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Warum machst du Interviews, Patricia?

15.08.2018 - Patricia Bartos

Als Redaktionsleiterin für Bereich Interviews steht man wieder der Frage gegenüber: Mit wem möchte ich sprechen und warum möchte ich das? Nach diesen Gesichtspunkten macht man sich dann auf die Suche nach Gesprächspartnern. Das sind die einen Gesichtspunkte, die wahre Motivation liegt oft woanders. Sie ist viel tiefer, vielleicht sogar besser, umfassender und ehrgeiziger als einfach nur ein brisantes Interview mit möglichst vielen schockierenden Aussagen zu erzielen. Interview bedeutet Gespräch und Gespräch bedeutet Kommunikation. Kommunikation ist wiederum der Schlüssel für Verständnis, Toleranz und Wissen. Anderen Menschen Fragen zu stellen verschafft nicht nur Gehör, es eröffnet anderen Menschen Antworten, die für viele zu einem Aha-Erlebnis werden können, was wiederum dem Redakteur neuen Antrieb gibt. Das simple Zuhören fehlt im alltäglichen Leben oft. Wie Dunja Hayali bereits eindrucksvoll in ihrer Dankesrede zur Goldenen Kamera bereits betont hat: „Keiner hört keinem mehr zu, Worte werden einem im Mund verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen.“ 

Eine Frage, die man selbst oft gestellt bekommt: Warum machst du das eigentlich alles, obwohl du kein Geld dafür bekommst? Die Frage ist berechtigt und gleichzeitig auch nicht. In einer Gesellschaft in der prinzipiell alles über einen Preis definiert wird, ist etwas Kostenloses für viele vielleicht unbedeutend – unbezahlte Arbeit ist aber unglaublich wichtig. Man denke nur an die freiwilligen Feuerwehrleute oder Sanitäter. Und unabdingbar ist sie eben auch im Journalismus. 

Immer nur andere Menschen zu fragen und bei Ihnen nachzuhaken scheint zu einfach zu sein, wenn man sich nicht auch selbst ab und an hinterfragt. Aus diesem Grund werde ich nun auf den Kern des Frage-Stellens zurückgehen und mir die bekannten W-Fragen bei Interviews selbst stellen. Und zwar, um das Format zu betonen und um zu zeigen, warum man das eigentlich alles macht und warum das so viel bedeutet.

WER? Immer wieder sind die Personen verschieden. Die Möglichkeit, mit jedem Menschen ins Gespräch zu treten und zumindest für kurze Dauer in die Welt der Person einzutauchen schafft nie Langeweile, es wird von Interview zu Interview immer spannender.

WAS? DAS MILIEU arbeitet zeitlos, kritisch und anders, das bezieht sich auch vor allem auf das was. Wir versuchen Dinge zu thematisieren, die oft unangenehm sind, einem selbst am Herzen liegen und die Antworten benötigen. Und zwar oft dringend. 

WO? Oft im direkten Austausch, oft telefonisch - aber immer mit persönlicher Note.

WANN? So oft wie möglich.

WIE? Mit viel Sorgfalt, Leidenschaft und gründlicher Recherche.

WOHER? Gespräche kommen immer nur dann zustande, wenn man auf Menschen zugeht. Ein Faktor, der bei uns unabdingbar ist.

Und zu guter Letzt die für viele wohl wichtigste Frage: WARUM? Weil Journalismus in einem Team, das so viel Mühe an den Tag legt, Bereicherung pur ist. Weil es für eine Antwort immer auch eine Frage braucht. Und weil das Ansprechen von Themen Aufmerksamkeit und dem einen oder anderen Menschen Informationen zum Nachdenken bringt. Damit ist im Grunde schon alles erreicht.

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