Olympia in Russland

Zwischen Sport und Politik muss man trennen...

15.06.2014 - Steffen Finnern

…, hört man immer dann, wenn die beiden Bereiche im Grunde genommen untrennbar sind. Man hört es, von Personen, denen der fade Beigeschmack eines Großereignisses sauer aufstoßen könnte. Allein die Idee, die Gebiete trennen zu wollen, legt bereits offen, dass sie bis zu der geforderten Trennung wohl unweigerlich miteinander verbunden sind.

Was gerade ein großer Trend unter Leuten, die sich für Fußball nicht im Geringsten interessieren, ist, die WM zu boykottieren. Anstatt sie einfach nicht zu gucken. Gründe dafür gäbe es, zugegebenermaßen, mehr als genug. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich die olympischen Winterspiele boykottiert habe. Unter großen persönlichen Entbehrungen bin ich standhaft geblieben und habe den Fernseher weder beim Finale des Eisstockschießens, noch beim Biathlon oder Rennrodeln eingeschaltet.

 

Natürlich haben Wladimir P. und die Seinen bei den Vorbereitungen der Winterspiele mächtig am Zeiger gedreht. Menschenrechtsverletzungen und vor allen Dingen das Umkrempeln eines Landstriches und der Bau von Wintersportanlagen an einem Ort, an dem diese aus durchaus nachvollziehbaren Gründen bislang einfach nicht vorhanden waren, fallen einem da spontan ein.  Was, da sind wir uns glaube ich einig, gar nicht klar geht. Die Damen und Herren aus dem Kreml nun allerdings im Nachhinein für den letzten Punkt einseitig zu verteufeln, ist eventuell ein bisschen unglaubwürdig, denn man hätte das ganze Spektakel ja auch einfach irgendwo abhalten können, wo gerade Winter war. Blöd, dass dem IOC bei der Entscheidung zur Vergabe der Spiele scheinbar weder ein Landkarte, noch Google Maps, oder auch nur ein halbwegs brauchbarer Geograf zur Verfügung standen. Die FIFA jedenfalls hatte mit diesem Nicht-vorhanden-sein nichts zu tun. Deren Funktionäre ließen sich zeitgleich in Katar von dem revolutionären Konzept, alle Spielorte an einem Tag ganz bequem per Segway erreichen zu können, überzeugen...

IOC. Da war doch was. Genau, der frisch gebackene Chef des Ladens ist Thomas Bach. Einer von uns. Yes! Nebenbei sitzt er halt auch noch im Vorstand der Ghorfa. Aber hey, was kümmert es uns, was der Mann in seiner Freizeit macht, oder? Was ist die Ghorfa? Eine Organisation, die sich um die Verbesserung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Arabischen Raum kümmert. Und nach wie vor die so genannte 'Vorlegalisierung' betreibt. Dass diese 'Vorlegalisierung' nun bisweilen als israelfeindlich angesehen wird, mag daran liegen, dass sie das ist. Und gab es da nicht noch diese Sache mit der Schweigeminute für die Opfer der Attentate der olympischen Spiele von München? Sollte die nicht bei den Spielen in London 2012 abgehalten werden? Wer hatte noch gegen diese Schweigeminute gestimmt? Und warum noch gleich?

 

Ein ebenfalls recht aktueller Fall, bei dem Sport und Politik mal wieder so wirkungsvoll getrennt wurden, dass die Untrennbarkeit inzwischen auch dem letzten Betrachter klar geworden sein dürfte, ereignete sich vor einigen Wochen am Rande eines Vorbereitungsspiels der deutschen Nationalmannschaft in Hamburg. Da waren Funktionäre des DFB der Auffassung, bei den Trainingseinheiten am Millerntor müsse das dort hängende Banner mit der Aufschrift 'Kein Fußball den Faschisten' teilweise überklebt werden, damit kein politisches Statement bei der Berichterstattung im Hintergrund zu sehen wäre. So stand da dann einfach nur noch 'Kein Fußball', was zwar kein politisches Statement, aber am Rande eines Fußballspiels jedenfalls ein reichlich merkwürdiges Statement darstellt. Aber halt! Gibt es da nicht diese Werbung mit der Catchphrase „DFB – Mas Integracion“? Wenn diese Werbung direkt vor Anpfiff noch mal eingeblendet wird, kommt einem der Vorsatz, keine politischen Statements am Rande einer Sportveranstaltung zuzulassen, schon ein bisschen spanisch vor. Oder könnte es sein, dass die Verantwortlichen in diesen Fällen einfach ihre Deutungshoheit nicht abgeben wollten? Oder sind politische Statements doch ok, wenn man sich dafür auch einen Sendeplatz gekauft hat? Fragen über Fragen.

Ich persönlich fände es relativ schade, wenn aufgrund solcher Grabenkämpfe am Ende dann zum Beispiel nur noch die UEFA „Nein! zu Rassismus“ sagen dürfte. Während alle anderen weiter versuchen, die Milliardengeschäfte, das sind die sportliche Großveranstaltungen nun mal, und Politik zu trennen.

 

 

 

 

Foto: © s. yume

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