MILIEU-Mosaik

Was fehlt der Menschheit am meisten?

01.12.2020 - 15 Menschen antworten

Wenn wir darauf schauen, was uns am meisten fehlt, dann fühlen wir uns nicht gut. Vielleicht könnten wir uns das Gegenteil fragen, denn dann denken wir an die Menschen und Dinge, die wir an unserem Leben lieben. Und durch diese tiefe Dankbarkeit fühlen wir uns gut. Denn nicht der glückliche Mensch ist dankbar, sondern der dankbare Mensch ist glücklich… und all die Dinge, die uns fehlen, finden wir nicht irgendwo in der weiten Welt, sondern in uns. Und je mehr wir nach innen schauen und uns selbst glücklich machen, desto glücklicher wird auch die Welt.  
– Dr. Biyon Kattilathu, Autor und Entertainer, Hagen

 

Gerade in der heutigen Zeit ist Rücksichtnahme lebenswichtig und der Zusammenhalt von besonders großer Bedeutung. Freundlichkeit und  Menschlichkeit sind stets wertvolle Begleiter, die uns die besonderen Lebensqualitäten schenkten, die uns oft fehlen.
– Giuseppe Pino Fusaro, Buchautor "Pellegrino. Mein langer Weg nach Hause", Nürnberg

 

Mut zur Menschlichkeit. Mut, sich frei von Vorurteilen zu machen. Mut, sich unabhängig zu machen. Mut, sich frei zu äußern. Mut, sich selbst immer wieder neu zu erfinden. Mut zum Versagen und wieder aufzustehen. Mutig sein!
– Erkan Acar, Schauspieler und Filmemacher ("Hexenjagd – Ein Kampf um Liebe und Freiheit"), Berlin

 

Es braucht eine Politik und ein gesellschaftliches Zusammenleben, die sich letztlich nicht so sehr an Gesetzen, sondern an Kriterien orientieren. Und es braucht Kriterien, die sich weniger an der Vergangenheit und der Gegenwart, sondern mehr an der Zukunft orientieren.
Ganz allgemein gälte es, hier und jetzt „jene Regeln zu erfinden“, die für ein künftiges Zusammenleben „gegolten haben werden“ (Jean-François Lyotard) bzw. jene politischen Akte zu setzen, die „demokratisch gewesen sein werden“ (Jacques Derrida).
Die Gegenwart sollte nicht die Zukunft festlegen, sondern die Zukunft sollte das Handeln der Gegenwart bestimmen.
Ich denke, es fehlt uns ein Denken von der Zukunft her, ein Denken im futur antérieur.
– Peter Zeillinger, Philosoph und Theologe, Wien

 

Uns Menschen fehlt es an Menschlichkeit. Unser unmenschlicher Durst nach dem kurzlebigen Funkeln von materiellen/unmateriellen Besitztümern hat unsere Seele verunreinigt und unsere Existenz in Gefahr gebracht. Aber es ist nicht alles verloren, wir müssen uns nur innerlich tief der alles erobernden Macht der Liebe unterwerfen. Liebe ist alles.
– Mehdi Musawi, Journalist, London

 

Es ist schwierig, diese Frage zu beantworten, ohne zu verallgemeinern; auch bin ich nicht sicher, ob es eine konkrete Antwort auf eine so offene Frage gibt. Wenn ich mich umsehe und in mich selbst schaue, sehe ich, dass mehr Empathie und Geduld dabei helfen könnten, die Handlungen anderer zu verstehen. Ich wünschte, wir könnten bei der Meinungsbildung übereinander weniger extrem sein.
"Agree to disagree" könnte die Grundlage für das Entwickeln einer Meinung sein. Meiner Ansicht nach mangelt es der Menschheit auch an der Freiheit, ein Individuum seiner eigenen Art zu sein. Zusammengefasst: Es mangelt uns an "Akzeptanz, Geduld und Empathie".
– Tamanna Kaushik, Studentin, Göttingen

 

Wir brauchen eine tiefe Naturverbundenheit, der Sicht des Menschen als Teil der Natur und der Natur als unser Lebensraum. Eine Trennung von Mensch und Natur führt zwangsweise immer dazu, dass der Mensch gegen die Natur arbeitet, weil er sie nicht als Teil von sich begreift. Was als feindlich und anders angesehen wird, kann nie effizient geschützt werden. Damit zerstört der Mensch unwissentlich einen Teil von sich und seiner Lebensgrundlage.
– Dario Wolbeck, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Biostation, Brilon

 

Für mich fehlt der Menschheit am meisten Mitgefühl und Verständnis. Ich denke, eine ordentliche Portion davon könnte der Menschheit nicht schaden, denn vielleicht wären dann die Auseinandersetzungen untereinander nicht mehr (so) gewalttätig. Es würde den alltäglichen Umgang miteinander verbessern, wenn man auch einmal versucht, die Situation der anderen Menschen zu verstehen, aber es würde vielleicht auch größere Auseinandersetzungen lösen können. Für das Verständnis ist meiner Meinung nach die Auseinandersetzung mit den eigenen Vorurteilen sehr wichtig und das passiert leider noch viel zu selten.
– Blanca Handwerker, Psychologiestudentin, Trier

 

Ich glaube, der Menschheit mangelt es an Einigkeit und Empathie. Außerdem mangelt es uns daran, uns auf die  wichtigsten Aspekte, die uns auf diesem Planeten voranbringen, zu fokussieren. Wir brauchen mehr Aufklärung über psychische Gesundheit, Umweltbewusstsein und die Fähigkeit, Unternehmen und eine Wirtschaft zu schaffen, die mit der Welt und den Bedürfnissen der Gesellschaft in Harmonie stehen. In diesem Zusammenhang bedarf es uns an mehr Einfühlungsvermögen, damit wir uns um die sozialen Belange bestimmter leidtragender Menschengruppen kümmern können.
Zusammengefasst: Mehr Liebe, mehr Bildung und ein soziales und ökologisches Gewissen.
– Melanie, Neurowissenschaftlerin, Bonn

 

Was der Menschheit am meisten fehlt, ist Vergebung. Das ist etwas anderes als einfach Vergessen oder Beiseiteschieben. Dann würde man aus seiner Vergangenheit nichts lernen. Vergeben heißt, mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen, nicht immer wieder neu für Altes und Bereutes haftbar gemacht zu werden und einen echten Neuanfang machen zu können oder jemandem zu gewähren. Vergebung ist harte Arbeit. Aber sie lohnt sich. Und entlastet ungemein, besonders wenn sie mir zugesprochen wird.
– Tim F., Theologiestudent, Rostock

 

Ich denke, es fehlt der Menschheit an Liebe. Irgendwann und irgendwo ist der Menschheit in Vergessenheit geraten, was wahre Liebe ist. Was uns großflächig übrig geblieben ist, ist eine oberflächliche und missverstandene und teils missbräuchliche Form von Liebe. Eine falsche Liebe, sozusagen.
– Katharina M., Ärztin, Freiburg

 

Meiner Meinung nach hängt die Antwort auf diese Frage davon ab, wie wir "Menschheit" definieren. Ich bin nicht die Art von Person, die nach einer idealen Version der Menschheit strebt, daher ist für mich die Balance von allen Aspekten, die essenziell für einen Menschen sind, wichtig. Sollte es der Menschheit an etwas fehlen, dann ist es vermutlich eine harmonische Balance.
– Nandita Gain, Studentin, Göttingen

 

Das ist eine weitgefächerte Frage. Was der Menschheit meiner Meinung nach fehlt, ist das Bemühen, unsere Unterschiede und Vielfältigkeit wertzuschätzen. Stattdessen fokussieren wir uns auf unsere Herkunft und unser gemeinsames Schicksal des Todes, usw. Wir konzentrieren uns hauptsächlich darauf, wie ähnlich wir uns in Bezug auf unser Aussehen und unsere Ernährung sind, aber uns fehlen die subtileren Ähnlichkeiten: dass die Welt unsere Familie ist und jeder von uns, in seiner Individualität besondere Fähigkeiten und Stärken besitzt.
– Pavan Kumar Alikana, LTDP-Ingenieur, Rom

 

Der Menschheit fehlt es an einem Messias und Erlöser. Ich denke an die Worte eines Gelehrten, den ich sehr sympathisch finde, der mal gesagt hat: "Wir beten nicht mehr um die Ankunft des 12 Imams (Messias (al mahdi)), weil es uns gar nicht bewusst ist, was uns fehlt. Viele von uns stellen sich ein Leben ohne ihre Mutter sehr schlimm vor, manche heulen tagelang, wenn sie ihren Vater verlieren. Doch der Imam Mahdi ist der Vater der Menschheit, der Erde und der Gerechtigkeit, diesseits wie jenseits. Wenn wir wüssten, was uns fehlt, würden wir jeden Tag heulen und beten, dass er kommt..."
– Ali G., Autor, Hamburg

 

Mitgefühl ist es, was uns am meisten fehlt. Wir verlieren die Essenz, die uns zu Menschen gemacht hat: die Fähigkeit zu fühlen, was die anderen (Tiere und Natur eingeschlossen) fühlen. Diese Fähigkeit ist es hauptsächlich, was uns vom Tierreich unterscheidet. Sie ist es, die uns die Werkzeuge gab, um zusammenzuarbeiten und in Harmonie zu leben, Gesellschaften zu bilden und uns zu dem zu entwickeln, was wir heute sind. Wir geben diese Lebenseinstellung auf (denn Mitgefühl ist sicherlich mehr als bloß ein Gefühl), und die Ergebnisse sind offensichtlich – wir sehen sie täglich in unseren polarisierten Gesellschaften, Bruder gegen Bruder und Mensch gegen Natur.
– Pedro García Villa, Geschichtsstudent, Teneriffa, Spanien

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