MILIEU-Mosaik

Was war das beste Kompliment, das dir je gemacht wurde?

01.06.2020 - 15 Menschen antworten

In der heutigen Gesellschaft ist es normal, funktionieren zu müssen. Ich habe häufig den Eindruck, dass Frauen auf ihr Äußeres und Männer auf ihre Fähigkeiten oder Leistung reduziert werden. Ich für meinen Teil konnte mich entweder dagegen wehren oder mich fügen. Ersteres hat nie funktioniert bzw. bin ich auf taube Ohren gestoßen. Somit blieb mir nur mich der "Maschine" zu fügen.

Innerhalb dieses Systems bekommt man man selten ein "hast du gut gemacht". Weder von der Familie noch von Freunden oder im Beruf. Die seltenen Fälle, in denen man für seine lange und harte Arbeit ein Kompliment bekommt, sind für mich somit die schönsten.

Armin B., Archäologiestudent, Kiel


 

Das Bedürfnis nach Anerkennung versuchen wir oft in der zwischenmenschlichen Interaktion zu stillen, in dem Versuch uns selbst und unsere Taten im Spiegel des anderen zu validieren.

Komplimente sind ein wunderbares Mittel, unserem Gegenüber Anerkennung zu schenken.

Meiner Meinung nach sollten wir uns viel öfter von Herzen kommende und gehaltvolle Komplimente machen, da mir in unserer Leistungsgesellschaft meistens die Kritik, wenngleich auch diese bestenfalls immer ein Geschenk ist, das Mittel der Wahl zu sein scheint.

So fiel es mir auch erst schwer, ein Kompliment zu finden, das sich nicht oberflächlich oder hohl angefühlt hatte.

Eine polnische Freundin, die ich während meines Auslandssemesters kennenlernte, sagte mir einige Wochen nach dessen Ende, dass sie "die inspirierenden Gespräche“ mit mir vermisse, was mich sehr berührte.

Für mich implizierte dieses "inspirierend" eine uneingeschränkte Annahme und Wertschätzung meiner Person samt all meiner Ideen und Ansichten, selbst wenn sie von den ihren abweichen.

Und genau das sollten wir einander öfter schenken - uneingeschränkten Respekt, Anerkennung und Zuneigung.

Larissa Benedetti, Psychologiestudentin, Göttingen

 


Meiner Meinung nach kommt ein wirklich berührendes Kompliment nur selten in einem direkt gesprochenen Satz vor. Beispielsweise erkenne ich oft viel mehr Wertschätzung darin, wenn jemand mich freudig zum Klavierspielen auffordert, als wenn man mir sagt, ich spiele gut. Denn dahinter steckt ein kleiner Beweis, dass es wirklich ernst gemeint ist. Deshalb denke ich, dass ich das wertvollste Kompliment in einem Einkaufszentrum bekam, als ich an einem ausgestellten Konzertflügel spielte. Nach einigen Minuten fragte mich eine junge Frau, ob sie bei einem der Stücke mitsingen durfte. Das zeigte mir, dass jemand auf meine Fähigkeiten vertraute.

Victoria Gasmann, Schülerin, Niedersachsen


 

Wenn jemand mich anstrahlt und sagt: “Wie hast du das denn gemacht?"

Helene Dülfer, MTA, Lenglern

 

 

Ich habe oft Komplimente zu verschiedenen Anlässen und von verschiedenen Menschen gehört... Und sie alle waren die besten, jedes von ihnen. Weil sie alle einen Teil von mir erfassten, den ich von mir bisher selbst nicht kannte. Ich lernte damit, die verschiedenen Teile meines Ichs kennenzulernen. Dafür bin ich sehr dankbar!!! Und geschmeichelt gleichzeitig!

Eva Kremer-Brinkmann, Ägyptologin, Paderborn 


 

An das beste Kompliment, dass ich je bekommen hab, kann ich mich ehrlich gesagt nicht erinnern. Worte werden viel zu oft vergessen und sind flüchtig. Daher gibt es für mich kein besseres Kompliment als ein aufrichtiges Lächeln oder ein einfaches “Dankeschön“. Meiner Meinung nach sind es nicht die großen ausfallenden Komplimente, die den Menschen berühren, sondern ein einfaches Lächeln eines geliebten Menschen. Allein dieses Lächeln zu sehen ist das schönste Kompliment, das man bekommen kann.

Kristina B., Studentin der Weltliteratur und Archäologie, Seesen


 

Es ist nicht so, dass ich keine Komplimente bekommen würde, eher dass sich keines davon abhebt. Man sagt mir ich sei hübsch, klug, hilfsbereit, einfallsreich, selbstständig, eine tolle Gesellschaft und gute Sängerin. Selbst für meine Zahnlücke gab es schon Komplimente, aber keines stach hervor.

Doch vielleicht ist es genau das, was es besonders macht. Die Tatsache, dass mir so viele verschiedene Menschen ähnliche Komplimente machen, bestätigt mir, dass jedes einzelne wahr ist und ernst gemeint war. Häufig sind es doch die kleinen Dinge oder Komplimente, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Mira, Restaurantfachfrau, Hamburg

 


Das beste Kompliment, was mir je gemacht wurde, ist, dass ich stark bin. Ich war immer sehr emotional und sensibel. Diese Eigenschaften werden oft immer noch als typische weibliche Eigenschaften kategorisiert, als negativ empfunden und mit Schwäche assoziiert. Es wird oft immer noch impliziert, dass Frauen schwächer sind. Außerdem ist es für viele Menschen unangenehm, mit den Emotionen anderer konfrontiert zu sein. Als ich jünger war, hat zum Beispiel mein Vater geärgert reagiert, als meine Mutter, meine Schwester und ich während eine traurigen Filmszene geweint haben. Deshalb fand ich es sehr empowernd, als mir gesagt wurde, dass ich stark bin: man kann emotional und sensibel und stark sein. Und mittlerweile habe ich begriffen, dass die Fähigkeit, vulnerabel zu sein, eine Stärke ist. Women come in all shapes and sizes and with different character traits - manche sind emotional und sensibel, andere weniger; aber alle Frauen sind stark, in ihrer eigenen Art und Weise.

Charlotte Möller, Studentin der Ethnologie, Tübingen


 

Als bestes Kompliment fällt mir ein, was eine Teilnehmerin meiner Kurse mir geschrieben hat: “Thanks for your patience and encouraging, sir. I would never make it into this stage if you were not supporting me"

Burkhard Luber, Dozent, Nienburg


 

Nachdem ich mein Freiwilliges Soziales Jahr in einem indischen Kinderheim verbracht habe, durfte ich meine Erfahrungen mit einer Gruppe von jungen Menschen teilen, denen ähnliche Herausforderungen bevorstanden. Ich wollte so ehrlich, so authentisch wie möglich sein. Denn: mein Jahr in Indien verlief anders als gedacht, im positiven wie im negativen Sinne. Während des Vortrags starrten mich bewegungslose Gesichter an, es war still. Ich befürchtete, einen dieser langweiligen Berichte geliefert zu haben, die nicht weiterhelfen. Stunden später erhielt ich jedoch die Textnachricht: „Dein Vortrag war so inspirierend! Ich habe jetzt VIEL weniger Angst, tatsächlich ins Ausland zu gehen! Danke dir!“ 

Nicole, Studentin & Beraterin für entwicklungspolitisches Engagement, Göttingen

 


Das beste Kompliment, das mir je gemacht wurde, war von meinem zwei-jährigen Sohn: "Mama, schön"

Anna Alvi, Religionswissenschaft M.A., Hockenheim



Das beste Kompliment, das ich bekommen habe, ist "Du kannst sehr gut beschreiben". Das haben meine Mitbewohner mir gesagt, als ich ihnen von meinem Aufenthalt in Herberhausen erzählen habe: das alte Haus, wo ich als Gast für vier Monaten gewohnt habe, das wie ein Schloß aussah; die Gefühle des typischen deutschen Dorflebens, mit diesem großen Garten gegenüber meinem Schlafzimmerfenster und die kleine Brücke, die über einem Bach gegenüber des Hauses gebaut war; die Magie von dieser winterlichen Atmosphäre, die Erinnerungen an den Wald in der Nähe, wo ich manchmal gewandert war - es erinnerte mich an ein Märchen. Am Ende der Beschreibung hatten meine Mitbewohner gesagt, dass sie sich fühlten, als ob sie wirklich da mit mir waren!

Das hat mich sehr gefreut, da ich Literatur, insbesondere Gedichte, und Fotografie mag, beides Fächer, die durch Bilder wirken/sprechen... und was ist eine Beschreibung, wenn nicht ein Bildaufbau?

Ugo Milano, Übersetzer, Göttingen

 

 

Ich bekomme schon Komplimente, die nicht so tiefgründig sind, z.B. schöne Augen, schöner Akzent...

Emotionale Aspekte hingegen? Schon einige Leute haben mir gesagt, wie sehr sie es respektieren, dass ich während der Corona-Quarantäne ganz allein in einem fremden Land gewohnt habe.

Das lustigste Kompliment, das ich je bekommen habe, kam von einem italienischen Kommilitonen, der mir aus dem Nichts gesagt hat, dass ich ein sehr freundliches Gesicht habe.

Nana Smith, Studentin der Klassik, London

 


Das beste Kompliment, das ich je bekommen habe, kam von einem berühmten afroamerikanischen Blues-Musiker, als ich eine Band in einer Kneipe in Cambridge begleitete. Ich war noch ein recht neuer Saxophonspieler und hatte nie zuvor in dieser Band gespielt. Ich kannte nicht mal die Lieder gut, also improvisierte ich. Nach der Hälfte des Sets zerbrach die Saite des Gitarristen: "Spiel was... Irgendwas!" fauchte er. Der Bassist schüttelte den Kopf, daher begann ich, ein Solo zu improvisieren. Ich wusste nicht, was ich tat, doch als der Blues-Musiker durch die Kneipe ging, blieb er vor mir stehen, schaute mir in die Augen und nickte. Diese wortlose Anerkennung, ein simples Nicken, war das beste Kompliment, das ich je bekommen habe. Manchmal braucht es keine Worte, die Stimmung sagt alles.

Tony Gallucci, Englischlehrer, Göttingen

 


Letztes Jahr, als ich gerade meine italienische Großmutter besuchte, ging es mir wegen einer Reihe von Problemen sehr schlecht. Ich fing vor ihr an zu weinen, und sie sagte zu mir:

“Weine nicht, denn wenn du weinst, zerbricht mein Herz. Immer, wenn du mich “Nonna“ nennst, schmilzt mein Herz. Du bist die stärkste Person, die ich je gekannt habe. Ich bin 88 Jahre alt und ich verspreche dir, dass glückliche Zeiten für alle kommen werden und eines Tages werde ich vom Himmel beobachten, wie glücklich du bist.“

Peter Thomas, Schüler, Rom

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