die uns teilhaben lassen an ihr. In denen, die uns unsere wertschätzen lassen aber auch mit uns ihre teilen. Wir suchen nicht die Ewigkeit. Wir fliehen nicht. Wir wollen nicht. Wir sind ewig.

Wir leben. Wir lieben.

Wer wir sind?

 

Fernab von der Realität. In unserer eigenen Ewigkeit. Da irgendwo in der Stille des Lebens, da sind wir. Wir sind die Träumer. Die, die fliegen können. Wir sind die, die an wahre Liebe und Wunder glauben. Die, die Märchen leben können. Die in Worten die Zuflucht suchen. Bereit sind, das Unmögliche zu wagen, solange es für die Fantasie möglich ist. Wir sind die stillen Beobachter. Die, die zu jedem Gesicht, zu jeder neuen Situation, Geschichten erfinden. Wir sind die Unauffälligen. Die, die immer da sind, aber nicht gesehen werden. Wir sind die, die den Sonnenschein in der Nacht sehen können. Wir sind die, die dem stillen Krieg wachsam lauschen. Wir sind die, die sich in ihren Gedanken verlieren. Wir sind die Begleiter. Die, die nicht nur für sich selber, sondern für - und miteinander leben. Wir sind die, die sich von dem Entdeckten faszinieren lassen und das Unentdeckte suchen. Die, die all die schönen Dinge der Welt erleben wollen. Wir sind die, die den Frieden umarmen wollen. Wir sind die, die an Menschlichkeit glauben. Die, die an Ewigkeit glauben.

 

Wir sind weder anders noch normal. Wir sind eben wie wir sind. Was wir sind.

Wer wir sind!

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