Gedicht

Utopienbegrenzung

01.06.2020 - Luca Nigro Carboni

Für die Schlangenansteher, die Alles-Interessant-Finder, die sichere Mitte, die Gemäßigten, die Guten, die Nichteinmischer, die Seufzenden, die Zungenschnalzenden, die Rotweinkenner, die Weißweinkenner, die Whiskeyrookies und Porzellankäufer, Kulturexperten mit Reklamleseerfahrung, Auswendigkenner der Todesanzeigen und Geburtstagsduftkerzenkäufer. Neugrüne und Politiktüftler. Die stets Grundsoliden. Die Meinungsträger.

Raus aus einer Sprache aus Beton
begann das Aushalten gegen ergraute Zungen
und dem Etabliertsein zum Trotz
reihen sich die lauernden Antworten aus blauer Tinte.

Das war der Moment der Geburt
als ich merkte - zum ersten mal -
als wäre das Über-Leben des ersten Lebens
die warme Erfüllung von dem
was vorher leer war.

Schaffen. Todestrieb.
Das Schaffen das Hindernis zum Todestrieb
das Überleben der ersten Zelle
kratzte etwas auf Papier und war blau.
Es wird wachsen, sobald es vergilbt
Zum ersten mal. Wieder.

Ein Stuhl wird zum Rauchen
an das Fenster gestellt
während ein Glas mit Cola ausgewaschen
damit es nicht verklebt -
fällt auf, dass die Stuhlbeine schief
der Kreis geschlossen scheint.

Der Kreis.

Was würden nun Sie sagen
wenn das violette Licht warm
auf die rotlackierte Tür im kalten
Hinterhaus, für mich
die strömenden Adern
ein Er sind?

Kreise schließen.
Ewiges nicht-schaffen der Philosophie.

Und wenn die nassen Lichter
nur eine Projektion der Autobusscheibe
wenn die Stationen mit orangenen Zeiten
eine Lüge von Verachtenden
wenn Ginsberg in „Wirklichkeit“
nur ein vulgärer Ausschöpfer
wenn das Gewicht der Dichter nur
ein Ballastgewicht sein sollte.

Ist jemand dort draußen?
Jemand, der diese tinterne Wasser ließt?
Jemand, der nach dem Abenteuer ächzt?
Jemand, der vor dem ersehnten Abenteuer
lieber schlafen geht?
Jemand, der das Atmen fortsetzt?

Hör nicht auf zu atmen. 

 

 

 

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