Weik & Friedrich im Interview

Weik & Friedrich: "Wir zögern den Crash nur hinaus"

15.05.2014 - Nasreen Ahmadi

Mit ihrer ersten spektakulären Publikation „Der größte Raubzug der Geschichte“ erregten die beiden Bestsellerautoren Matthias Weik und Marc Friedrich viel Aufsehen. Nun bringen die beiden Ökonomen ihr zweites Sachbuch heraus: „Der Crash ist die Lösung". DAS MILIEU sprach mit den beiden Erfolgsautoren, Finanzexperten und Querdenkern über die komplexen Probleme in der Finanzwelt und warum uns eine unweigerlich schwere, wirtschaftliche Krise bevorsteht.

DAS MILIEU: In ihrem letzten Wirtschaftsbestseller „Der größte Raubzug der Geschichte; Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“ decken sie schonungslos das Finanzsystem auf und nehmen die Leser auf eine interessante Reise der Lügen, des Betrugs und der gewaltigsten Kapitalvernichtung mit. Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Lage? Konnte der letzte Schaden seitdem minimiert werden und hat die Finanzbranche aus der letzten Krise etwas gelernt?

Friedrich & Weik: Definitiv nein! Sogar das Gegenteil ist eingetreten. Wir zeigen in unserem Buch anhand von Fakten auf, dass alles sogar noch schlimmer wurde. So pervers es klingen mag, aber die Krisenverursacher sind sogar die Krisengewinner. Seit Ausbruch der Krise haben Politik, Notenbanken und Finanzindustrie sich nur teuer Zeit erkauft und damit vor allem eines beschleunigt - die volkswirtschaftliche Schadensmaximierung auf Kosten von uns Bürgern. Nichts wurde aus der Krise gelernt und nichts wurde geändert. Was ist mit all den vollmundigen Versprechen? Was ist mit Basel III, der Finanztransaktionssteuer, der Beschneidung der Banken etc.?

Die Banken haben sich mit dem billigen Geld noch weiter aufgebläht, sind damit noch größer, noch mächtiger und damit noch 'systemrelevanter' geworden. Zudem haben sie Unglaubliches erreicht: Sie ist die einzige Branche, die außerhalb von Recht und Gesetz steht und anscheinend immer wieder auf weichen Federn landet, trotz systematischen Betrug, Lug und Manipulationen am laufenden Band.

DAS MILIEU: Das primäre Problem ist das System von Zins- und Zinseszins. In Europa sind die Staatsschulden trotz aller Rettungspakete gestiegen. Worin liegen denn Ihrer Meinung nach die Gründe, dass an einem derartig falschen System festgehalten wird?

Friedrich & Weik: Wohl eine Mischung aus Ratlosigkeit, Angst und Selbstschutz. Außerdem sägt man nicht an dem Ast, auf dem man sitzt und beißt auch nicht die Hand, die einen füttert.


Die Protagonisten aus der Politik und Wirtschaft werden auch weiterhin alles Erdenkliche tun, um den Status quo aufrecht zu erhalten. Denn sie sind die Nutznießer dieses ungerechten Systems. Dies ist leider auch das Ergebnis unserer Recherche für unser neues Buch.

Der Dogmatismus und ja, fast schon Fanatismus, der an den Tag gelegt wird, trotz der bisherigen fatalen Auswirkungen und Kollateralschäden der verfehlten Rettungspolitik, ist erschreckend. Fakt ist, dass die Halbwertszeit der Rettungspakete immer geringer wird, die Einschläge aber immer heftiger werden und vor allem immer näher kommen. Wir erleben momentan die größte Insolvenzverschleppung in der Geschichte der Menschheit.

DAS MILIEU: Gibt es überhaupt ernstzunehmende Alternativen zum jetzigen System?

Friedrich & Weik: Selbstverständlich. Es gibt immer Alternativen. Das Trennbankensystem zum Beispiel hat über 60 Jahre hervorragend funktioniert. Das gedeckte Geldsystem, wenn richtig angewendet, hat sich bewährt, aber auch das Vollgeldsystem klingt spannend. Alternativen sind da, nur der Wille und Mut fehlt. Zudem ist die Finanzlobby die mächtigste Lobby der Welt, mit einem sehr gut gefüllten Portemonnaie.

DAS MILIEU: Ihr neues Buch, das morgen erscheinen wird, hat den sehr provokanten Titel 'Der Crash ist die Lösung'. Wie kommen Sie darauf, dass ein Crash die Lösung für etwas sein könnte?

Friedrich: Ein Crash kann durchaus etwas positives und reinigendes sein.

DAS MILIEU: Was glauben Sie wird der hauptsächliche Auslöser für den Crash sein?

Friedrich & Weik: Das kann alles Mögliche sein. Es sind etliche Variablen im System, die das System zum kippen bringen können. Angefangen bei der katastrophalen Kamikazepolitik Japans mit seiner horrenden Verschuldung, das extrem aufgeblähte Schattenbankensystem in China, ein Krieg im Mittleren Osten, der Ukraine-Konflikt, ein Bürgerkrieg in Südeuropa, ein Flash Crash an den Börsen, eine große Bank, die umkippt, eine erfolgreiche Separationsbewegung, der Dollar- oder Eurocrash, der Staatsbankrott von Griechenland, Italien oder Spanien, die Staatsanleihen-Blase, die platzt etc. pp. Sie dürfen sich eine aussuchen. Fakt ist: Es ist nicht die Frage, ob der Crash kommt, sondern lediglich wann.

DAS MILIEU: Hat die Politik noch Möglichkeiten da einzugreifen? Und wenn nicht, wie lange könnte sie einen Crash noch hinauszögern?

Friedrich & Weik: Bisher wurde der finale Crash sehr erfolgreich von den Protagonisten aus Politik und Notenbanken hinausgezögert und mehrfach verhindert. Dies wird aber mit jedem neuen Krisenbeben immer schwieriger und vor allem kostspieliger. Schon jetzt erleben wir die Aushebelung der Demokratie wenn am laufenden Band von oberster Stelle geltende Gesetze gebrochen werden, um ein Finanzsystem am Leben zu erhalten, welches nachweislich gescheitert ist. Wir können leider im Gegensatz zu Analysten nicht in die Zukunft schauen. Der Crash kann bereits morgen passieren, in drei Wochen oder erst in fünf Jahren. Wichtig ist, dieses Zeitfenster noch zu nutzen, um sich darauf vorzubereiten, denn Vorsorge ist immer besser als Nachsorge!

DAS MILIEU: Die Politik spricht ständig davon, dass sie die Mächtigen in der Finanzbranche bändigen möchte. Ist das Ihrer Meinung nach realistisch? Falls ja, wäre damit das Kernproblem gelöst?

Friedrich & Weik: Dies ist unserer Ansicht nach nicht realistisch – denn Geld regiert die Welt. Zwischen der Politik und der Finanzindustrie besteht eine sehr ungesunde, einseitige Abhängigkeit. Schauen wir uns dies mal genauer an: Wie finanziert sich ein Staat? Einmal über Steuereinnahmen und dann über den Verkauf von Staatsanleihen. Wer kauft diese Schuldscheine der Staaten zu 99%? Banken und Versicherungen. Was glauben Sie, wer nun die Zügel in der Hand hat. Der Gläubiger natürlich bestimmt, wo es lang geht, welche Gesetze gegen ihn zugelassen werden und welche nicht. Aus diesem Grund hat sich auch seit der Krise 2008 nichts geändert. Schon in unserem ersten Buch haben wir folgendes aufgezeigt: Josef Ackermann, damals noch Chef der Deutschen Bank, hat seinen 60. Geburtstag im illustren Kreis im Bundeskanzleramt auf Staatskosten gefeiert. Dies war ein ganz klares Signal nach außen, wer die wahre Macht im Lande ist.

DAS MILIEU: Aus Ihrem neuen Buch lässt sich herauslesen, dass der Euro Europa nicht eint, sondern zerstört und dass er bereits gescheitert ist. Angela Merkel wiederholt immer wieder, dass der Euro die Grundlage unseres Wohlstandes ist. Woher kommen diese zwei unterschiedlichen Wahrnehmungen?

Friedrich & Weik: Rekordarbeitslosenzahlen, Rekordstaatsschulden, eine Gemeinschaftswährung, die seit Jahren auf der Intensivstation liegt und mit Dauernotprogrammen am Leben erhalten wird.


Durch eine falsche Politik wird ein brandgefährlicher Nährboden für Extremisten, Separatisten, menschliche Rattenfänger und bürgerkriegsähnliche Zustände gelegt. Um das politisch motivierte Währungsexperiment 'Euro' zu retten, wird eine ganze Generation im Süden Europas geopfert. Man kann sich nicht genug empören.

Die Faktenlage zeigt überdeutlich, dass die Menschen in Europa unter der politisch motivierten und jetzt schon gescheiterten Kunstwährung leiden.

Wir zeigen in unserem Buch ganz klar auf, dass weder wir Deutschen, noch Länder wie Frankreich, Spanien, Portugal oder Griechenland vom Euro profitieren. All diesen Ländern geht es heute wesentlich schlechter, als zu Vor-Eurozeiten. Profiteure vom Euro sind alleine Unternehmen und die Megareiche – es findet ganz klar ein Vermögenstransfer von unten und der Mitte nach ganz Oben statt. Leidtragende sind die Arbeitnehmer, die Menschen und wir als Gesellschaft gesamt. Denn die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer und damit auch die sozialen Spannungen – wir alle können bei diesem Spiel nur verlieren! Dieser Wahnsinn muss ein Ende haben.

DAS MILIEU: Das kapitalistische Wirtschaftssystem, so wie wir es kennen, würde durch den Crash ins Wanken geraten. Glauben Sie, dass sich eine neue Wirtschaftsordnung durchsetzen würde, die gerechter ist, als die derzeitige, in der das Prinzip 'Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren' gilt?

Friedrich & Weik: Welcher Kapitalismus? Wenn Notenbanken ständig in die Märkte eingreifen, Banken und Unternehmen verstaatlicht werden und Aktionäre enteignet werden, dann haben wir bestimmt alles - aber keinen Kapitalismus.

Wir sind davon überzeugt, dass sich eine neue und gerechte Wirtschaftsordnung durchsetzen wird, die zur Abwechslung mal allen Menschen dient und nicht nur 5%.

DAS MILIEU: Wer wird der größte Verlierer des Crashs sein und mit welchen gesellschaftlichen Entwicklungen müssen wir rechnen?

Friedrich & Weik: Wie bei jedem Crash - 90% der Bevölkerung. D.h. die Besitzer von Papierwerten.  Da wir nicht in die Zukunft blicken können, ist es uns leider unmöglich zu sagen, mit welchen gesellschaftlichen Entwicklungen wir rechnen müssen. Angenehm wird es nicht. Voraussichtlich wird die Bevölkerung es nicht ohne weiteres hinnehmen, dass sie ein Großteil ihrer Ersparnisse verloren hat. Möglich ist alles. Vom Bürgerkrieg bis zur Resignation.

DAS MILIEU: Wie können wir uns ein Leben nach dem Crash vorstellen?

Friedrich & Weik: Wir alle werden abgeben müssen. Wir alle werden an Wohlstand verlieren. Vielleicht gewinnen wir dadurch aber auch an Lebensqualität hinzu und leben wieder miteinander, statt nebeneinander. Der Staatsbankrott in Argentinien könnte als Beispiel dienen. Er hat viele Menschen wieder enger zusammenrücken lassen und wieder zusammen gebracht. Man hat sich wieder wahrgenommen, gegenseitig geholfen und sich mit dem Wesentlichen und Wichtigen auseinander gesetzt. Wir werden uns wieder auf den eigentlichen Sinn des Menschseins besinnen. Davon sind wir fest überzeugt.

DAS MILIEU: Wie kann man sein Geld rechtzeitig in Sachwerte umschichten, um sein Erspartes nicht zu verlieren?

Friedrich & Weik: Wie schon erwähnt: Verlieren werden wir alle – es ist nur eine Frage wieviel. Wir raten jedem, in Dinge zu investieren, die er versteht und anfassen kann. Da man den genauen Verlauf und Auswirkungen des Crashs nicht vorhersehen kann, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich so gut wie möglich abzusichern und vorzubereiten. Einen Teil jetzt schon physisch in Edelmetallen zu besitzen ist essentiell. Dies sollte auch als eine Art von Versicherung angesehen werden. Wir gehen auch von einem deflationären Schock aus, bei dem alle Vermögenswerte sich verbilligen. Dann ist Bargeld gefragt. Wir empfehlen Investments immer in mehreren Branchen zu tätigen. Des Weiteren plädieren wir für die Säulenstrategie. Um so mehr Vermögensstandbeine man hat, um so stabiler steht man – auch wenn einige Standbeine wegbrechen. Jetzt ist noch Zeit sein Vermögen krisensicher zu machen. Wir raten ganz klar: Raus aus Papierwerten - die haben in der Vergangenheit immer schlecht abgeschnitten und massiv an Wert verloren - und rein in Sachwerte.

DAS MILIEU: Niemand möchte gerne einen solchen Crash erleben. Gibt es noch irgendetwas, was Sie doch hoffnungsvoll stimmt oder stimmen könnte?


Friedrich & Weik: Absolut! Jede Krise ist eine Chance – und momentan haben wir die schwerste wirtschaftliche Krise der Menschheit, ergo auch die größte Chance – lassen Sie uns diese alle gemeinsam nutzen und etwas Gutes daraus entstehen lassen.

 

DAS MILIEU: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Friedrich und Herr Weik!

 

 

 

Matthias Weik und Marc Friedrich: "Der Crash ist die Lösung. Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten"
Eichborn Verlag, 2014, 384 Seiten. ISBN: 978-3847905547

 

 

 

Das Interview führte Nasreen Ahmadi am 14. Mai 2014.

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