Reflexionen

Von der Aussetzung der Grundrechte

01.05.2020 - Dr. Verena Brunschweiger

Beim Eiskauf an der Theke einer Eisdiele entspann sich an Ostern ein interessanter Dialog mit dem Betreiber selbiger, der mir vorwarf, keinen Respekt vor SeniorInnen zu haben. Aha. Man ist also respektlos gegenüber älteren Menschen, wenn man Kritik übt an den teilweise schon faschistoid anmutenden Maßnahmen, die momentan unser Land fest im Griff halten.

Besonders amüsant hierbei ist die Tatsache, dass ich gerade aus Recherchegründen sechs Bücher las zum Thema Altersdiskriminierung…

Es steht völlig außer Frage, dass die Gesundheit aller Menschen ein hohes Gut ist, das geschützt werden muss. Über das wie lässt sich allerdings streiten, zumal es ja eben nicht um Pest oder Cholera geht. Weltweit führende Experten wie Professor Ioannidis haben zahlreiche Artikel veröffentlicht, die klar machen, dass der Lockdown und die Massenpanik bedeutend mehr Todesopfer fordern werden als das Virus an sich.

Ein typisch deutsches Phänomen ist traurigerweise das ganz gezielte, extrem aggressive Diffamieren progressiver, gegen den Mainstream gerichteter Meinungen und Erkenntnisse. Das traf Dr. Wodarg und Frau Bahner, mit denen man sich kaum ernsthaft auseinandersetzte. Man stülpt einfach das Etikett „Verschwörungstheoretiker“ über die betreffende mutige Einzelperson und schon muss man den jeweiligen Menschen nicht mehr ernst nehmen. Problem gelöst.

Völlig wumpe, dass auch mein Eisverkäufer schwerste wirtschaftliche Einbußen hinnehmen muss, weil er die große Terrasse nicht betreiben darf und sehr wenige Leute in den Straßen unterwegs sind. Völlig wumpe, dass diejenigen Alten, die nach eigenen Angaben lieber am Virus sterben würden, jetzt an Einsamkeit sterben. Völlig wumpe, dass die Suizidraten steigen, die Fälle häuslicher Gewalt ohnehin, denn – wir haben immer noch den Lichtblick eines Geburtenbooms in neun Monaten, ist das nicht wunderbar!

Dabei ähnelt die Sachlage frappant der vor einem Jahr: Ist doch egal, was für eine Welt man den Kindern da zumutet! Kollaps des Ökosystems, Millionen Klimatote, alles ganz egal, Hauptsache, wir bekommen mehr deutsche Kinder.

Dass diese Kinder jetzt zusätzlich zur desolaten ökologischen und politischen Lage auch noch in eine Welt geboren werden, in der sie jederzeit willkürlich monatelang eingesperrt werden, in der sie keine Freunde treffen, nicht Fußball spielen dürfen, in der es keinen Jugendclub im Theater gibt, keine Musikschule und keine Bücherei – das ist eine Katastrophe, die jeden denkenden Menschen von der Reproduktion abhalten müsste.

Und da reden wir noch nicht mal von wirklich gefährlichen Pandemien. Vor einem Jahr prophezeite ich durch Überbevölkerung, Fleischkonsum etc. verursachte Seuchen – ich wurde von vielen dafür ausgelacht. Vielleicht lachen ein paar dieser Spaßvögel jetzt schon nicht mehr ganz so laut, denn Corona ist erst der Anfang. Die komplett überlastete Erde (N.B. Bei unserem aktuellen Lebensstil bräuchten wir im Schnitt drei Welten, manche Länder sogar noch deutlich mehr) wird sich noch ganz andere Mittel einfallen lassen, um zurückzuschlagen gegen die Milliarden, die sie nicht nur ausbeuten, was das Zeug hält, sondern auch durch tägliches Hinzufügen weiterer 400 000 Menschen unerträglich stark belasten.

Um Sir David Attenborough zu zitieren: „Either we limit our population growth or the natural world will do it for us.“ Das ist natürlich in der durch den Lockdown bedingten Kondom-Knappheit nicht für alle so leicht, aber den Deutschen als hochgradigen Ressourcenvergeudern obliegt diese Aufgabe sowieso in besonderem Maß. Man erinnere sich – ein deutsches Kind verbraucht so viele Ressourcen wie eine ganze afrikanische Schulklasse…

Flatten the curve ist ein Slogan, der endlich unbedingt auch auf unsere Bevölkerungsentwicklung Anwendung finden muss, und zwar auch und gerade jetzt. Das muss auch der Eisdielenbesitzer zugeben, wenn er nicht möchte, dass er in ein paar Jahren gar niemanden mehr hat, dem er sein köstliches Gelato verkaufen kann.

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