Instrumentalisierung

Werte in Geiselhaft

01.06.2021 - Nicolas Riedl

Wer ist nicht für Umwelt- und Gesundheitsschutz, Anti-Rassismus, Inklusion benachteiligter Mitglieder unserer Gesellschaft sowie für einen toleranten Umgang zwischen Menschen aller Geschlechter und sexuellen Orientierungen? Die meisten Menschen dürften diese Werte bejahen. Elitäre Zirkel wissen das und nutzen diese als Lockmittel, damit die breite Masse in ihrem Sinne handelt. Das ist in mehrfacher Hinsicht perfide. Zum einen verdunkelt es ihre elitären Absichten. Und zum anderen erscheinen wirklich konsequenten Aktivisten, die das derzeitige Herrschaftssystem überwinden möchten, diese Werte als „ideologisch kontaminiert“. Selbst löbliche Ziele werden dann als „falsch“ wahrgenommen, da elitäre ThinkTanks und PR-Agenturen diese instrumentalisieren. Die einzige Lösung besteht darin, dass wir uns diese Werte zurückerobern.

Ob Klimawandel, Corona, Feminismus oder Antirassismus — all diese Themenfelder sind elitär vereinnahmt. Man könnte hier nun wieder seitenweise ausführen, inwieweit das der Fall ist. Aber das haben bei Rubikon schon vielevieleviele vor mir gemacht. Außerdem kann sich jeder in den Büchern von World-Economic-Forum-(WEF)-Gründer Klaus Schwab zum Great Reset (1) oder von Bill Gates über den Klimawandel (2) selbst davon überzeugen.

Wir wollen hier ein themenfeldübergreifendes Phänomen behandeln. Nämlich, dass unsere Werte wie von einem Virus befallen wurden. Oder — um ein Beispiel zu wählen — verhält es sich so ähnlich wie mit dem gestalten-wandelnden Antagonisten „T1000“ aus „Terminator 2“. Dieser Kampfroboter kann sich verflüssigen und andere Gestalten — beispielsweise von Verbündeten — annehmen, um damit die Menschen in eine Falle zu locken.

Es ist also absolute Vorsicht geboten! Nicht überall wo „Solidarität“, „Umweltschutz“, „Antirassismus“ oder „Feminismus“ drauf steht, ist das Genannte auch enthalten!

Vielmehr sind es falsche Versprechen, wie wir sie aus der Trickkiste der Werbebranche kennen. Die Werbung von Autos verspricht Freiheit, die von Zigaretten Sexappeal und die von Airpod-Schnüre die Befriedigung von Bedürfnissen, die niemand ohne die Airpods hätte. Hinter all den Versprechungen steht aber selbsterklärend nur eine Intention der Absender: Kauf mich!

Hinter den Versprechungen mit unseren Werten verbergen sich natürlich — neben dem Geld — andere Intentionen: mehr Kontrolle, stärkere Überwachung, Unruhen bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen und eine gespaltene Gesellschaft, bestehend aus entfremdeten Individuen. Die Menschheit lässt sich unter diesen Umständen wesentlich besser regieren.

Die Kulturanthropologin Aya Velázquez beschreibt den Lesevorgang von Klaus Schwabs Buch so, dass sie durch etwa 12 Sätze eingelullt wurde. Aber dann würde Schwab dem Leser noch einen 13. Satz unterjubeln, denn man — würde er für sich alleine stehen — niemals unterschreiben würde. Aber betört von den ersten 12 Sätzen als Köder würde man den folgenden einfach mitschlucken.

Moralische Entfremdung

Die Geiselhaft unserer Werte ist in mehrfacher Hinsicht ein schwerwiegendes Problem. Einerseits verhindert sie die wahrhafte Emanzipation von unserem derzeitigen Herrschaftssystem, das durch die Finanzsystemmechanismen der gewieften Installateure die Reichen oben und die Armen unten hält. Des Weiteren bleibt zuweilen das wahrhafte Engagement für die benannten Werte und Ideale auf der Strecke, da sie zweckentfremdet werden. Gleichzeitig kann sich bei Systemkritikern eine Aversion gegenüber Aktivismus für Klima, Feminismus und Co einstellen, da sie diese an sich lobenswerten Ziele automatisch mit Greta, Soros und Davos verknüpfen.

Das wäre fatal! Wir müssen uns diese Werte zurückerobern!

•   Einen Planeten, auf dem wir — weiter — leben können, erhalten wir ohne Öko-Diktatur!

•   Gesundheit benötigt keine Massenimpfungen!

•   Rassismus wird nicht dadurch überwunden, indem man den Spieß einfach umdreht, sondern durch gesellschaftlich betriebene, ehrliche Schattenarbeit der individuellen wie kollektiven Psyche.

   Toleranz gegenüber allen wie auch immer sexuell ausgerichteten Menschen und noch so diversen Geschlechtern entsteht durch die Schaffung von Tatsachen. Will heißen, eine Gesellschaft, die Toleranz mit der Muttermilch einsaugt, in deren Bewusstsein die Toleranz tief verwurzelt ist, benötigt keine political correctness und keine Massakrierung der Sprache mit einem Krieg der Gendersterne (a1). Eine wahrhaft tolerante Gesellschaft lebt Toleranz und muss sie nicht Alibi-halber mit abstruser Sprachakrobatik künstlich und auch bloß für den Anschein herstellen.

Die Okkupation unserer Werte und Ideale ist ein Angriff auf unser moralisches Immunsystem. Es ist, als seien die Zellen unserer moralischen Instinkte befallen.

Wir müssen also wie unser eigener Körper auch, Killerzellen entwickeln, die befallene Zellen lokalisieren und anschließend unschädlich machen. So trennt sich die Spreu vom Weizen. Auf dieser Grundlage kann dann auch ein ehrliches Engagement entstehen, für Naturschutz, Feminismus, Einstehen gegen Ungerechtigkeiten und dem Abbau von rassistischen Ressentiments.

 


Quellen und Anmerkungen:

(a1) Persönliche Anmerkung: In älteren Artikeln habe ich eine gewisse Zeit lang „gendergerecht“ geschrieben. Das geschah zu einer Zeit, als ich dieses Phänomen nicht so recht einzuschätzen wusste, diese Schreibweise aber für tendenziell richtig hielt. Mittlerweile bin ich zu der Schlussfolgerung gekommen, wie ich sie im obigen Artikel dargelegt habe.
(1) Schwab, Klaus; Malleret, Thierry: Covid-19 — The great reset, Cologny/Geneva, 2020. Edition 1.0.
(2) Gates, Bill: Wie wir die Klimakatastrophe verhindern — Welche Lösungen es gibt und welche Fortschritte nötig sind, München, 2021. Piper Verlag.

 

Nicolas Riedl, Jahrgang 1993, ist Student der Politik-, Theater- und Medienwissenschaften in Erlangen. Er lernte fast jede Schulform des deutschen Bildungssystems von innen kennen und während einer kaufmännischen Ausbildung ebenso die zwischenmenschliche Kälte der Arbeitswelt. Die Medien- und Ukrainekrise 2014 war eine Zäsur für seine Weltanschauung und -wahrnehmung. Seither beschäftigt er sich eingehend und selbstkritisch mit politischen, sozio-ökonomischen, ökologischen sowie psychologischen Themen und fand durch den Rubikon zu seiner Leidenschaft des Schreibens zurück. Soweit es seine technischen Fertigkeiten zulassen, produziert er Filme und Musikvideos. Er ist Mitglied der Rubikon-Jugendredaktion und schreibt für die Kolumne „Junge Federn“.


Erstveröffentlichung des Artikels: rubikon.news

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