Psychologie

Warum hochbegabte Frauen oft tiefstapeln

01.12.2019 - Roland Kopp-Wichmann

Die Fünfjährige saß verzweifelt vor den kläglichen Überresten des Deutschbuches. Mit ihm hatte sie in den letzten Monaten mühsam aber mit viel Eifer sich die neue, seltsam klingende Sprache etwas angeeignet. Gemeinsam mit ihren Eltern war sie im Alter von zwei Jahren aus dem rumänischen Siebenbürgen nach Deutschland übersiedelt, weil hier schon ein Onkel wohnte.

Ihr Vater hatte Deutschkurse besucht, um in seinem Beruf als Installateur schnell wieder Fuß zu fassen. Ihre Mutter hing noch sehr an der alten Heimat und weigerte sich, die neue Sprache zu lernen. Deshalb hatte sie auch gerade in einem Wutanfall die Einführung in die deutsche Sprache, mit der der Vater lernte, zerrissen. An diese Szene erinnerte sich die Klientin, Sorina Z., 37 Jahre, Sekretärin eines Professors für Kunstgeschichte, ledig, kinderlos, die in meine Therapie kam.

„Mein Professor schickt mich, weil er, wie er sagt, es nicht mehr mitansehen kann, wie ich mein Leben verplempere. Ich verstehe nicht so recht, was er meint, aber ich schätze ihn und will ihn nicht enttäuschen.“
„Haben Sie denn eine Ahnung, was er damit meint, dass sie Ihr Leben verplempern?“, erkundige ich mich.
„Er sagt, ich hätte studieren sollen und wäre bestimmt Dozentin an einer Uni geworden. Ich könnte glücklich verheiratet sein, wenn ich mich nicht dauernd sabotieren würde. Aber ich glaube, er überschätzt mich maßlos und will nur nett zu mir sein.“
An dieser Stelle hatte ich zum ersten Mal die Idee, dass die Klientin zur Gruppe der hochbegabten Frauen gehören könnte, brauchte aber noch mehr Informationen.

 
Hochbegabung kann sich auf zwei Arten zeigen

Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen hochbegabten Jungen und Mädchen.
1. Ist die Hochbegabung sichtbar, wird sie meist auch positiv wahrgenommen. Wer früh andere im Schach besiegt, wer beim Hundert-Meter-Lauf immer als Erster im Ziel ist, bekommt die äußere Anerkennung früh, weil sie unzweifelhaft ist.
2. Ist sie unsichtbarer, zeigt sie sich durch Verhaltensweisen, die bei anderen meist nicht gut ankommen. Das hochbegabte Mädchen stellt im Unterricht kritische Fragen. Oder lernt schon als Kleinkind lesen oder wie in diesem Fall eine Fremdsprache. Die Eltern fühlen sich dann vielleicht in ihren Werten und Routinen in Frage gestellt, und das Kind lernt, seine Begabung zu dosieren oder zu verstecken.

So erleben speziell hochbegabte Frauen früh, dass sie durch ihre Begabung nicht anerkannt, sondern ausgegrenzt werden. Mitschülerinnen quittieren ihre besseren Noten mit der Bemerkung „Die will wohl was Besseres sein!“ und verweigern ihnen die Zugehörigkeit zur Gruppe.

Um der drohenden Isolation zu entgehen, lernen hochbegabte Frauen, ihr besonderes Talent, ihre umfassende Neugier und rasche Auffassungsgabe zu verstecken. Sie suchen die zweite oder dritte Reihe und glauben mit der Zeit, dass dies auch ihr angestammter Platz im Leben sei. Das Tiefstapeln wird zur funktionierenden Strategie im Leben. Die Anlässe, die sie einst dazu verleiteten, werden verdrängt.

Charakteristisch scheint zu sein, dass die wenigsten Betroffenen darauf kommen, dass sie zur Gruppe der Hochbegabten gehören. Die Strategie, sich zu verstellen, ist in Fleisch und Blut übergegangen. Meist braucht es einen Hinweis von außen von jemand, dem die Hochbegabte ein kompetentes Urteil zutraut, damit sich etwas ändert.

Viele hochbegabte Frauen spüren, dass sie „besonders“ sind, legen das aber negativ aus. Schon gar nicht wollen sie offen darüber sprechen, denn das Wort „hochbegabt“ bekommt schnell das Etikett der Arroganz à la „Ich bin besser als du!“ angeheftet.

„Erzählen Sie mir bitte etwas von Ihrem Werdegang“, bat ich Sorina Z.
„Da gibt’s nicht viel zu erzählen. Ich kam mit meiner Familie im Alter von zwei Jahren aus Rumänien hierher. Das war der Wunsch meines Vaters. Meine Mutter war strikt dagegen, weil sie ihre Mutter in der Heimat nicht verlassen wollte. Mein Vater integrierte sich schnell, lernte Deutsch und fand Arbeit. Meine Mutter und meine Schwester, die vier Jahre älter ist, lehnten alles hier ab, unterhielten sich zuhause nur auf Rumänisch.
Weil ich mich daheim langweilte, in den Kindergarten durfte ich nicht, schaute ich in die Deutschbücher meines Vaters. So kam es, dass ich schon nach einem Jahr ganz gut Deutsch sprechen konnte. Mein Vater war darob sehr angetan, zeigte es aber nicht, weil meine Mutter und die Schwester mich auslachten. Ich wäre jetzt auch so eine blödes deutsches Mädchen.“
„Das heißt, für Ihre Sprachbegabung erlebten Sie keine Anerkennung, sondern wurden ausgegrenzt“, folgerte ich.
„Ja genau, und so ging es eigentlich immer weiter. In der Schule fiel mir das Lernen leicht, was mich jedoch zur „ausländischen Streberin“ in den Augen der Mitschülerinnen machte.
Trotz der Gymnasiumsempfehlung der Klassenlehrerin schickten mich meine Eltern auf die Realschule, danach machte ich eine Lehre als Bürokauffrau. Nach einigen Jahren war ich die Sekretärin des Chefs, was mir auch wieder den Neid der Kolleginnen einbrachte. Ein Freund meines heutigen Chefs vermittelte mir die heutige Stelle.“

Warum hochbegabte Frauen seltener auffallen

Hochbegabte Jungen greifen oft zur Strategie des Schulverweigerers, Unruhestifters oder des „Klassenclowns„.  Auf ihr auffälliges Verhalten reagieren dann Lehrer und Eltern und suchen nach den Gründen.
Hochbegabte Mädchen reagieren auf Unterforderung und Unzufriedenheit ganz anders. Sie ziehen sich innerlich zurück, resignieren, entwickeln eine psychische Störung oder diffuse Symptome. Sie machen alles mit sich selbst ab und bleiben so mit ihrer Situation viel länger unauffällig.
Jungen wollen in ihrer Peer-group eher auffallen. Mädchen dagegen haben die Angst, aus einer Gruppe ausgeschlossen zu werden, wenn Sie „besser“ sind. Dafür lernen sie früh, ihre Fähigkeiten und Talente herunterzuspielen oder zu verbergen, um sich dem Durchschnittsniveau der Gruppe anzupassen.
Das zeigt, dass Lehrer und Eltern es schwerer fallen kann, hochbegabte Mädchen als solche zu erkennen. Außerdem halten viele Eltern eine Hochbegabung bei ihren Söhnen immer noch für wahrscheinlicher als bei ihren Töchtern. Eltern erscheinen meist zuerst mit ihren Söhnen bei einer Hochbegabungsdiagnostik.
„Wie war das für Sie, ausgegrenzt zu werden für eine an sich gute Eigenschaft?“, wollte ich wissen.
„Eigentlich ziemlich gewohnt. Ich habe mich schon immer anders empfunden als andere. Wie ein Alien, der auf dem falschen Planeten ausgestiegen ist, kam ich mir vor. Mir war, als ob ich andere Dinge und auch Menschen anders wahrnehme als andere. Das führte dazu, dass ich meine Gedanken und Gefühle immer mehr für mich behielt, was mir andere als Gestörtheit auslegten und mich natürlich noch mehr mieden.“

Woran man hochbegabte Frauen erkennen kann

Hier einige der wichtigsten Anzeichen. Nicht alle müssen bei der einzelnen Frau auftreten:
Beruflich fühlen sie sich schnell unterfordert. Mit Entscheidungen oder Anordnungen von oben tun sie sich schwer, vor allem wenn sie diese als überflüssig oder unsinnig empfinden.
Ihr Wissensdurst scheint unstillbar, auch weil sie schnell unter Monotonie oder Routine bei normalen  Arbeitsaufgaben leiden. Sie haben ein breites Interesse an allen möglichen Gebieten, die nicht unbedingt zusammengehören.
Deswegen finden sie auch oft schwer in einen passenden Beruf. Sie können sich schlecht für ein Gebiet entscheiden oder zweifeln an ihrer Befähigung dafür.
Sie fordern unbedingte Ehrlichkeit, sind sehr direkt und immer auf der Suche nach der „Wahrheit“. Dabei können Sie durchaus andere verletzen oder kränken. Gleichzeitig haben Sie einen hohen Anspruch in allen beruflichen und privaten Beziehungen und wünschen sich viel Gleichklang bei Werten, Moralvorstellungen, Weltanschauungen und Interessen.
Sie sind oft unbequem im Kontakt, weil sie Lügen und Manipulationsversuche sofort durchschauen. Ihr Gerechtigkeitsempfinden lässt sie sensibel auf Machtmissbrauch reagieren.
In starkem Kontrast zu ihren herausragenden Fähigkeiten stehen ihre starken Selbstzweifel. Sie werten ihr Wissen, ihre Intuition stark ab. Unzweifelhafte Erfolge erklären sie nicht mit ihren Fähigkeiten, sondern als Ergebnis von Zufall oder Glück.
In Partnerschaften „verkaufen“ sie sich oft unter Wert. Sind mit jemand zusammen, den sie finanziell unterstützen können, weil sie sich nicht vorstellen können, dass sie etwas vom Anderen geschenkt bekommen könnten.
Smalltalk ist ihnen ein Graus. Bei Menschen, die ausschweifend erzählen, werden sie schnell ungeduldig und unterbrechen denjenigen, um voranzukommen.
In großen Gruppen oder gar im Mittelpunkt stehen, ist ihnen äußerst unangenehm. Hier fühlen sie sich schnell unwohl oder deplatziert und ziehen sich ohne Vorankündigung zurück.
Sie haben oft „Arbeitstörungen“, wenn es darum geht, das eigene Können zu zeigen. Dann entwickeln sie im Schlussexamen eine starke Prüfungsangst trotz vorangegangener Top-Leistungen


„Das Drama der hochbegabten Frau.“

So lautet der Titel eines Buches des Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer, das ich für ein tieferes Verständnis des Themas sehr empfehle. Im Klappentext steht eine Kurzbeschreibung, in der sich hochbegabte Frauen schnell wiederfinden:
Sie halten still, wenn sie über Dinge belehrt werden, die sie längst wissen.
Sie erklären sich für beschränkt, weil sie eine törichte Frage nicht verstehen.
Sie verschleiern ihre Überlegenheit, wenn sie fürchten, ausgestoßen zu werden.
Solche und ähnliche Verhaltensweisen zeigte auch meine Klientin. Das wurde im weiteren Gespräch deutlich, als ich sie fragte:
„Wie leben Sie heute?“
„Ich habe mir mein Leben eingerichtet. Der Posten der Chefsekretärin gefällt mir. Ich komme mit vielen intelligenten Menschen aus der Dozentenschaft und von den Studenten zusammen.
Privat bin ich auch ganz zufrieden. Mein Freund ist Paketbote, bei ihm muss ich mich nicht verstecken. Er weiß, dass ich klüger bin als er, bei ihm entspanne ich mich, weil er sich nichts einbildet. Ich hätte gern Kinder, aber das geht nicht mit ihm, weil wir von seinem Gehalt allein nicht leben könnten. Außerdem traut er sich die Vaterrolle nicht zu, weil er selbst aus einer ziemlich zerrütteten Familie kommt.
Mit meiner Familie komme ich auch gut aus. Meine Mutter und meine Schwester leben wieder in Rumänien und haben dort Putzjobs. Mein Vater wohnt hier, wir verstehen uns gut. Zweimal im Jahr begleite ich ihn nach Hause. Meiner Mutter erzähle ich dann, dass ich in einem Supermarkt an der Kasse arbeite. Sie soll nicht neidisch sein auf mein Leben hier.“
Ich musste innerlich schlucken, als ich diese Lebensbeschreibung der Klientin hörte, weil mir klar wurde, wie sehr sie ihre Fähigkeiten und Wünsche an den eigenen vermeintlichen Grenzen aber mehr noch an den Begrenzungen der anderen ausrichtete.
Ich hatte die Hypothese, dass Sorina Z. ein Leben lang verstecken musste, wer sie war und was sie konnte, um nicht wieder  ausgegrenzt zu werden.

Hochbegabte Frauen haben panische Angst zu zeigen, was sie wirklich können

Will man jemandem helfen, etwas zu erkennen und vielleicht auch zu ändern, braucht man immer einen klaren Auftrag. Fehlt dieser Auftrag, geht die Sache fast immer schief. Die Gründe habe ich hier beschrieben.
„Warum kommen Sie gerade jetzt zu mir?“, frage ich Sorina Z.
„Wie gesagt, es war ein Vorschlag meines Chefs, aber das sagt er schon seit längerem. Den Ausschlag hat gegeben, dass eine Galeristin meine Bilder in einer Sammelausstellung zeigen will. Ich male schon seit meiner Kindheit. Das hat sich so entwickelt, aber alles ganz heimlich. Ich habe nie jemand meine Bilder gezeigt, bis eine gute Freundin sie heimlich dieser Galeristin zeigte. Die war sofort sehr interessiert, sie auszustellen.“
„Und damit kamen Sie in ein großes Dilemma“, vermutete ich.
„Ja genau. Ich würde meine Bilder schon gern ausstellen, auch weil die dort vielleicht verkauft werden könnten und ich gut etwas Geld brauchen könnte, um meinem Freund bei seinem Wunsch nach einem Motorrad zu helfen. Aber schon bei der Vorstellung, dass andere die Bilder mit meinem Namen sehen könnten, löst bei mir große Ängste aus. Zweimal habe ich die Bilder schon zurückgezogen. Aber die Galeristin lässt nicht locker, weil sie meint, dass meine Bilder das Zugpferd der Ausstellung sein könnten. Aber das macht es nur noch schlimmer für mich.“


Wie innere Konflikte unser Leben prägen

Das Dilemma, dem wir im Alltag ständig erleben, ist, dass unsere Wahrnehmung nicht objektiv ist. Oder anders ausgedrückt. Die Welt ist nicht so, wie Sie sie wahrnehmen.
Vielmehr filtert und entscheidet unser Unbewusstes vieles aufgrund längst vergangener und oft nie bewusst gemachter  Erfahrungen. Da wir aber in jeder Sekunde, wo wir wach sind, entscheiden müssen, was jetzt zu tun ist, interpretiert das  Bewusstsein die aktuelle Situation entsprechend der im Leben gemachten Erfahrungen und der Strategie, die sich am besten bewährt hat.

In seinem Buch „Neue Lösungen für vertraute Probleme“ schlägt Reinhard Krätzig vor, sich selbst diese Fragen zu stellen, um einem Lebensthema auf die Spur zu kommen:
1. Was waren die belastenden Umstände der Situation?
2. Was war mein Erleben?
3. Was habe ich über mich selbst gedacht?
4. Was habe ich über andere Menschen gedacht?
5. Mit welchem Mittel (altes Muster) versuchte ich, die Situation zu lösen?

Im Fall meiner Klientin Sorina Z. würden ihre Antworten wohl so ausfallen:
1. Andere Menschen freuen sich nicht, wenn ich etwas besonders gut kann.
2. Ich will Neues lernen und zeigen, was ich kann.
3. Wenn ich das tue, leiden andere.
4. Ich brauche andere Menschen und muss sie schützen.
5. Besser ich verstecke meine Fähigkeiten, damit andere nicht gekränkt sind und mich ausschließen.

Doch es nützt wenig, wenn ich den inneren Konflikt der Klientin erkenne und benenne. Im besten Fall würde sie antworten: „Stimmt!“. Im zweitbesten Fall könnte sie sagen: „Interessant, werde ich mal darüber nachdenken.“ Im schlechtesten Fall wäre ihre Reaktion: „Glaub ich nicht.“
All das ist wenig hilfreich, denn all die Antworten kommen aus dem Verstand.
Der Klient muss jedoch emotional erkennen, was sein Lebensthema ist. So daß es keinen Zweifel gibt, was ihn bisher im Leben gehindert hat. Und woran er in Zukunft schrittweise arbeiten kann, um es zu ändern.
Diese emotionale Erkenntnis versuche ich mit einem positiven Satz zu erreichen, den die Klientin in Achtsamkeit vor sich hinsagt – und genau beobachtet, welche inneren Reaktionen ausgelöst werden. Diesen positiven Satz zu finden ist mein Job als Coach.

Der Satz muss drei Kriterien erfüllen:
1. Er muss die Notlage der Klientin, seinen inneren Konflikt als Kind widerspiegeln.
2. Er muss eine „Wahrheit“ beschreiben, die nicht gedacht oder kommuniziert werden durfte.
3. Er muss das ausdrücken, was ein „magischer Fremder“ dem Kind im besten Fall gesagt hätte.

Ich bat Sorina Z. achtsam zu werden und sagte zu ihr:
„Ich bitte Sie, mal den Satz zu sagen, ich bin gescheiter als ihr!“
Wenn meine Hypothese stimmt und der Satz „passt“, passiert immer etwas Eindrucksvolles. Vor allem für den Klienten. Mit dem Verstand hört er den Satz und „weiß“, dass er wahr ist. Unbewusst wird jedoch der innere Konflikt aktiviert und eine meiste heftige Gegenwehr ist die Reaktion.
So auch bei der Klientin. Sie schnappte hörbar nach Luft, lachte laut auf und brach in Tränen aus:
„NEIN! Das stimmt nicht! Das darf nicht sein!“
Nach einer Weile sagte ich zu ihr: „Es wäre gut gewesen, wenn das damals jemand gesagt hätte. Am besten, Ihre Eltern. Wenn sie die Größe gehabt hätten, anzuerkennen, dass sie eine sehr kluge Tochter hatten. Die sie am besten fördern.“
Sorina Z. hörte mir mit großen Augen zu. Sie war im Zustand des inneren Kindes, deshalb wechselte ich zum „Du“.
„Stattdessen fühlten sie sich durch die Intelligenz eines fünfjährigen Mädchen gekränkt und signalisierten dir, dass es nicht gut ist, wenn du gescheiter bist als sie. Und weil du sie nicht enttäuschen und verlieren wolltest, hast du beschlossen, deine Klugheit zu verstecken. Und niemals wieder etwas zu tun, was andere verärgern oder kränken könnte. Jedenfalls bis jetzt …“
Den inneren Konflikt freizulegen, ist der erste Schritt. Die eigentliche Arbeit der Umsetzung beginnt aber danach. Mit einer speziellen Übung am Endes des Coachings findet die Klientin dann diese ersten Schritte. Manchmal ist auch eine psychotherapeutische Begleitung für eine gewisse Zeit sinnvoll.
Doch Sorina Z. schaffte es alleine.
Nach einem halben Jahr schrieb sie mir eine Mail. Die Ausstellung war ein voller Erfolg. Zwei Bilder habe sie verkaufen können. Den Verkaufspreis habe die Galeristin zweimal nach oben korrigiert. Ihr Freund habe sich als Reaktion auf ihren Erfolg sehr zurückgezogen. Das würde sie ja zur Genüge kennen. Sie überlege, ob er wirklich der Richtige für ihr weiteres Leben ist. Auch der Kinderwunsch wäre noch einmal stärker geworden.
Ich schrieb zurück, sie solle mal die Bedeutung ihres Vornamens googeln. Das wäre doch ein schönes Symbol für ihren zweiten Start ins Leben.
„Sorina“ bedeutet „Morgenröte“.

 

 

 

 

 

Dieser Text ist im Persönlichkeits-Blog des Autors erschienen.

 

 

 

 

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